Es knisterte wieder vor Energie im Theatercafé des Fakkeltheater. Genauso wie Performer auf der Bühne als Chamäleons von einer Figur zur anderen wechseln, atmet dieser Raum jedesmal eine andere Atmosphäre ein – eine Synthese aus Kammermusik bis zur Jazzclub. Drei Performer Tutu Puoane, Lissa Meyvis und Ewout Pierreux lassen die Funken hin und her sprühen mit einem reichhaltigen und vielfältigen Angebot von Jazz-gefärbten Liedern.
Der Soloweg von Tutu Puoane sieht besonders schön aus. Diese charmante südafrikanische Dame wird als „one of the most exciting voices in the international jazz scene" beschrieben. Sie verkörpert eine Tutu-Mischung aus afrikanischen, europäischen und amerikanischen Traditionen. Meisterin des klassischen Gesangs, Lissa Meyvis, erforscht gerne auch andere Genres. Pianist Ewout Pierreux ist ihr brillanter Begleiter mit einer eigenen Art des Klavierspiels. Das Trio puzzelte mit Liebe ein attraktives Programm zusammen. Sie erschließen die Tür zu einer Klangwelt voller Raffinement mit sowohl intimen als auch überschwänglichen Passagen.
Gastgeberin zu sein ist eine Kunst. Mit etwas Musik dabei wird es Lebenskunst. Lissa Meyvis eröffnet mit dem Standard Over The Rainbow in einer Hommage an den verstorbenen Jack van Poll, auch als Papa der Antwerpener Jazzszene genannt, und womit es für Tutu und Lissa alles begann. Over The Rainbow wurde 1939 zum ersten Mal von der jungen Judy Garland im Film The Wizard of Oz gesungen. 2001 wurde es aus einer Liste von 365 Songs, die die amerikanische Plattenindustrie aufgestellt hatte, zum besten Lied des 20. Jahrhunderts gewählt. Meyvis bringt diesen Song sehr zerbrechlich und reif. Sie schöpft diese Klassiker aus. Eine Sängerin, die die Fähigkeit hat, ohne süßlich zu werden, das Publikum in die Intimität eines Liedes zu locken. Um die Verbindung zu Mozart und der Operenwelt konkret zu machen, bringt sie anschließend eine Arie aus der Oper Porgy and Bess, „I Loves You Porgy", von George Gershwin. Bess hat Angst, Porgys Liebe für immer zu verlieren. Instrumentalist und Sänger absorbieren die emotionale Thematik und wissen, den süßen Schmerz in Klang zu verwandeln. Genauso wie in der Urklassiker Danny Boy, alter irischer Air, bearbeitet von Fred. E. Weatherly.
Dann ist die Ehrengästin Tutu Puoane an der Reihe, die sofort das Publikum fesselt mit dem Song When We Love nach einem Gedicht ihrer Landsmännin Lebogang Mashile. Mit ihrem Begleiter, Ewout Pierreux, gleichzeitig ihr Ehemann, singt sie die Sterne vom Himmel. Danach Mountain Shade, eine sehr bekannte südafrikanische Komposition des viel zu früh verstorbenen Pianisten Moses Molelekwa, buchstäblich eine Legende in Südafrika, mit Texten der kürzlich verstorbenen Sängerin Sibongili Khumalo, die von Tutu als ihre musikalische Mama betrachtet wird. Es folgt auch ein liebevolles Lied über ihre inzwischen 16-jährige Tochter Mpho. Ewout Pierreux komponierte die Musik während Tutus Schwangerschaft und Tutu versah sie später mit Text. Nicht frei von Humor sorgt sie mit Charisma in einigen kurzen Interventionen für sanfte Übergänge. Tutu Puoane ist nicht nur eine klassisch ausgebildete Sängerin, sondern auch ein Naturtalent. Ihre vokale Flexibilität und große Reichweite erzwingen Respekt und Bewunderung, versetzt das Publikum in Entzücken. Genauso wie Ella Fitzgerald, „Queen of Jazz", ist sie eine Meisterin im Scat-Gesang (eine vokale Jazz-Improvisation). Zusammen mit ihrem Mann sitzt sie in explosiver Kreativität. Seine brillante Technik, sein Gespür für Harmonie und seine Gabe, vitale Melodien zu schaffen, machen es zu einem Fest für das Ohr.
Das jüngste Repertoire des Duos Tutu Puoane und Ewout Pierreux basiert hauptsächlich auf Poesie von Lebogang, eine sehr bedeutende Dame in Südafrika. Sie legt den Finger auf Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Nach der Pause bringt Tutu mit ihrer ausdrucksstarken Stimme das Lied Us (Tutu Puoane / Ewout Pierreux – ein Original von 2011 und Eröffnungsnummer von Tutus Album Breathe), dann Dawn (Tutu Puoane / Ewout Pierreux – basierend auf dem Gedicht This Morning), From the Outside in (Tutu Puoane / Ewout Pierreux – basierend auf dem Gedicht Inside Outsider) und schließlich Together (Tutu Puoane / Ewout Pierreux – basierend auf dem Gedicht You and I). Drei Gedichte hintereinander von Lebogang Mashile, die Stimme des Volkes. Sie handeln von Wurzeln, der Ungleichheit zwischen Weiß und Schwarz. Über Machthaber und sich ohnmächtig fühlen. Lieder voller Schmerz und Glücksfunken, in einem Karussell von Widerstand und Lebensweisheit. Die Dichterin öffnet auch Perspektiven. Tutu singt von einem neuen Gesellschaftsmodell, in dem gute Eigenschaften die Oberhand gewinnen, Liebe, Geduld, Hoffnung. Sie legt ihre Seele in wortlose Vokale von oben nach unten. Stimmakrobatik, die den schwierigsten und anspruchsvollsten Arien aus dem Opernrepertoire gleichkommt. Zusammen mit ihrem Mann und Keyboarder sitzt sie in einer Blase. Sie ergänzen sich nahtlos in unwahrscheinlich begabten Improvisationsfähigkeiten.
Lissa Meyvis schließt sich mit dem zünftigen I Love A Piano von Irving Berlin an. Die diskrete Hofmacherei für das Klavier und den Pianisten weiß sie auf ihre unnachahmlich freche, schelmische, mimetische Art zu färben.
Als Abschluss ein Duett, das Erfolgslied Dicht bij mij von Bart Peeters und Tutu Puoane von vor einigen Jahren, um genau zu sein 2014, wobei Lissa die Partie von Bart Peeters übernimmt.
Tutu Puoane, Ewout Pierreux und Lissa Meyvis, ein Trio zum Vernarren. Wolfgang Amadeus Mozart meets Ella, eine Hochmesse des musikalischen Divertimentos mit Jazz in der Hauptrolle.
WER: Tutu Puoane, Ewout Pierreux en Lissa Meyvis
WAS: Wolfgang Amadeus Mozart meets Ella | Fakkeltheater, in der Reihe Bellissima
MUSIK: Harold Alden, George Gershwin, Irving Berlin, E. Weatherly, Tutu Puoane, Ewout Pierreux, Moses Molelekwa, Lebogang Mashile, Sibongili Khumalo
WO: Fakkeltheater
WANN: Sonntag 12. Februar – 11 Uhr