Zum Inhalt springen
Dit is een volledig nieuwe website, vond u een bug, stuur ons een email op bestuur@klassiek-centraal.be
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

Sibelius' Vierte Sinfonie stilvoll inszeniert in Göteborg

A
· 5 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Sibelius' Vierte Sinfonie stilvoll inszeniert in Göteborg
© Alpha 1008

Sibelius' Musik widerlegt es nicht: dass sie aus einer musikalischen Kultur stammt, die jeder Tradition entledigt worden war, mit der Natur als wichtiger Inspirationsquelle, den ausgedehnten finnischen Wäldern, den Seen, der Nationalfolklore, dem Kalevala-Epos. Das hören wir in seiner Musik wieder, die oft genauso ausgedehnt wirkt wie die finnische Landschaft. Dennoch: In seinen sieben Symphonien sind diese Merkmale weniger prominent, hier kommt eher der unverfälschte Symphoniker Sibelius zu Wort. Was durchaus passt zu dem, was er 1907 in Wien während eines Treffens mit Gustav Mahler bemerkte: dass es in der Symphonie vor allem um strikte Formgebung gehen sollte und dass es die Logik war, die die vielen Motive miteinander verbinden musste. Eine Auffassung, die diametral der Mahlers gegenüberstand, der gerade fand, dass die Symphonie die ganze Welt, also alles umfassen sollte.

Sibelius hat es zwischen 1899 und 1924 nicht bei diesen Worten belassen, sondern ein symphonisches Werk geschaffen, in dem die organische Entwicklung tatsächlich im Mittelpunkt steht. Dies kommt auch stark in der aus 1911 stammenden Vierten Symphonie zum Ausdruck, einem äußerst düster gestimmten Werk, wahrscheinlich entstanden unter dem Einfluss eines tiefgreifenden Ereignisses, das ihn etwa drei Jahre zuvor getroffen hatte: Kehlkopfkrebs und die immer mögliche Rückkehr desselben, trotz der in Berlin erfolgreich verlaufenen Operation. Ein nüchternes Werk auch durch die ziemlich monochrome Orchestrierung, den wenig aufheiternden Charakter noch verstärkt durch die häufige Verwendung des Tritonus und (wenn auch leicht) dissonanten Akkorden. Es ist ein Bild, das zu dem passt, was der Komponist einmal zum schwedischen Schriftsteller und Maler August Strindberg bemerkte: 'Det är synd om människorna' (Mensch sein ist Elend).

Die Grauheit ist allerdings nicht an der vorgeschriebenen Instrumentierung abzulesen, bestehend aus 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotten, 4 Hörnern, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Glockenspiel, Pauken und Streichern. Darüber hinaus: Es tauchen auch leichtfüßigere Momente auf – wenn auch nicht lange – die die düstere Stimmung in den Hintergrund drängen. Wie auch Trost und Ergebung aus dem Werk sprechen, obwohl der dunkle Tenor des Opus dem Zuhörer am meisten in Erinnerung bleiben wird.

Aber was die Vierte Symphonie auch enthält, ist ihre widerspenstige Originalität, wodurch das Stück sich keineswegs leicht interpretieren lässt. Mitverantwortlich dafür sind die vielen Mehrdeutigkeiten (auch in Bezug auf die vorgeschriebenen Tonarten!), deren sich der Komponist bedient hat und die eine fast andauernde Unruhe erzeugen. Hinzu kommt die fragmentarische Anlage als Vorbote der erst später sich entfaltenden, durchaus organischen Entwicklung, und es wird deutlich, dass es nicht jedem Dirigenten gegeben ist, einen festen Griff auf die Struktur zu bekommen und von da aus die gewünschten Spannungsbögen zu schaffen. Es sind diese Elemente, die Teil eines kreativen Prozesses sind, dessen Kulminationspunkt viel später liegt, bei der Siebten und zugleich letzten Symphonie, bei der nicht einmal klar wird, wann ein Teil endet und der nächste beginnt.

Es verlangt Interpretationen also dem Dirigenten eine Menge Einsicht ab, aber der finnische Dirigent Santtu-Matias Rouvali (Lahti, 1985) – er arbeitet deutlich an einem kompletten Zyklus – hat bereits früher gezeigt, dass er in diesem so besonderen, wenn nicht einzigartigen Idiom ausgezeichnet den Weg kennt (ich habe bereits früher die Erste, Dritte und Fünfte Symphonie besprochen, sowie auf diesem neuen Album ergänzt durch einzelne Orchesterstücke, mit demselben Orchester unter seinem Stab).

Die zwei Zusatzstücke sind allein vom programmatischen Standpunkt aus ein Volltreffer, weil sie für einen angemessenen Kontrast sorgen. Skogsrået (Die Waldnymphe), international besser bekannt als The Wood Nymph, ein symphonisches Gedicht in Form einer Ballade, inspiriert von dem gleichnamigen Gedicht von Viktor Rydberg und 1895 vollendet, ist stark verwandt mit der viel bekannteren Karelien-Suite. Anders als die Vierte Symphonie ist das Werk in einer äußerst farbigen Instrumentierung gefasst und durchdrungen von Sinnlichkeit. Auch die im Originalgedicht verwobene Erotik hat der fantasievolle Sibelius mit wahrer Meisterhand zu gestalten gewusst.

Auch die berühmte Valse triste aus 1903, die stimmungsvolle Musik, die Sibelius zu dem Schauspiel Kuolema (Tod) seines Landsmannes Arvid Järnefelt komponierte, bietet mehr als genug Kontrast und sicherlich in den Händen dieses Dirigenten, der die Betonung auf die dramatischen Eigenschaften in dieser episodischen Einstellung von nicht mehr als knapp fünf Minuten legen wollte. Weniger expressiv ausgleichend, aber gerade dadurch spannender als das viel gepriesene Dirigat von Karajan und den Berlinern, das illustre Ensemble, das Mitte der sechziger Jahre auch für eine großartige Aufführung der Vierten Symphonie sorgte, zunächst natürlich auf Vinyl, später auf CD übertragen.

Anders als Klaus Mäkelä liegt bei Rouvali der musikalische Schwerpunkt auf einem stark ausgeprägten Gespür für Theater, wofür gerne jenes kleine Bisschen Klangverfeinertheit und Subtilität geopfert werden darf, das bei Rouvalis Landes- und Zeitgenosse in dessen Sibelius-Interpretationen (auf Decca) durchaus vorhanden ist. Die Alpha-Aufnahme lässt das besonders schöne Orchesterspiel der Göteborg-Symphoniker in seiner ganzen Pracht hören.

© Aart van der Wal, Juni 2024

Details

Bildnachweis
Alpha 1008
Diesen Artikel teilen
DE