Zum Inhalt springen
Dit is een volledig nieuwe website, vond u een bug, stuur ons een email op bestuur@klassiek-centraal.be
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

Sergey Kachatryan met NOB in Bozar

W
· 5 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Sergey Kachatryan met NOB in Bozar
In seiner langen Geschichte hatte der Elisabethwettbewerb einen Gewinner aus Armenien. 2005 gewann Sergey Khachatryan den Wettbewerb im Alter von zwanzig Jahren. Er ist einer der Gewinner, die nach zwei Jahrzehnten nicht vergessen sind. Am 29. März spielt er in einem vollen BOZAR zusammen mit dem Nationalen Orchester Belgiens das wohlbekannte erste Violinkonzert von Max Bruch. Schlagwerk Zunächst spielt das Orchester unter der Leitung des Gastdirigenten Michael Schønwandt Das Gastmahl während der Pest (2006) von Sofia Gubaidulina. Diese inzwischen 92-jährige russische Komponistin wurde in den achtziger Jahren im Westen bekannt, unter anderem durch das Violinkonzert Offertorium, das sie für Gidon Kremer schrieb. Das Gastmahl verweist auf das gleichnamige Drama von Pushkin, ein dynamisches und kontrastreiche Stück, in dem sich besonders die Schlagzeuger austoben können. Über den Blechbläsern sind allerlei Schlaginstrumente aufgestellt, in denen die vier Schlagzeugvirtuosen des NOB das ganze Stück nach Herzenslust klopfen, trommeln, wirbeln und manchmal auch sehr laut schlagen. Als würde man den eingedösten Hörer aufwecken wollen. Das Stück ist ziemlich ausgespannt und langezogen, mit diesem Material hätte es kürzer und kompakter sein können. Jedes Mal, wenn man denkt, dass das Ende kommt, nimmt sie erneut ein Motiv oder ein Thema auf. Als würden wir der schwierigen Geburt eines Babys lauschen, das die Gebärmutter nicht verlassen will. Ich lese, dass Sofia Gubaidulina am 24. Oktober 1931 geboren wurde. Das ist genau derselbe Tag, an dem meine noch lebende Schwiegermutter geboren ist, auch im damaligen Ostblock. Das Stück erinnert mich an sie. Sie war ihr ganzes Leben lang Hebamme. Max Bruch und Eugène Ysaÿe Khachatryan spielt mit Kraft und Raffinesse. Er hat auch viel Variation in seinem Vibrato, das oft intensiv schimmernd klingt. In diesem wohlbekannten Konzert tut er da und dort etwas Originelles mit Bogentechnik oder Dynamik. Er spielt mit Leichtigkeit und Reife, als würde er jeden Tag in einer großen Konzerthalle vor dem Orchester stehen. Besonders im langsamen Teil fällt mir auf, wie raffiniert, verhalten aber umso intensiver er spielt. Die Streicher des NOB helfen ihm dabei, weil sie manchmal sehr leise gleichmäßig klingen, ein Bett, auf dem Khachatryan dann auch sehr leise, fast intim spielen kann. Manchmal wird das langsame Teil dieses Violinkonzerts als ein Intermezzo zwischen dem virtuosen ersten und glänzenden dritten Teil gesehen. Mit Khachatryan ist es ein gleichwertiger Teil, voll intensiver Lyrik. Nach der letzten Note des virtuosen Finales bricht der Applaus aus. Er spielt noch eine kurze Zugabe und dann Pause, denkt jeder. Aber so schnell werden wir nicht von ihm los. Ohne etwas zu sagen setzt er die Violine an sein Kinn und beginnt mit dem weichen, langsamen tiefen la, aus dem die dritte Sonate für Violine solo von Eugène Ysaÿe geboren wird. Eine ganze Sonate von Ysaÿe wird selten als Zugabe gespielt. Heute Abend hat es alles mit seinem Ysaÿe-Projekt zu tun, das er gerade abgeschlossen hat und das auch nach dem Konzert bei einem Meet and Greet präsentiert wird. Das Besondere daran ist, dass er die sechs Violinsonaten von Ysaÿe mit der Guarneri aufgenommen hat, auf der Ysaÿe selbst gespielt hat. Das erzählt er, nachdem er nach dem stürmischen Applaus das Mikrofon ergreift und seine Ansprache beginnt. Darüber, wie Brüssel und dieser Saal ihm ans Herz gewachsen sind, seit seinem Sieg 2005. Er erzählt auch von seinem Projekt und der CD mit den sechs Violinsonaten, gespielt auf Ysaÿes Violine. Stradivarius Kommt noch etwas nach dieser langen Zugabe und der Ansprache? Ja, der erste Satz von Ysaÿes vierter Sonate. Er hat es natürlich im Griff, aber letztendlich dauerten die zwei Zugaben und seine Ansprache fast so lange wie das ganze Bruch-Konzert! Ob er dieses Konzert auch auf dieser Guarneri-Violine gespielt hat, frage ich hinterher jemanden aus dem Orchester. "Nein, es war eine andere Violine". Schade, denke ich. "Aber diese andere Violine ist eine Stradivarius im Wert von fünf Millionen!". Khachatryan hat etwas Bescheidenes an sich, was ihn umso mehr zu einem ehrlichen Musiker macht. Ein Name, den man nicht so schnell vergessen wird. Nach der Pause spielt das NOB noch Auszüge aus den Suiten basierend auf Prokofjews Ballett Romeo und Julia. Michael Schønwandt hat eine etwas manieristische Art zu dirigieren. Es fällt auf, dass er seine Arme niemals streckt, die Ellbogen bilden immer einen Winkel. Keine großen Bewegungen, als würde er zwischen den Bäumen den Wald nicht sehen wollen. Vielleicht hätte das NOB mit ausholenderem Gestus einen offeneren Klang. Aber das ist reine Spekulation, sie spielen herrlich. Besonders bei den Streichern fällt das Geschick und der ebenmäßige Klang auf.

Geiger Sergey Khachatryan hat heute Abend die Herzen erobert. Nach dem Konzert kaufe ich seine CD „My Armenia", mit Werken von Aram Khachaturian und für mich unbekannten armenischen Komponisten. Genauso wie beim Elisabethwettbewerb 2005 spielt er auf der CD zusammen mit seiner Schwester Lusine. „Dedicated to the 100th Commemoration of the Armenian Genocide" steht auf dem Cover. Noch ein Volk, das im zwanzigsten Jahrhundert Vertreibung und Völkermord bezahlen musste. Glücklicherweise hat das armenische Volk seine besten Söhne in die Welt geschickt, wie wir heute Abend mit Sergey Khachatryan erfahren haben.

  • WER: Sergey Khachatryan und das NOB
  • WAS: Gubaidulina, Max Bruch und Prokofjew
  • WO & WANN: Bozar Brüssel, am 29. März 2024
  • FOTOS: © Armena Narinyan.
Diesen Artikel teilen
DE