Die Onze-Lieve-Vrouw-over-de-Dijle-kerk war das Dekor für das Eröffnungskonzert von Lunalia 2018. Der Begriff 'Eröffnungskonzert' wird der magisch bezaubernden musikalischen Choreografie, die über Stile, Jahrhunderte und Instrumentarium hinweg aufgeführt wurde, nicht gerecht.
Unter der Regie von Maja Jantar wurde der Abend als Mondzyklusgestaltet. Es war der Startschuss für einige Wochen, in denen Mechelen in einer Vielfalt von Stimmen baden sollte.
Bürgermeister Bart Somers durfte den Auftakt geben und startete damit Lunalia mit großen Erwartungen. In seiner kurzen Rede fasste er wunderbar zusammen, wie Lunalia als eine der Perlen der Mecheler Kulturkrone passt, in einer reichen Tradition der humanistischen Geschichte, in der die Suche nach Schönheit und Gerechtigkeit im Mittelpunkt steht. All dies macht Mechelen zu einer Stadt der Kultur, der Gerechtigkeit und der Zivilisation.
Die Onze-Lieve-Vrouw-over-de-Dijle-kerk ist als Veranstaltungsort wunderbar geeignet, um eine solche Veranstaltung zu beherbergen. Die modernistischen Glasfenster im alten – einige Teile stammen bereits aus dem 14. Jahrhundert – Gebäude sorgen für eine Vielzahl von Stilen, ohne dass diese miteinander kollidieren. So auch wurde dieser Abend in diesem Gebäude eingebettet, das die Vielzahl musikalischer Stile aufzunehmen und mit dem Dekor zu vermischen weiß.
Die runde Bühne wurde von zwei ausgezeichneten Flötistinnen, Karin De Fleyt und Carla Rees, besetzt. Sie begannen den Abend mit einer Aufführung von Pieces in the shape of a square von Philip Glass. Sie versetzte die Zuschauer in einen tranceähnlichen Geisteszustand und erinnerte an die Art und Weise, wie eine Vogelschar schwärmend umherzieht, hier und dort auf der Suche nach neuen Richtungen, aber doch zusammen evolvierend.
Die bezaubernde Atmosphäre wurde unterbrochen, als aus dem Nichts Posaunisten das erste Aequale von Anton Bruckner zu spielen begannen. Die etwas traditionelleren Konzertbesucher stießen einen Erleichterungseufzer aus. Es brach die zuvor aufgebaute Trance auf und war der perfekte Übergang zum Locus Iste, ebenfalls von Bruckner, in einer Aufführung des Octopus Kamerkoor u.l.v. Bart van Reyn. Dadurch wurde der Fokus auf das sakrale Wesen des Ortes, an dem wir uns befanden, zurückgelenkt.
Wie der begleitende Text aus dem Programm jedoch erwähnte, ist nichts, wie es scheint. Sakralität und deren Erleben entwickelt sich und kennt verschiedene Formen. Die Stimmenzauberin Natascha Nikeprelevic tauchte aus der Dunkelheit auf der Kanzel der Kirche auf, um dort mit bezauberndem Gesang ein Gegengewicht zum vorangegangenen klassischen Werk zu bieten. Ihr Kehlgesang und die damit verbundenen Gesten brachten eine Atmosphäre mystischer Verzauberung. Außerhalb der Kirche fiel die Dunkelheit, aber im Inneren wurde das Licht in all seinen nächtlichen Facetten besungen. Nach der Schöpfung von Mond und Sonne scheint dies das Funkeln des Sternenhimmels zu sein, gebadet in einem märchenhaft blauen Licht.
Nach dem Experimentellen werden wir auf die gleiche Weise wie am Anfang zu Bruckner zurückgebracht. Das zweite Aequale wird erneut von den Posaunisten gespielt, diesmal nicht gefolgt vom Locus Iste sondern vom O Justi. Die Ruhe kehrt in die Kirche zurück und der Fokus liegt erneut auf dem christlichen Mittelpunkt. Es ist eine kleine Erinnerung an die Gerechtigkeit aus der Eröffnungsrede.
Carolina Eyck – Theremin
Danach bekommen wir jedoch erneut ein etwas moderneres Stück in dieser Vorstellung. Zwei Stücke gebracht von Carolina Eyck auf Theremin. Das erste, Eternity, ist eine eigene Komposition, die uns erneut mit Gesang und dem ätherischen Klang des elektronischen Instruments verzaubert. Durch die Kombination verschiedener Stücke und deren erneute Verwendung entsteht das Gefühl, als würden drei verschiedene Sängerinnen und Musikantinnen auf der Bühne stehen. Ihre eigene Komposition wird gefolgt von einer Bearbeitung von The Ecstasy of Gold von Ennio Morricone. Sie braucht sich nicht zu verstecken und unterstreicht erneut die Virtuosität der Musikerin.
Das dritte und letzte Bruckner-Intermezzo bringt uns wieder mit den Füßen auf den Boden. Erneut das erste Aequale auf Posaune, aber diesmal gefolgt vom Ave Maria. Eine Anbetung der Muttergottes in dieser ihr geweihten Kirche. Es ist der ideale Übergang zum abschließenden Werk des Abends, Sarah was ninety years old von Arvo Pärt. Erneut fällt die Choreografie des Geschehens auf. In einer verdunkelten Kirche hört man nichts außer dem Schlagwerk von Gaetan La Mela. Er steht auf einer mobilen Bühne, die durch die Kirche gefahren wird. Vertreibt er die Dunkelheit, oder bringt er sie? Das Schlagwerk wird von zwei Solisten mit ihrem harmonischen Gesang abgewechselt. Schließlich kommt Sopranistin Griet de Geyter als Lichtbringerin mit einem Vollmond in ihren Händen nach einer halben Runde in der Kirche, vor der mobilen Bühne für die finale Rückkehr auf die runde Mittelbühne.
Der Kreis ist geschlossen, alle Phasen der Verzauberung sind vorbei und bleiben nur noch nachklingen in einer wundervollen Erinnerung an ein fantastisches Konzert, Entschuldigung, ein fantastisches musikalisches Gesamtspektakel.
- WAS: Eröffnungskonzert / Veranstaltung für Lunalia
- WER: Onze-Lieve-Vrouw-over-de-Dijle-kerk
- WO & WANN: Eine Auswahl an Künstlern unter der Regie von Maja Jantar
- FOTOS: Lunalia (Logo & Foto Carolina Eyck) und eigene Fotos


