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Rezensionen

Die Musik einer Königin

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· 3 Min. Lesezeit
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Die Musik einer Königin

Oxford, 1978. Bei Renovierungsarbeiten am Corpus Christi College werden hinter einer verputzten Mauer mehrere Partituren entdeckt. Die Fragmente werden sofort als das sechsstimmige Gaude gloriosa dei mater von Bischof und Komponist Thomas Tallis identifiziert.

Erstaunlicherweise geht die Musik nicht mit dem Originaltext in Latein zusammen, sondern mit einem englischen Text, der von niemand Geringerem als der sechsten und letzten Ehefrau von König Heinrich VIII., Katherine Parr, geschrieben wurde. Die CD Thomas Tallis, Queen Katherine Parr & Songs of Reformation ist die erste Aufführung des Werkes in fast fünf Jahrhunderten und gleichzeitig auch ein voller Erfolg.

1544 führte Heinrich VIII. eine Militärkampagne gegen Schottland und Frankreich. Um das Volk zum Gebet für den Sieg ihres Ehemannes zu bewegen, schrieb Königin Katherine Parr das von der Reformation inspirierte Psalms or Prayers, das sie auch veröffentlichte. Einen ihrer Texte, das scharfsinnige und gewichtige Agaynst Enemies, passte sie an und unterlegte ihn mit der Musik des Gaude gloriosa dei mater von Thomas Tallis, woraus Se lord and behold entstand.

Diese Version blieb bis 1978 unbekannt und es dauerte noch bis vor einigen Jahren, dass man den Autor des Textes identifizieren konnte, und überhaupt, dass man eine Untersuchung anstellte. David Skinner, der den unbekannten englischen Text Katherine Parr zuschreibt, ist daher die ideale Person, um als Dirigent ein Ensemble zu leiten, das dieses Werk zum ersten Mal seit mehr als 470 Jahren aufführt. Wunderbar reine Soprane und großartige Tenöre machen diese CD zu einem Ohrenschmaus.

Das Ensemble Alamire unter musikalischer Begleitung des Ensembles Fretwork beschränkte sich für diese CD natürlich nicht auf ein nur 17 Minuten langes Werk von Tallis/Parr, das nur der letzte Track auf der CD ist. Neben anderer Chormusik, sowohl in Latein als auch in Englisch, boten die Musiker schöne Interpretationen rein instrumentaler Werke von Tallis, wie When Jesus went oder Solfaing Song.

Fretwork leistet hervorragende Arbeit mit seiner Interpretation von Tallis' Musik und die rein instrumentalen Werke, die normalerweise nur etwa zwei Minuten dauern, sind eine angenehme Abwechslung zwischen den kürzeren und längeren Chorwerken. Besondere Erwähnung verdient Edward Grint, der die Solistenstimme im fünfstimmigen The Litany voller Überzeugung und mit größter Fertigkeit interpretiert. Das semi-gregorianische Charakter dieses Werkes korrekt auszuführen ist nämlich keine leichte Aufgabe.

Kurz gesagt, Thomas Tallis, Queen Katherine Parr & Songs of Reformation ist eine wunderbare CD mit … und darüber hinaus eine Premiere als erste und einzige Aufnahme von Se Lord and behold.


  • WAS: CD Thomas Tallis, Queen Katherine Parr & Songs of Reformation
  • WER: Ensemble Alamire und Ensemble Fretwork u.L.v. David Skinner
  • VERÖFFENTLICHUNG: Obsidian Records (CD716)
  • FOTOS: © Obsidian
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