Ein frühes Sinterklaas-Geschenk: Elli Choi...
Ja, sie ist erst 23 Jahre alt.
Ja, sie studierte an der Juilliard School New York.
Ja, sie spielte in Carnegie Hall, in der Philharmonie Berlin, in der Tonhalle Zürich, im Rudolfinum Prag, in Salzburg, in Dubai und Beijing.
Ja, sie gewann den ersten Preis beim Wieniawski-Lipinsky International Competition in Lubin.
Ja, beim Elisabeth-Wettbewerb 2024 musste sie nur die zwei 'Großen', Udovyshenko und Joshua Brown, vorbeilassen.
Ja, sie war in unserem Land für zwei prestigeträchtige Konzerte: das Galaconcert zum 75. Jahrestag der Gründung der NATO mit dem Groot Harmonieorkest van de Koninklijke Muziekkapel van de Gidsen unter Leitung von Yves Segers, und ein Wohltätigkeitskonzert, das Lions Club Sint-Niklaas City organisierte, um Kinderarmut zu bekämpfen und Kindern, die in Armut leben, Unterstützung zu geben.
Für dieses Recital wurde Liebrecht Vanbeckevoort engagiert, immer gleich begeistert. Eine so gute Wahl, sodass eine volle Collegekerk von einem Traum eines Recitals genießen konnte, das Faurés Zugabennummer „Après un rêve" eine ganz reale Bedeutung gab.
Das Programm, schön präsentiert von Katelijne Boon, würdige Gewinnerin des Großen Sprachpreises Martine Tanghe, umfasste nichts als 'Highlights': die anspruchsvolle 'Chaconne in d' von Bach, die Violinsonate von Richard Strauss, deren zweiter Teil, 'Andante cantabile', vielleicht die schönste Melodie aus der Musikgeschichte enthält, eine Polyphone Étude über 'The last rose of summer' des legendären Nachfolgers von Paganini, Heinrich Wilhelm Ernst, die beeindruckende Violinsonate von Brahms, die zu einem packenden Dialog voller Gleichgewicht und Leidenschaft wurde, und ein Concert Fantasie über 'Porgy and Bess' von Igor Frolov. Nicht einfach ein illustrer Unbekannter, dieser Professor am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium, der in der Klasse von David Oistrach absolvierte. Von einem bescheidenen Anfang mit einer neuen Kadenz zum Violinkonzert Nr. 5 von Mozart stieg seine kompositorische Aktivität steil in die Höhe mit Werken und Arrangements für eine oder zwei Violinen und Klavier für unter anderem Maxim Vengerov und Vadim Repin. Sein 'In memoriam of David Oistrach' war Pflichtwerk beim Tschaikowski Violinwettbewerb.
Bravour, Virtuosität und Musikalität, genau das Richtige für sowohl Elli Choi als auch Liebrecht Vanbeckevoort. Mit scheinbar 'spielender Leichtigkeit' meisterten sie dieses schwierigste Programm. Sie ergänzten sich perfekt. So hörten wir eine noch bessere Elli Choi als damals, als sie in Bozar mit Sibelius gegen die Klangfülle der Bläser der Gidsen antreten musste. Keine Solistin kann sich solidere, zuverlässigere Unterstützung vorstellen als die immer aufmerksame Begleitung durch Liebrecht, der jetzt schon an seine Konzertreihe 'Klassiek leeft 2025' in Knokke denkt.