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Rezensionen

Volle Maan Muziek

V
· 4 Min. Lesezeit
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Volle Maan Muziek

Das Festival van Vlaanderen Mechelen, Frühjahrsausgabe, startete am Samstag. Ein Festival im Festmodus, das seit einem halben Jahrhundert auf den schönen und überraschenden Pfaden der Musik wandert.

Am Samstagmittag wurden alle während des großen Eröffnungsfests zu einer Erkundungstour eingeladen. Künstlerischer Direktor Jelle Dierickx warf verschiedene Fäden aus. Hier und da in der Innenstadt fanden Mini-Konzerte statt. Vorgeschmacke, um das Publikum auf das einzustimmen, was bis zum 12. Mai alles zu erleben gibt. Das Stadtfestival präsentiert 20 Konzerte, 315 Künstler aus 15 Ländern und ein neues Kapitel LUNALIA 4 KIDS.

Lunalia Lift Off

Ein Festival, das Mechelen seit 50 Jahren als Musikstadt hebt, verdient ein Loblied. Jelle Dierickx begrüßte das Publikum auf warme, charmante Weise. LUNALIA ist ein Ritual in allen Bedeutungen des Wortes, es will mehr als nur ein Musikfestival sein – es soll alle Sinne ansprechen. Kein Monsterfestival, sondern ein intimes Stadtfestival, das sich wunderbar in das reiche Erbe der Stadt einnisten darf, wie etwa in der wunderschönen Onze-Lieve-Vrouw-over-de-Dijlekerk. Bürgermeister Bart Somers war immer präsent und betrachtete kurz die Geschichte. Wer durch Abwesenheit glänzte, war Kulturminister Sven Gatz, der sich entschuldigte – „Les absents ont toujours tort".

Lassen Sie uns in einem Anflug von kulturellem Optimismus annehmen, dass Kunst tatsächlich zu einer besseren Gesellschaft beiträgt, weil sie uns Empathie für das Fremde vermittelt. Die Zusammensetzung des Eröffnungskonzerts könnten wir als eine Begegnung zwischen Ost und West beschreiben, musikalische Grenzen werden überschritten und gedeihen in einer friedlichen Koexistenz und universellen Allianz. Sie bieten einen Blick auf die meisten Register, Stimmwendungen und Variationen.

Das Konzert eröffnet mit A-cappella-Gesang von Karima el Fillali, Werk der Prinzessin Wallada bint al-Mustakfi. Die elegante Geheimnisvollheit arabischer Klänge, Poesie und der alchemistischen Charme alter Dinge. Die dünnen, mäandernden Klänge resonieren durch den Raum und setzen sofort den Ton. Darauf folgt das ikonische Werk „Fratres" für Violinen und Perkussion von Arvo Pärt. Es beginnt als ein Flüstern von Streichinstrumenten, das langsam aber sicher zu einem Crescendo entwickelt. Einfache musikalische Linien, die sich umeinander winden, von der Trommel abgeblockt, wiederholt und variiert werden. Zerbrechlich, ätherisch und doch kraftvoll, von zarter Schönheit.

Regisseur Maja Jantar lässt die Ausführenden die ganze Kirche bespielen, Sängerin Karima el Fillali stand ganz hinten in der Kirche, das Cello-Oktett ganz vorne. A Nocte Temporis bringt das Werk von Bach zentral in die Kirche, während der Tenor in Residence Reinoud van Mechelen von der Kanzel die Arie „Ich habe genug" singt. Wieder ganz vorne im Chor bringt Bandoneonist Gabriel Rivano das wehmütige „Adios Nonino" von Astor Piazzolla, wohl seine berühmteste Komposition, die er 1959 nach dem Tod seines Vaters schrieb. Der Fokus verlagert sich wieder auf die Kirche hinten: Sängerin Karima el Fillali wird von Jamil al Asadi auf Qanun begleitet. Die Erinnerung steht auch im Mittelpunkt des Gedichts „Ya Jarat al-wadu" von Ahmad Shawqy, vertont von Mohammed Abdel Wahab. Karima el Fillali singt mit einer außergewöhnlich eindringlichen Sonorität, in der all die aufgestauten Emotionen einen Weg finden. Die langen Noten und wunderschönen Phrasen erzeugen eine ganz besondere Atmosphäre. Dann geht es zurück zum zweiten Teil des Rezitativs „Ich habe genug" von Bach. Anschließend ein langsamer Tango von Astor Piazzolla „Oblivion" und dann wieder zentral in der Kirche Bachs „Ich habe genug" mit ernsthaften Stimmübungen für Reinoud van Mechelen. Ein ständiger Wechsel von profanem und weltlichem Werk mit als Abschluss Sopran Lore Binon in Heitor Villa-Lobos „Bachianas Bresileiras Nr. 5". Der fünfte Teil ist der berühmteste aus der Serie. Er beginnt mit einer langen Vokalie, während die Celli eine Passacaglia spielen. Im Mittelteil wird ein Gedicht von Ruth Corêa vertont, in dem der Mond und die Wehmut zentral stehen. Das Werk endet mit einer Vokalie mit geschlossenem Mund, ein Summen auf den Klang M, das Festivalmotto von LUNALIA 2019 in reinster Form. Während des Konzerts wird mit Licht und Schatten gespielt, ein zeitgenössischer Appeal mit Farbe, Linien und Kompositionen, bei denen die Blickfänger der Kirche beleuchtet werden.

Visuell und auditiv sauber ausgeführt, ein feingemaschtes, stilisiertes Konzert voller überraschender Klänge und Bezüge zum Minimalismus, zur Kraft, aber auch mit Vergnügen und Nuance. Das Ganze haftete beim Publikum, das mit langem Applaus dankte.


  • WAS: Festival van Vlaanderen Mechelen LUNALIA – De smaak van M
  • Eröffnungskonzert
  • WO & WANN: Samstag, 27. April, 20.30 Uhr, Kirche Onze-Lieve-Vrouw-over-de-Dijlekerk Mechelen
  • FOTOS: © Lunalia – FvV Mechelen
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