Die Nummer 8 ist wirklich etwas Besonderes. Ohne Frage eine gesungene Symphonie. Mahler hatte zuvor bereits Stimmen und Chöre in sein symphonisches Werk eingeführt, aber jetzt wurden auch die Stimmen wie Instrumente behandelt. Denn, so dachte Mahler, ist die Stimme nicht auch das schönste menschliche Instrument?
Er hielt seine 8. Symphonie daher für sein bestes bisheriges Werk, das 1906 entstanden war. Er behielt recht bei der Uraufführung 1910. Es war ein glänzender Erfolg. Dieses Mal keine klassische vierteilige Struktur, zwei Teile mussten genügen, sehr unterschiedlich, aber beide gleichermaßen beeindruckend. Und wenn man all diese Musiker auf der Bühne sah und sogar in den Logen, war das wirklich beeindruckend. Sein Verleger taufte das Werk die "Symphonie Der Tausend". In Bozar waren es zwar etwas weniger, aber genug, um diesen Begriff zu rechtfertigen.
Drei föderale Institutionen bündelten dafür ihre Kräfte: Bozar, das Orchester und der Chor von De Munt (einschließlich Chor-Akademie, Kinder- und Jugendchor), das Belgian National Orchestra, 8 Solisten und zusätzlich das Vlaams Radiokoor. Anzahl der Instrumente? Nicht nur Streicher, Bläser, Schlagwerk, sondern auch eine Harmonium, Klavier, Celesta, elektrische Orgel (nicht die von Bozar, die sich immer noch vom Brand erholt...), sogar Mandoline. So viel hattest du noch nie zusammen und überwältigend beim Eröffnungssatz eines symphonischen Werkes gehört.
Es klang wirklich ohrenbetäubend. Ob es auch den Ohren der verfeinerten Alma Mahler gut klang, ist fraglich. Musste er damit seine Frau gefallen, um sie zurück in die familiäre Ordnung zu bringen? Aber dieses Meisterwerk war jedenfalls eine kompositorische Kraftleistung. Und ja, es gab auch lyrischere Passagen, in denen Solisten und Chöre, aber auch die Orchester glänzen konnten, bis hin zu einem weichen Sylvia Huang-Violinsolo. Aber alles baute sich wieder zu einem Klimax auf, bei dem das Publikum aus der königlichen Loge fast von schallenden Trompeten und Posaunen umgeweht wurde.
"Nicht diese Töne", würde Beethoven jetzt sagen für den völlig anderen zweiten Teil. Nicht mehr basierend auf der gregorianischen Pfingstshymne "Veni Creator Spiritus", sondern dieses Mal auf den Schlustext von Goethes romantischer Faust-Geschichte. All diese ausführenden Künstler, denn so kann man all diese Musiker und Sänger doch nennen, Künstler, reißen uns nun vollständig in diese Geschichte mit. Manchmal murmelnd und dann wieder ausgelassen. Weil Mahler schrieb, als würden Sänger Instrumente sein, versenken ihre Stimmen sich manchmal in Mahlers echtes Instrumentarium, das jubelnde Orchester. Das führte uns zu höheren Sphären, zu einem Ende, das Erlösung ausstrahlen sollte, weg von irdischem Jammer und Qual und angetrieben durch schrille Posaunenstöße, wiederum aus der königlichen Loge.
Die Liebe triumphiert bei Faust, so hofft auch Mahler, seine Ehe zu retten. Was wir erlebt haben, war jedenfalls ein Triumph für die drei föderalen Institutionen, Triumph für alle Musiker und vor allem, Triumph für Dirigent – stehende Ovation – Alain Altinoglu.