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Rezensionen

Pavel Haas Quartet 'Czech Dreams'

V
· 5 Min. Lesezeit
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Pavel Haas Quartet 'Czech Dreams'

Das Festival nimmt bei dieser Ausgabe Europa als Ausgangspunkt mit einem Fokus auf Mitteleuropa und einer Vorliebe für die Musikszene Tschechiens. Einer der Gründe dafür ist die Feier zum 200-jährigen Jubiläum von Bedřich Smetana.

Dieser Komponist wurde 1824 geboren. Seine Opern und vor allem das sinfonische Gedicht 'Má Vlast - Mein Vaterland' mit dem Teil 'Die Moldau' sind weltberühmt, aber auch seine Kammermusik, Lieder und Chormusik verdienen größere Aufmerksamkeit. Für diesen Aspekt wird intensiv mit Czech Dreams und mit dem tschechischen Partnerverband Concentus Moraviae zusammengearbeitet.

Jelle Dierickx, künstlerischer Direktor des Festival van Vlaanderen Mechelen, verfügt über umfassendes Wissen über die Musiklandschaft, von Komponisten bis zu Ausführenden. Dabei hat er ein Gespür für besonderes Talent. Er kontaktierte Landsleute von Smetana, Leoš Janáček und Josef Suk, die sich mit Herz und Seele dem Werk dieser Komponisten verbunden fühlen. Keine Anfänger. Das Pavel Haas Quartet, benannt nach dem tschechischen Komponisten Pavel Haas, Brno 1899, der während des Holocaust 1944 im deutschen Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde, tritt auf.

Das Quartett besteht aus drei Herren und einer Dame: Veronika Jarůsková und Marek Zwiebel, Violine; Šimon Truszka, Viola und Peter Jarůšek, Cello. Vier Spitzenmusiker mit einer einzigartigen Dynamik, die sich gegenseitig begeistern. Ihr Lebenswerk ist die Weitergabe klassischer Werke in dem Streben nach Schönheit und dem Erhabenen in einem fantasievollen visuellen und auditiven Strom. Sie vertiefen sich in Partituren, tauchen ins Meer der Noten ein, führen Dialog miteinander, und wenn die gegenseitige Chemie stimmt, scheint die Zeit stillzustehen. Die Repertoirewahl zeigt auch, dass sie auf mehreren Märkten zuhause sind. Die tschechische Seele vibriert bei den drei Komponisten, doch auch ihre gegenseitigen Unterschiede werden dem Hörer nicht entgehen.

BBC Music Magazine platzierte das Pavel Haas Quartet unter den zehn besten Streichquartetten aller Zeiten – und mit Recht. Sie sind zum ersten Mal in Mechelen zu Gast mit einem Programm, das ganz ihrer Heimat Tschechien gewidmet ist. Im Mittelpunkt steht das Erste Streichquartett von Bedřich Smetana. Wie Beethoven hatte auch Smetana mit Taubheit zu kämpfen. Es trug den Untertitel 'Aus meinem Leben'.

Im Programmheft wird die Ambivalenz angesprochen, ob eine Komposition gefühlsmäßig oder rein technisch interpretiert werden muss. Die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen. Die drei Komponisten verankerten ihre Gefühle auf unterschiedliche Weise in ihrer Komposition: die Liebe zu ihrem Land, zu einer Frau, zu einem verlorenen Sinn. An Intensität mangelt es nicht. In drei verschiedenen Kompositionen schafft das Quartett eine magnetisierende Spannung.

Das 'Streichquartett Nr. 1' von Bedřich Smetana wird als autobiographisches Werk beschrieben, das den Tinnitus darstellt, an dem er während seiner Taubheit litt. So erklingen in der Finalen lange gehaltene Töne, die für die Pfeiftöne stehen, die seine Taubheit ankündigten. Der bereits 1876 zwei Jahre taube Komponist nannte es „eine Meditation über mein Leben und die Katastrophe der völligen Taubheit." Eine Komposition mit einem breiten Spektrum von zarten Klängen bis zu stürmisch und gequält. Die Noten zittern und vibrieren. Wenn es kein Gehör mehr gab, sind Vibrationen eine Alternative. Es zeigt den Menschen in seiner Verletzlichkeit.

In Leoš Janáčeks 'Streichquartett Nr. 2 – Intime Briefe' illustrierte der Komponist in musikalischen Liebesbriefen das Unfassbare und Faszinierende des Liebesspiels. Pikantes Detail: Der 74-jährige Janáček beschreibt seine Liebe zu der fast vierzig Jahre jüngeren Kamila. Dies führt zu einer sprudelnden Musikquelle, die von Anfang bis Ende verführt, lockt und flammt mit schnellem Wechsel von Tönen auf verschiedenen Saiten. Mit technischen Schwierigkeiten für die erste Solistin mit schnellen, komplizierten und manchmal stratosfärisch hohen Lagen. Veronika Jarůsková beherrscht ihr Instrument fehlerfrei. Strahlt Anmut beim Spielen aus. Es gibt auch schöne Passagen für die Viola und das Cello. Das Quartett macht sich das Werk vollständig zu eigen. Zum Glück, denn wenn es nur eine standardisierte Interpretation für jedes Werk gäbe, wäre das Musikleben stinklangweilig. Sie legen eine rohe Klarheit und eine gefühlvolle Tiefe in das Werk mit Tempi, Intensität, Phrasengestaltung und Gefühl, womit sie das Publikum zu berühren wissen. Eine instinktive, fast biologische Notwendigkeit des Musikmachens.

Josef Suks 'Meditation über den tschechischen Choral St. Wenzel'. Das Wissen der Welt verändert sich ständig, auch unter dem Einfluss des Zeitgeists und der politischen Realität. Jetzt spricht uns nur noch die Musikalität dieses Werkes an. Suk inspirierte seine Komposition 1914 von der alten heiligen böhmischen St. Wenzels-Hymne. Die Botschaft dieser Hymne – ein Plädoyer für das Wohlergehen des tschechischen Volkes, gerichtet an seinen Schutzpatron – wurde sofort vom Publikum verstanden. Diese Komposition war damals eine Form des stummen Widerstands. Hinter dem unschuldig wirkenden Titel und der ruhigen Melodie verbirgt sich nämlich ein kraftvolles Statement. Der Stil und die Interpretation des Pavel Haas Quartet sprechen direkt zum Herzen. Musiker, die Eindruck machen. Neben kraftvoll ist ihr Ansatz auch subtil, nuanciert, persönlich und technisch virtuos.

Dieses vielseitige und vielschichtige Konzert mit vollständig aufeinander abgestimmten Instrumentalisten in der schönen, stimmungsvoll beleuchteten Barockkirche St. Peter und Paul war eine Streicheleinheit für Auge und Ohr und konnte mit enthusiastischem, langem und würdigendem Applaus rechnen.

  • WAT: Festival van Vlaanderen LUNALIA vom 18. April bis 5. Mai
  • WIE: Pavel Haas Quartet - Veronika Jarůsková und Marek Zwiebel, Violine - Šimon Truszka, Bratsche - Peter Jarůšek, Cello.
  • PROGRAMMA: Bedřich Smetana, Leoš Janáček, Josef Suk
  • WAAR & WANNEER: Donnerstag, 25. April '24, Sint-Pieter-en-Pauluskerk, Mechelen
  • FOTO'S: © Iris Teunissen
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