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Rezensionen

Poulenc lädt ein

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Poulenc lädt ein

FP 138 ist Poulencs Trio Suite 'L'invitation au château'. Ersetze 'château' durch 'Salle Élisabeth' des prestigeträchtigen Hotels Corinthia in der Brüsseler Königstraße und du wirst mit der Fortsetzung der 'Concerts Astoria' konfrontiert, die am ersten Sonntag im Juni das Trio Kaliko zu Gast hatten.

'Kaliko' ist der Name für eine dreifarbige Katze. Ihre drei Farben, Schwarz, Weiß und Rot, sind Symbole für drei Instrumentengruppen, drei Nationalitäten und drei musikalische Welten. Und das ist genau das Trio Kaliko: Violine, Klarinette und Klavier, ein Geiger aus Brüssel, eine spanische Klarinettistin und ein Pianist mit italienischen Wurzeln, denn in Mantua geboren, mit dem aussagekräftigen Namen Mantovani.

Es stand nur ein Name auf dem Programm, Francis Poulenc (1899-1963), aber die vielen Facetten seiner musikalischen Sprache übersteigen bei weitem die Ziffer drei. So hörten wir eine breite Palette an Humor, Ironie, Ausgelassenheit, Ernst, Traurigkeit und Melancholie. Nicolas Dupont sieht das richtig: wie Mozart kann auch Poulenc von den höchsten Höhen zu den tiefsten Tiefen umschlagen. Kein Instrument kann so lachen, necken, scherzen und klagen wie die Klarinette, wie Alba Mayonga Rodrigo sie beherrscht. Wir hörten sie bereits im MIM, aber mit einer anderen Akustik hatten wir keine Ahnung von der Kraft, die sie aus ihrem Instrument herausholt. Du bist nicht umsonst ständiges Mitglied der Königlichen Musikkapelle De Gidsen.

Klarinette und Klavier, Klavier solo, eine eigene Version für Violine und Klarinette der ursprünglichen Sonate für zwei Klarinetten, Violine und Klavier und zum Abschluss die drei zusammen, so viele Kombinationen, so viele Klangwelten. Ein Fest für das Ohr und ein Fest für das Auge in diesem Dekor, das eine Symbiose aus Creme und Olivgrün ist. Sogar die Outfits der Musiker waren auf die Farbe der Wände und des Teppichs abgestimmt, wo nur der Flügel, die Spiegeltüren und das Kristall der Leuchter anders waren. Für jeden Satz gab Nicolas Dupont eine sachkundige, ausführliche Erläuterung. Nur holte er viel mehr aus seiner dunklen, matten Pedrazzini von 1920, eine Kopie einer Pressenda, die er als Leihgabe hat, heraus, als aus seiner Stimme und seinem Englisch.

Licht und Dunkelheit


Höhepunkt erlebter Tragik war die berühmte Violinsonate FP 119 aus den Kriegsjahren 1942/43. Sie ist Federico Garcia Lorca gewidmet, der kurz zuvor während des Spanischen Bürgerkriegs ermordet wurde. Der historische Kontext ist in der Bezeichnung der Sätze als 'Allegro con fuocco' oder 'Presto tragico', in den Partiturangaben und vor allem in der Musik selbst erkennbar. Heftige Rhythmen, dramatische Ausbrüche wie Schüsse oder Kanonenschläge finden ein Gegenstück in den Gitarre imitierenden Pizzicati des Intermezzos, denn "die Gitarre lässt die Träume weinen". Grundlage für all diese Schönheit war das Klavier von Marco Mantovani. Sein voller und sonorer Anschlag ließ jede melodische Linie gut zur Geltung kommen.

Nach der Dramatik der Violinsonate führte 'L'invitation au château' zurück zu dem leichteren, spielerischeren Poulenc, der sich in der Welt des Theaters zu Hause fühlte. Zur Bühnenmusik des gleichnamigen Stücks von Jean Anouilh schrieb er eine Reihe kurzer Szenen und Charakterstücke, die sich in hohem Tempo ablösen. Und selbst dieses bunte Mosaik aus Walzern, einem Marsch, einem Tango, einer Polka, einer Tarantella und anderer Leichtfüßigkeit ist nicht in der Lage, einen Hauch von Ernst und Nostalgie zu verbergen.

Details

Wer
Trio Kaliko; Alba Mayorga Rodrigo op klarinet, Nicolas Dupont op viool en Marco Mantovani op piano
Wo
Salle Élisabeth' van hotel Corinthia, Brussel
Gesehen am
7 Juni 2026
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