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Plakate mit dem echten großen Künstler bitte schmücken.

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· 4 Min. Lesezeit
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Plakate mit dem echten großen Künstler bitte schmücken.
© Julia Altukhova, Clara Evens

Ja, war es richtig von deSingel, sich in diesem Fall ausführlich mit der Cellistin Anastasia Kobekina zu präsentieren anstelle mit dem Dirigenten Martijn Dendievel? Der erste Grund, um mit Dendievel zu werben: sein höchst künstlerischer Ansatz. Der zweite Grund: er ist ein Landsmann und dem sollten wir doch einen kleinen Vorteil geben, nicht wahr?

Wie dem auch sei, ob er oder die Cellistin Anastasia Kobekina der Blickfang des Plakats war, es war ein Programm, das Klassiek Centraal auf jeden Fall zu deSingel lockte. Mit Mut und Kraft kämpften sich zwei Rezensenten durch viel zu kalte Wind und Hagel – März und seine Schauer – zum Antwerpener Kunsttempel vor, um sich dort am Nachmittag an Brahms, Haydn, Sassier und Mendelssohn zu erfreuen. Das Plakat versprach bereits die Wärme, die uns das Wetter mit der fehlenden Sonne vorenthielt.

Das Symfonieorkest Vlaanderen eröffnete mit den Variationen über ein Thema von Joseph Haydn von Johannes Brahms (1833–1897). Ein reich strukturiertes Werk, das eine schöne Eröffnung für einen Nachmittag ist, der dich das schlechte Wetter vergessen lässt und dich sofort besser fühlen lässt. Martijn Dendievel zeigt sofort, dass er sich mit den Tricks des Dirigentenfachs so vertraut ist, dass du das Handwerk vergisst und nur noch auf den musikalischen Sätzen dahinschwebst.

Anastasia Kobekina stürmt die Bühne fast wie eine spät pubertäre Popsängerin, die gleich heulen wird. Das tut sie nicht, denn sie hält ihr Cello in der Hand. Barfuß stiehlt sie sofort die Show, ein seltsam kindlich wirkendes Kostüm tragend. Warum das nötig sein soll, weiß der Himmel, es ist keine Show mit irgendwelchen populistischen Spielchen, nein, es ist das Konzert für Cello und Orchester Nr. 1 in C, HobVIIb:1 des gütigen Joseph Haydn (1732–1809), auf das man sich freut.

Was bekommen wir zu hören? Genau das, was wir auf der Bühne sehen. Ein wildes Mädchen, das sich nichts aus dem Orchester und dem Dirigenten macht und wild mit ihrem Bogen herumfuchtelt, viel zu grob, ächzend, so schnell wie möglich – unser Weltmeister Zeitfahren Remco Evenepoel kann nicht mithalten. Leider Pech, um in Worten zu beschreiben, wie unmusikalisch dieses wilde Kind ist, du kannst die Musik in den Wind schreiben. Show und Show und nichts als Show. Was schade für den Dirigenten und das Orchester, die viel Besseres verdienen, die Respekt verdienen, die Zusammenspiel verdienen, aber nein. Wer bestimmt, welcher Solist die Bühne mit Tricks und nicht mit Musik ziert? Das höre ich jetzt nie wieder an.

Nach der Pause wurde es noch eine Weile ein Ohrenquäler mit einer neuen und zugleich bereits überalterten avantgardistischen Komposition unter dem vielversprechenden Titel Mendelssohn Variationen (SOV Composers' Academy) des Komponisten Adrien Sassier. Wir haben dieses experimentelle Zeug, das längst veraltet ist, wirklich satt. Mendelssohn Gewalt zufügen, das tut man nicht wie mit diesem Werk. Pfui und bitte streicht es endgültig aus den Programmen.

Glücklicherweise endete das Konzert auf die grandioseste, denkwürdigste Weise. Der Dirigent und das Orchester konnten sich nicht besser beweisen als in der Symphonie Nr. 5 in D, Opus 107 „Reformation" des ebenfalls zu früh verstorbenen Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–1847). Ein großartiges Werk, wunderbare Melodien, großartig orchestriert ohne bombastisch zu sein, ausgewogen, rein, gesund. Sieh, Sassier könnte hier etwas lernen, verstand es aber überhaupt nicht. Martijn Dendievel bewies sich erneut als einer der größten Dirigenten des Augenblicks. Was für eine Interpretation! Alle Farben, alle Phrasierungen, alle Akzente, Atemaussetzer, breite Linien und nenne nur auf, was möglich ist, um den Reichtum dieses Werkes zu beschreiben, alles war vorhanden und wurde hervorgehoben, wie nur ein sehr großer Visionär als Dirigent das kann. Dendievel ist so ein seltener Dirigent, der sehr gut versteht, was er tut, woran er arbeitet, welches Werk er in gute Bahnen – keine Wege mit Löchern – lenken muss. Es war nicht nur eine Erleichterung gegenüber dem sich um nichts und niemanden kümmernden Show-Mädchen und den erstarrten, hippieähnlichen missglückten Mendelssohn-Variationen von Sassier, es war so, dass die negativere Erfahrung, genau wie das schlechte Wetter draußen, in die Vergessenheit weggespielt wurde. Was für ein Orchester, was für ein Dirigent. Darauf dürfen wir nicht stolz sein, sondern müssen wir stolz sein!

Details

Wer
Symfonieorkest Vlaanderen olv Martijn Dendievel, celliste Anastasia Kobekina
Wo
DeSingel - Blauwe Zaal, Antwerpen
Gesehen am
29 März 2026
Bildnachweis
Julia Altukhova, Clara Evens
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