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Der Nussknacker geknackt...

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· 2 Min. Lesezeit
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Der Nussknacker geknackt...
© Szilvia Molnar / Szegedify

Er gibt solche eisenstarken Geschichten, die man nicht verändern, anpassen, interpretieren, neu übersetzen oder sonst etwas damit anfangen kann. So eine Geschichte ist die des ununterbrochenen Erfolgsbatetts Der Nussknacker.

Im Koninklijk Circus wünschte sich das Publikum, wie überall und immer, sich in den besonderen Traum voller Überraschungen mit einer fröhlichen Familie in der Weihnachtsnacht mitreißen zu lassen – mit einem Großvater, der zu tief ins Glas schaut, hüpfenden Kindern, tanzenden Familienmitgliedern, einem Zauberer, einer Puppe – der Puppe Nussknacker – lebendig gewordenen Zinnsoldaten, Soldaten auf Steckenpferden, einem Mäusekrieg, tanzenden Schneeflocken, exotischen Tänzern aus Spanien, Arabien, China, Russland und dann vielleicht das schönste und emotional bemerkenswerteste Pas de deux aus dem gesamten Ballettrepertoire. Dieses Pas de deux ist vermutlich nicht die Liebesgeschichte zwischen ihr und ihm, sondern aus dem verborgenen Leben des Komponisten: ein Tanz zweier Männer, die sich lieben. Es kommt nicht an die Oberfläche, doch die Musik verrät zumindest dieses unterdrückte Verlangen.

Außer dem Zauberer und einigen exotischen, gelungenen Szenen – die Chinesen und die Araber: sehr geschickt und originell und angenehme Schneeflocken – gelang nichts von der Geschichte. Keine Familie, kein trunkener Großvater, keine Zinnsoldaten, ein beklagenswertes ins Alberne gezogenes Pas de deux und vom Anfang bis zum Ende wiederholte dumme Sprünge und Armgeschwenke. Wo waren die Tutus? Wo waren die spitzen Ballettschuhe? Wo waren die Kinder und die Steckenpferde? Um über die Haltung der Hände allein zu schweigen, die Gleichheit, die Harmonie in den Bewegungen... Und die Musik, in der alle Wiederholungen gestrichen wurden, wurde zu scharf gespielt, was auf die Dauer fast weh in den Ohren tat.

Die Choreografin der Tanzgruppe, ausgerichtet auf zeitgenössischen Tanz, hat das klassische Ballett und alles, was dazugehört, nicht in den Fingern. Warum denn Dinge bringen wollen, die dir nicht liegen? Moderner Tanz zieht weniger Publikum an, aber was dieser strenge Rezensent als weise Lehre mitgeben möchte, ist folgende: „Schuster, bleib bei deinem Leisten". Angesichts der an sich guten Leistungen der Tänzer darf man davon ausgehen, dass dieses Ensemble im moderneren Tanz einen Platz verdient.

Details

Wer
Szeged Contemporary Dance Company
Wo
Koninklijk Circus, Brussel
Gesehen am
1 Dezember 2024
Bildnachweis
Szilvia Molnar / Szegedify
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