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IYAP @ AMUZ - Seelen in Bewegung, eine Reise durch Klang und Ewigkeit

W
· 22 Min. Lesezeit
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IYAP @ AMUZ - Seelen in Bewegung, eine Reise durch Klang und Ewigkeit
© AMUZ

Am Samstag, den 23. August fand in AMUZ die jährliche International Young Artist's Presentation (IYAP) statt, eine Initiative von Musica Impulscentrum und AMUZ. Dieses besondere Ereignis bringt junge Ensembles zusammen, die sich an alte Musik wagen, wobei junges Talent sich mit der zeitlosen Kraft des Klangs verbindet. Es ist kein Wettbewerb, sondern eine Begegnung zwischen Zeiten, Stimmen und Stille, zwischen jungen Seelen und alten Welten.

Die dem Konzert vorausgehenden Tage waren die jungen Musiker intensiv von Mentoren wie Lore Binon und Peter Van Heyghen begleitet. Sie arbeiteten nicht nur an technischen Fähigkeiten, sondern halfen den Musikern auch, das tiefere Wesen der Musik zu entdecken. Dies führte zu sechs konzentrierten Konzerten, jedes eine gute halbe Stunde lang, in denen sich die Seele jedes Ensembles entfaltete — zerbrechlich, kraftvoll und immer aufrichtig.

Die Programmentwurf und die Reihenfolge der Konzerte waren sorgfältig gewählt. Jedes Ensemble passte perfekt ins Ganze, mit einer Dynamik, die die Vielfalt der alten Musik wunderbar zum Ausdruck brachte. Die Techniker verdienen eine besondere Erwähnung für ihre sachkundige Arbeit: nach jedem Konzert wurde die Bühne schnell und professionell für das nächste Ensemble vorbereitet, wodurch die Übergänge reibungslos verliefen.

Auch die Choreografie der Ensembles war auffällig. Es war klar, dass jede Gruppe gut durchdacht hatte, wie sie ihr Konzert visuell präsentieren würde: vom Betreten der Bühne bis zur Interaktion zwischen den Musikern und der Beleuchtung. All diese kleinen, aber durchdachten Details trugen zu einer tieferen Erfahrung der Musik bei und hielten die Aufmerksamkeit des Publikums, selbst in den Stille zwischen den Noten. So wurde die Aufführung nicht nur eine Frage des Klangs, sondern auch der Bewegung – ein harmonisches Zusammenspiel der Sinne.

10:00 – Café 1830: Ein Ruf zur Erkundung


Der Tag eröffnete sich verhalten mit Café 1830, einem Duo, das mit Klarinette (Marguerite Neves) und Gitarre (Élodie Bruzstowski) eine intime Salonsstimmung hervorrief – als würden wir in ein Hauskonzert des 19. Jahrhunderts hineingleiten. Die ungewöhnliche Kombination von Klarinette und Gitarre erwies sich als überraschend wirkungsvoll als Tagöffner: ihr Auftritt stimmte fröhlich, weckte Neugier und schuf sofort Lust auf mehr. Ein charmantes Detail war die Begrüßung auf Niederländisch durch Neves, womit das Duo sofort eine warme Bindung zum Publikum schuf.

Neves' historische Klarinette zeichnete sich durch einen warmen, runden Klang aus, der jeder Phrase einen poetischen Glanz verlieh. Bruzstowskis romantische Gitarre flüsterte fast – eine subtile, verfeinerte Begleitung, die Raum für Nuance und Ausdruck ließ. Zusammen führten sie ein musikalisches Gespräch, in dem technische Finesse Hand in Hand mit emotionaler Offenheit ging.

Die Sonata Concertata von Niccolò Paganini (1782-1840) tanzte vorbei mit leichtfüßiger Virtuosität – wie eine musikalische Notiz, flüchtig in das Reisetagebuch eines Romantikers eingetragen. Die Phrasierung blieb leicht und klar, mit sorgfältig aufgebauter Dynamik, die immer wieder ein Gefühl der Nähe hervorrief.

Die beiden Walsen opus 69 von Fryderyk Chopin (1810-1849) riefen die Wehmut der Romantik auf, mit ihrer harmonischen Fülle und eleganten Linien. Hier zeigte Bruzstowski ihre Feinfühligkeit für Farbe und Detail, während Neves ihre Klarinette mit sanfter Melancholie singen ließ. Das Schwanenlied von Fanny Hensel (1805-1847) wurde eine stille Überlegung, getragen von Nostalgie und mildem Trauer – eine Stimme aus der Vergangenheit, die ihren Weg in die Gegenwart fand.

Bemerkenswert war, dass nur ein Werk auf dem Programm, die spritzige Serenade von Iwan Müller (1786-1854), ursprünglich für diese Besetzung geschrieben war. Die anderen Stücke waren Eigenbearbeitungen geliebter Werke aus dem frühen 19. Jahrhundert. Diese Arrangements, sorgfältig und gefühlvoll ausgearbeitet, bewiesen, dass diese Klangkombination auch außerhalb des bestehenden Repertoires zu überzeugen wusste.

Die Auszüge aus der Serenade, die sowohl den Anfang als auch das Ende des Rezitals rahmten, brachten eine lebendige Leichtigkeit – eine Ode an die kleine Geste. Mit delikaten Artikulationen und einer transparenten Textur wurde es eine Miniatur voller Bedeutung: klein in Umfang, groß in Aussagekraft.

Was das Duo besonders machte, war die hörbare Verbundenheit. Sie waren perfekt aufeinander eingespielt, spielten virtuos ohne Bravur, und strahlten Freude im Zusammenspiel und in der Interaktion mit dem Publikum aus. Das Programm bot eine vielfältige Auswahl, die nicht nur ihre technische Fähigkeit zur Schau stellte, sondern auch ihre musikalische Vorstellungskraft.

In der intimen Umgebung von Café 1830 schien die Zeit einen Moment lang stehen zu bleiben. Dies war mehr als eine Reihe von Aufführungen – es war eine Einladung zur Entdeckung, eine gemeinsame Reise entlang vergessener Klänge und neuer Perspektiven. Die Musiker waren nicht bloße Ausführende, sondern Mitreisende in der Musik, mit Raum für Spontaneität, Dialog und Verwunderung.

Café 1830 schmeckte nach mehr. In diesem musikalischen Salon würde man gerne noch ein wenig verweilen.

11:00 – Auroras Mestizas: wo europäischer Barock und lateinamerikanische Leidenschaft sich treffen


Auroras Mestizas überflutete das Publikum mit einem Ozean von Emotionen und einer Klangpalette, die sowohl stürmisch als auch subtil klang. Unter dem Motto Liebe, trotz göttlicher Stürme brachte das Ensemble Barockmusik aus Europa und Lateinamerika in einen faszinierenden, tiefempfundenen Dialog zwischen zwei Welten zusammen. Der programmatische Reichtum und die emotionale Schichtung berührten vom ersten Ton an.

Obwohl wir zwei Jahrhunderte in die Zeit zurückgingen, störte das überhaupt nicht: Das Programm war schön abwechslungsreich, mit bekannten europäischen Komponisten neben für mich weitgehend unbekannten lateinamerikanischen Namen — gerade diese letzteren bildeten die größte Überraschung. Das Ensemble verstand es, dich vom ersten Ton an in eine Geschichte mitzunehmen; eine ansteckende musikalische Reise, die den Eindruck erweckte, dass du gerne mit ihnen nach Lateinamerika ziehen würdest, um noch mehr fesselnde Werke zu entdecken.

Das Ensemble eröffnete mit dem Adagio aus der Violinsonate in g, opus 5 nr. 5 von Arcangelo Corelli (1653-1713). Dieser verhalten, aber geladen wirkende Anfang offenbarte sofort die musikalische Affinität und verfeinerte Phrasierung der Gesellschaft. Der warme Klang und die präzise Intonation zogen das Publikum sanft in die Atmosphäre hinein, wie die erste Welle eines vielversprechenden Sturms.

Daraufhin entfaltete sich ein thematisch reiches Programm, in dem Europäer und lateinamerikanische Barock nahtlos ineinander übergingen. Die selten aufgeführte Kantate De aquel immenso mar von Roque Ceruti (1683-1760) bildete einen ersten Höhepunkt. Sopranistin Edilsa Samanez gab dieser Kantate eine ergreifende Interpretation, mit einer Stimme, die sowohl tiefempfunden als auch rhetorisch stark war. Ihre kraftvolle aber verletzliche Stimme drückte das Paradoxon der Liebe — Sturm und Stille — spürbar aus. Sie wechselte mühelos zwischen intensiven, leidenschaftlichen Passagen und flüsternden Momenten der Besonnenheit, wobei sie das immense Meer aus dem Titel zum Leben erweckte.

Samanez rührte den Saal tief mit ihrer intensiven und ausdrucksstarken Stimme. Um sie herum erklang ein reiches Orchester aus Theorbe, Viola da Gamba, Cembalo und Streichern, das das Publikum in ein wellendes Klangmeer hineinzog. Jedes Instrument trug zu einem farbenfrohen Teppich von Texturen bei, der nicht nur barocke Pracht ausstrahlte, sondern auch die feurige Emotion lateinamerikanischer Wurzeln.

Im Affetuoso aus der Sinfonia da camera in e, opus 2 nr. 5 von Nicola Porpora (1686-1768) klang eine zarte Stille, getragen vom Streichensemble mit harmonischer Subtilität. Das Gleichgewicht zwischen melodischer Einfachheit und expressiver Tiefe wurde sorgfältig bewahrt, mit einer zentralen Rolle für Jose Huamani auf Viola da Gamba, dessen Spiel wie ein grollender Unterstrom die Musik emotional verankerte.

Die Arie Aiutatemi a morire aus der Kantate Olimpia von Alessandro Scarlatti (1660-1725) brachte Samanez mit ergreifender Intensität. Ihre dramatische Vielseitigkeit kam hier vollständig zur Geltung: Jede Note geladen mit Bedeutung, jede Stille sprach Bände. Die einfühlsame Begleitung des Theorbespielers Giorgios Kakitsis gab rhythmische Klarheit und harmonische Tiefe dieser herzzerreißenden Aufführung.

Ein verspielter und leichter Kontrast folgte mit der Sarabande. Largo aus dem Duo in D für zwei Violinen, opus 12 nr. 3 von Jean-Marie Leclair (1697-1764). Die Geigerinnen Sophie Paeshuyse und Maria Florencia Romero webten einen lebendigen, intimen Dialog voller Tanzenergie, ohne stilistische Finesse einzubüßen.

Der Höhepunkt kam mit dem Rezitativ und der Arie aus Mariposa de sus rayos von José de Orejón y Aparicio (1705-1765). Hier verschmolzen Text, Klang und Gefühl. Samanez erweckte die melancholische Schönheit dieser lateinamerikanischen Barockkomponistin mit herzzerreißender Intensität zum Leben. Das Ensemble spielte wie ein einziger atmendes Organismus, wobei das Cembalospiel von Vasco da Silva Pereira durch farbenfrohe Artikulation, stilistisches Raffinement und rhythmische Motorik hervortrat. Seine subtilen Verzierungen gaben der Musik einen Hauch von Flamboyance, der die lateinamerikanischen Wurzeln betonte.

Das Programm präsentierte Werke von unter anderem José de Orejón y Aparicio (1706–1765) und Domenico Zipoli (1688–1726), Komponisten, deren Musik oft weniger bekannt ist, aber hier auf beeindruckende Weise zum Leben kam. Die Musik wirkte wie ein Herzschlag unter drohenden Wolken, mit Klängen, die die Zerbrechlichkeit der Existenz spiegelten und gleichzeitig die unwandelbare Kraft des Gefühls unterstrichen.

Die Stärke von Auroras Mestizas liegt nicht nur in den individuellen Qualitäten der Musiker, sondern auch im kohärenten, gefühlvollen Aufbau des Programms. Der Wechsel zwischen bekannten und weniger bekannten Werken, zwischen europäischem Barock und lateinamerikanischen Einflüssen, lieferte ein reiches Hörerlebnis, in dem Kontrast und Kontinuität sich perfekt ergänzten. Das Ensemble zeigte starke Musikalität, Durchdachtheit, Begeisterung und sichtbares Spielvergnügen. Ihre Interaktion — wie das Zulächeln füreinander während des Auftritts — zeigte, dass sie selbst auch enorm davon genossen.

Auroras Mestizas schuf eine intensiv persönliche und zugleich universelle Erfahrung: Eine kraftvolle Erkundung von Liebe, Verlorenheit und Hoffnung, die den Hörer von Anfang bis Ende in ihrem Griff hielt und lange nachklang. Der Schluss war ebenso ergreifend wie der Anfang: Eine musikalische Entladung, die sowohl intensiv als auch besonnen war. Die letzten Klänge schienen in der Stille des Saals nachzuklingen — eine Stille durchdrungen von Ergriffenheit und Emotion.

12.00 – Les Trouveurs: Eine intime Reise durch Zeit und Klang


Les Trouveurs — das französische Duo Mathias Lunghi und Camille Macinenti — nahm das Publikum mit auf eine nahezu meditative Reise. Sie brachten kein Echo aus der Vergangenheit, sondern führten einen lebendigen Dialog zwischen verwandten Seelen. Mit mittelalterlichen trouvère-Liedern aus Nordfrankreich flüsterten sie jahrhundertealte Geschichten, in denen Minnelieder und Erzählungen über Liebe, Rittertum und das menschliche Schicksal im Mittelpunkt standen, getragen von Stimmen, die Zeit und Raum überschritten. Das Ensemble suchte nicht nach Virtuosität, sondern verwebte subtile Klänge in einem feinen Dialog zwischen Hören und Sprechen, wobei jede Note eine verletzliche Wahrheit enthüllte.

Ohne instrumentale Begleitung entfaltete sich ein reichhaltiger menschlicher Ausdruck. Die Lieder von Adam de la Halle (1245/50-1285/88), oft als der letzte große trouvère angesehen, klangen wie greifbare Erinnerungen — Echos, die die Kluft zwischen Vergangenheit und Gegenwart überbrückten. Liebe, jene ewige Sehnsucht im Herzen des Liebenden, wurde aufs Neue lebendig und fühlbar, wie ein Flüstern, das über die Jahrhunderte hinweg unverändert erklingt. Mit einem feinen Gleichgewicht zwischen Zurückhaltung und Emotion schien sich der Text im Raum zu schweben, wie kostbare Perlen der Bedeutung und des Gefühls.

Das sorgfältig zusammengestellte Programm führte zu einem kräftigen Höhepunkt, in dem neben Adam de la Halle auch Werke von Philippe de Remi (1210-1265), Thibault de Champagne (1201-1253), Guillaume de Machaut (ca. 1300-1377) und einige anonyme Lieder aufgeführt wurden. Zusammen boten sie eine poetische Suche nach der zeitlosen Antwort auf die Frage: Was ist Liebe?

Die Interpretation von On demande mout souvent qu'est amours von de la Halle am Ende des Konzerts verwandelte die rhetorische Frage in ein flüsterndes Gebet, eine intime Bitte, die den Atem des Saals zum Stocken brachte. In diesem Moment wurde Musik zur Sprache der Seele und die Zeit schien kurz innezuhalten. Es war eine seltene Begegnung — rein, tief und ergreifend.

Was diesen Auftritt so besonders machte, war die Aufrichtigkeit und Einfachheit, mit der das Duo die mittelalterliche Musik anging. Manchmal klang es wie polyfone Stimmen, die sich umarmten, dann wieder einstimmig mit subtilen Harmonien, durchdrungen von Respekt und Liebe für das Material. Es fühlte sich an, als würde man sich am Kaminfeuer eines mittelalterlichen Schlosses niederlassen, umgeben von warmen, persönlichen Klängen, die das Herz berührten.

Die serene Atmosphäre wurde nur kurz durch ein läutendes Handy gestört, aber mit ihrer Professionalität gelang es dem Duo, schnell den Zauber wiederherzustellen. Neben dem Gesang wurden auch Texte aus Li ver de le mort von Adam de la Halle vorgelesen, in der ursprünglichen Aussprache des Mittelalterfranzösischen, was zur historischen Authentizität beitrug.

Mit diesem bezaubernden Konzert zeigten Les Trouveurs, dass klassische Musik mehr ist als Perfektion — sie ist ein lebendiges Flüstern, das die Seele berührt und niemals wirklich verstummt.

14.00 – Fortepiano Atelier: eine elegante Reise in die Vergangenheit


Mit einem bezaubernden Konzert voller romantischer Kammermusik auf historischen Instrumenten öffnete das polnische Fortepiano Atelier seine Türen. In dieser intimen Umgebung schien die Zeit stillzustehen und wir bekamen einen lebendigen, greifbaren Einblick in das neunzehnte Jahrhundert. Das Ensemble aus Krakau, bestehend aus jungen, leidenschaftlichen Musikern, brachte eine feinsinnige Aufführung des Klavierquintetts Es-Dur, opus 44 von Robert Schumann (1810–1856) — eine fesselnde Ode an die frühe Romantik.

Die Besetzung bestand aus Eliza Pawłowska an einem historischen Fortepiano, begleitet von den Streichern Szymon Strzelczyk (Violine), Bartłomiej Fras (Violine), Natalia Reichert (Bratsche) und Matylda Adamus (Violoncello).

Das Fortepiano — mit seinem leichten Anschlag und seinem intimen Klang — ging einen subtilen, aber kraftvollen Dialog mit den Streichern ein. Das Instrument flüsterte mit einer Transparenz und Wärme, die den Geist Schumanns fühlbar machte. Jeder Anschlag schien ein Gedanke zu sein, jede Resonanz ein Atemzug. In dieser Aufführung bekam jeder Teil des Quintetts einen ausgesprochenen Charakter, bis ins kleinste Detail gepflegt.

Das Allegro brillante eröffnete hell und beweglich. Pawłowskas leichte, unmittelbar ansprechende Artikulation verlieh den schnellen Passagen eine spritzige Geschmeidigkeit, die auf einem modernen Flügel vielleicht verloren gehen würde. Keine monumentale Rhetorik, sondern ein lebendiger Dialog — elegant, intim und stets musikalisch dosiert.

Der zweite Satz, In modo d'una marcia, brachte eingezogene Feierlichkeit. Die begrenzte Resonanz des Fortepianos ließ jede Stille und Atempause erklingen. Die Streicher klangen wie zerbrechliche Stimmen der Erinnerung; die Klavierpartie atmete eine Melancholie, die gerade durch ihre Einfachheit ergreifend wirkte.

Das Scherzo (Molto vivace) wirkte wie ein aufzuckender Funke: verspielte, unvorhersehbar und glasklar. Die leichte Mechanik der Tastatur ließ die virtuosen Figuren scharf, aber spielerisch vorbeihuschen. Die kontrastierenden Trios brachten Atemraum: lyrisch, fast gesanglich, in dem sich Klavier und Streicher in sanften Konturen umarmten.

Das Finale (Allegro ma non troppo) bildete einen organischen Höhepunkt. Die fugatorische Struktur wurde glasklar entfaltet, mit einer Transparenz, in der jede Stimme hörbar blieb. Doch es gab keinen trockenen Formalismus: die Wärme des Zusammenspiels gab der Musik ihre Menschlichkeit zurück. Die Schlusspassage klang wie ein Seufzer der Vollendung — erfüllt, aber nicht erschöpft.

Zwischen den Teilen erklang unerwartet das Allegro agitato aus dem Ersten Streichquartett von Stanisław Moniuszko (1819–1872) — eine kurze, aber ausdrucksstarke Unterbrechung. Diese nationale Lyrik, getragen von den vier Streichern, webte ein spannendes Spiel von Kontrasten. Akzente und Phrasierungen wogten übereinander hin, wie auf einem ruhigen, aber unterirdisch bewegten Meer. Obwohl dieses Fragment thematisch mit Schumanns Sprache verwandt war, wirkte es wie ein Seitenpfad innerhalb eines sorgfältig aufgebauten Spannungsbogens. Dennoch wurde auch dieses Werk mit Finesse und Überzeugungskraft dargebracht.

Was dieses Konzert so besonders machte, war die innige Verschmelzung von Klang und Zeit. Das Fortepiano mit seinem zarten und transparenten Klang fand in der reichen Wärme der Streicher einen idealen Gesprächspartner. Hier erklang keine akademische Rekonstruktion, sondern ein lebendiger Atemzug der Romantik.

Das Fortepiano Atelier brachte die Vergangenheit nicht nur zum Leben — es ließ uns darin wohnen, für einen Moment, in Stille und Schönheit.

15.00 – Pont Baroque: ein sonniger Tauchgang ins italienische Barock


Pont Baroque brachte eine glänzende Interpretation der südlichen Barockmusik aus Rom und Neapel. Die Kompositionen von Alessandro Scarlatti (1660-1725), Leonardo Vinci (1696?-1730), Johann Adolf Hasse (1699-1763) und Gaetano Carpani (1692-1785) vereinten melodische Pracht mit einer verfeinerten Rhetorik. Diese Stücke tauchten das Publikum in die lebendige Dramatik und das Temperament des italienischen Barock ein, wo jede Note eine Geschichte zu erzählen schien.

Sopranistin Alison Lau stand im Mittelpunkt dieses musikalischen Dialogs. Ihre dramatische und ausdrucksstarke Präsenz enthüllte langsam die tieferen Schichten der Musik. Ihre warme und sonnige Stimme fesselte von Anfang bis Ende, mit einer besonderen Offenbarung im letzten Werk, in dem ihre reichhaltigen vokalen Fähigkeiten in voller Pracht zum Vorschein kamen. Es war unverkennbar, wie das Publikum von ihrer Interpretation mitgerissen wurde. Ihre lupenreinen 'o-o-o's' und 'a-a-a's' waren wirklich großartig. Diese Momente waren wie eine Entdeckung reiner Musikalität, wobei man sprachlos vor der Beherrschung und Kraft war, die sie mit so viel Raffinesse zu bringen verstand. Sie wurde fantastisch von dem Ensemble unterstützt, das das Zusammenspiel zu einem Perlchen machte. Dieses Ensemble bestand aus den Musikern: Alison Lau (Sopran), Aysha Willis (Traversflöte), Riccardo Casamichiela (Cembalo) und Osian Jones (Cello und künstlerische Leitung).

Das Programm eröffnete mit Scarlattis Arie Ardo è ver per te d'amore, eine Perle aus dem frühen italienischen Barockrépertoire. Scarlatti, einer der Großmeister des Neapler Barock, rahmte die leidenschaftliche Intensität des Textes meisterhaft ein. Lau gab dem Stück eine dramatische und zugleich intime Dimension. Ihre Stimme bewegte sich sowohl zart als auch kraftvoll durch die Ornamentik, mit feinem Verständnis von Scarlattis rhetorischem Stil. Jede musikalische Verzierung verstärkte die Emotionen des Textes, während das Zusammenspiel mit dem Ensemble subtil und warm klang.

Darauf folgte Vincis Flötensonate Nr. 1 in D. Vinci, ein Zeitgenosse Scarlattis, zeigte hier seine Meisterschaft im leichten, eleganten Stil des Neapler Barock. Willis brachte die Sonate mit auffallender Leichtigkeit und technischer Virtuosität, in der zierliche Melodien und fließende Passagen den galanten Stil treffend ausdrückten. Die Flötensonate bestechte durch ihren Wechsel zwischen Lebendigkeit und Zurückhaltung, mit Momenten spielerischen Funkeln und zugleich verhaltenen, verfeinerten Melodien. Cembalo und Cello waren perfekt auf diese Verspieltheit abgestimmt, wodurch das Ganze hell und lebendig klang. Die Musiker strahlten technisches Können und musikalischen Enthusiasmus aus, wobei das Ensemble in harmonischer Synergie arbeitete.

Darauf folgte aus Hasses Kantate Quel vago seno, o Fille das Rezitativ und die Arie. Hasse, bekannt für seinen verfeinerten Operastil, balanciert hier zwischen deutscher Ernsthaftigkeit und italienischer Leidenschaft. Das Rezitativ wurde auf natürliche, sprechgesangartige Weise vorgetragen, wodurch die Geschichte lebendig wurde. In der Arie machte Lau ein wahres Spektakel aus dem Stück. Ihr Gesang war zierlich und mitreißend, während die Traversflöte subtil und innig mit ihren vokalen Linien miteinging. Diese enge Interaktion zwischen Gesang und Instrumenten brachte Hasses emotionales Gleichgewicht überzeugend zum Leben.

Das Programm schloss mit der Kantate Quator per erme selve von Gaetano Carpani. Dieses fantastische Werk war für mich eine Entdeckung. Carpani, weniger bekannt aber faszinierend als Vertreter des Römischen Barock, zeigt hier sein Talent in einer Komposition voller harmonischer Farben und ausdrucksstarker Melodien. Sein Stil enthält einen lebendigen Dialog zwischen Stimmen und Instrumenten, wobei die Dramatik subtil aufgebaut wird. Das Ensemble brachte dies mit ausgewogenem Ausdruck, wobei die Harmonien und die Interaktion zwischen Instrumenten und Gesang in feiner, natürlicher Spannung standen. Diese Kantate bildete einen passenden und inspirierenden Schlusakkord, der die Vielfalt und den Reichtum des italienischen Barock unterstrich.

Was dieses Konzert so besonders machte, war nicht nur die technische Virtuosität, sondern vor allem das Feuer und die Spontaneität, mit der die Musik zum Leben erwachte. Die straffen, oft theatralischen Barockstrukturen erhielten eine frische, fast physische Präsenz. Die Interaktion zwischen den Instrumenten war verfeinert: die sanften Linien der Traversflöte wurden subtil durch das scharf einsetzende Cembalo unterbrochen, während Cello und Sopran sich zart unterstützten. Jede Phrase klang wie ein Sonnenuntergang in Klang: durchdrungen von Leidenschaft, Eleganz und mediterraner Wärme.

Pont Baroque bewies, dass Barockmusik, trotz ihrer komplexen Architektur und expressiven Freiheit, in den Händen junger, talentierter Musiker nicht nur ihrem Ursprung treu bleibt, sondern auch einen zeitgenössischen Glanz erhält. Dieses Konzert war ein überzeugender Dialog mit dem Barock – gewagt, dramatisch und voller Leben.

16.00 - [H]Éros Ensemble: eine poetische Umarmung der französischen Hofmusik des 17. Jahrhunderts


Der Schlusspunkt eines intensiven, emotional aufgeladenen Tages wurde auf sublime Weise von dem [H]Éros Ensemble gesetzt. Dieses Ensemble nahm das Publikum mit an den Hof des Eros, wo sich Liebe und Sehnsucht in einem zarten Tanz der Klänge und Worte entfalteten, wobei jeder Moment zu einem Flüstern der Zärtlichkeit wurde. Das sorgfältig zusammengestellte Programm, das durch die Instrumente und Stimmen zum Leben erweckt wurde, führte den Hörer entlang der verschlungenen Pfade des französischen Hoflebens des 17. Jahrhunderts, wo sich Liebe in ein verfeinertes Verführungsspiel übersetzt, mit dem Barock als der perfekten Leinwand für die subtilen Allegorien der Sehnsucht.

Werke von unter anderem Étienne Moulinié (1599-1676), Jean Boyer (ca. 1600-1640) und Antoine de Boësset (1587-1643) entfalteten sich mit flüsternder Anmut, getragen von den Sängerinnen Sofia Pedro (Sopran), Ana Parejo (Sopran), Gabriel Belkheiri Garcia del Pozon (Tenor) und Wessel van der Ham (Bass), sowie den Musikern MengHan Wu (Violine), Adriana Mendez Fernandez (Tenorgambe), Xander Baker (Baßgambe), Giuseppe Ciraso-Calì (Violone), Rafael Arjona Ruz (Theorbe und Barockgitarre) und Katerina Orfanoudaki (Cembalo). Zusammen webten sie einen zarten, fast poetischen Tanz, wobei die Instrumentalbegleitung den perfekten Klangtteppich bildete, um die Melodien und Texte subtil zu unterstützen und zu bereichern.

Die Stimmen der Solisten verliehen der Musik eine außergewöhnliche Klarheit, eine Verbindung von Zerbrechlichkeit und Kraft, die sowohl das Verspielte als auch das Melancholische in der Musik hervorbrachte. Sofia Pedro und Ana Parejo verliehen ihren Sopränen eine ätherische, träumerische Qualität, die Sehnsucht und Liebe fast greifbar machte. Gabriel Belkheiri Garcia del Pozon als Tenor und Wessel van der Ham als Bass vervollständigten das Klangbild mit einer warmen Tiefe, die die emotionale Kraft der Lieder verstärkte. In ihren Interpretationen balancierten sie mühelos zwischen Ironie und Ernst, zwischen dem Unausgesprochenen und dem Expliziten. Die Vielfalt ihrer Stimmen schuf eine intensive Chemie, die die Musik sowohl intim als auch universal machte.

Die Instrumentalbesetzung ergänzte diese vokale Palette mit einem ausgezeichneten Sinn für Timing und Klangfarbe. MengHan Wus Violine klang wie eine verfeinerte Rose im Klangteppich und brachte die Melodien mit äußerster eleganter Anmut zum Leben. Adriana Mendez Fernandez' Tenorgambe, Xander Bakers Baßgambe und Giuseppe Ciraso-Calìs Violone boten eine solide, aber flexible Grundlage, auf der die Melodien wie Blumen erblühen konnten. Rafael Arjona Ruz' Theorbe verlieh der Musik zusätzliche Ebenen der Subtilität und Verfeinerung, mit funkelnden Ornamenten, die die Musik ergänzten, ohne das fragile Gleichgewicht zu stören. Katerina Orfanoudakis Cembalo bildete das Herz des Ensembles, ihre Finger glitten über die Tasten wie die sanfte Berührung eines Liebhaferbriefs, ihre Klänge die geistreichen Reflexionen der Sehnsucht.

Das Programm eröffnete mit Entrée du ballet von Michael Praetorius (1571-1621), ein lebendiger Tanz, der das Publikum einlud, sich zu bewegen, ein erster Hinweis auf die verspielte Energie, die das Konzert durchziehen würde. Danach brachte Concert de différens oiseaux von Moulinié eine idyllische Pastoralstimmung, mit Vögeln, die durch subtile Imitation eine Vorstellung der Natur hervorriefen. In Quelles beautés, ô mortels von de Boësset entfaltete sich ein lyrischer Lobgesang auf die Schönheit der menschlichen Existenz, durchdrungen von einer subtilen Melancholie, die sich auch später in Sa beauté estresme von Jean Boyer manifestierte, worin unerreichbare Schönheit die Traurigkeit des Unerreichbaren sang. Die fragile Ehrfurcht, die die Komponisten vor der Vergänglichkeit der Liebe ausdrückten, kam auch stark in Boëssets Cesse mortel d'importuner zum Ausdruck, worin Versuchung und Verführungsspiel einem Appell um Gnade weichen.

In Départ, que le devoir von Boësset wurde das Gefühl des Abschieds erneut angesprochen, in einem Moment unausgesprochenen Schmerzes, das von den Musikern mit einer Intensität aufgeführt wurde, die das Publikum buchstäblich zum Schweigen brachte. Die Befreiung, die in Me voilà hors du naufrage von Charles Tessier (1550-1604) besungen wurde, verwies auf einen emotionalen Schiffbruch, aus dem die Figuren ihren Weg aus dem Sturm fanden. Dies alles kulminierte in dem tiefen, nachdenklichen Mon amy s'en est allé von Jacques Mangeant (1571-1639), worin der Verlust der Liebe besungen wurde, still und fast erstorben, in einem letzten Moment der Melancholie und Hingabe.

Die Aufführung war von einer beispiellosen Sorgfalt und musikalischen Finesse durchdrungen. Das Programm war viel mehr als eine Aneinanderreihung einzelner Kompositionen: es wurde eine durchlebte Geschichte, in der Liebe, Sehnsucht und Vergänglichkeit in der französischen Hofkultur des 17. Jahrhunderts zum Klingen gebracht und fühlbar gemacht wurden.

In diesem finalen Moment kamen Aufführende und Publikum zusammen in einem verfeinerten, bedeutungsvollen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Klang und Sehnsucht, was die Erfahrung des Konzerts auf ein höheres Niveau hob. Es war eine beispiellose poetische Umarmung — ein unbestreitbares Zeugnis der Kraft der Musik, die Vergangenheit in der Gegenwart auferstehen zu lassen.

Eine Klangfahrt durch die Zeit


So entfaltete sich der Tag wie eine sinnliche Symphonie in sechs Porträts.

Café 1830 flüsterte Nuancen längst vergangener Zeiten.
Auroras Mestizas überschwemmte den Raum mit ergreifender Emotion.
Les Trouveurs brachte die Stille zum Singen, mit tiefem Engagement.
Fortepiano Atelier ließ die Romantik in ihren ursprünglichen, lebendigen Farben wieder aufleben.
Pont Baroque strahlte in feurigem Flair, voller Energie und Pracht.
[H]Éros Ensemble schloss mit einem verfeinerten Tanz der Sehnsucht und des Klangs ab, eine subtile aber kraftvolle Verschmelzung des Alten und des Neuen.

IYAP ist kein Wettbewerb, es ist ein Dialog: zwischen Epochen, zwischen Stimmen, zwischen Welten, die sich berühren, sich herausfordern und sich gegenseitig bereichern. Jedes Konzert brachte etwas Einzigartiges mit sich: einen Klang, eine Frage, einen Moment der Verbindung. Manchmal, in der Stille zwischen Atem und Resonanz, wurde diese Verbindung sogar greifbar.

Es gibt keine Gewinner, nur Welten, die sich öffnen, wie eine vielstimmige Erzählung, die kein Ende kennt. Ein Tag, an dem Musik nicht nur gehört, sondern auch erlebt wurde — als das Echo einer Zukunft, die sich uns durch die Vergangenheit offenbarte.

Von jedem Konzert nimmst du Erinnerungen mit, denn jedes Ensemble hatte seine eigene Magie und Geschichte. Du musst nicht wählen, was das Beste war, denn jede Aufführung war auf ihre eigene Weise einzigartig. Die Musikalität jeder Gruppe ließ dich sprachlos zurück, als hätte sie den Atem im Raum selbst eingefangen.

Die Zukunft der klassischen Musik ist in guten Händen. Die leidenschaftlichen Aufführungen der heutigen Musiker brachten uns mit ihrer Raffinesse und ihrem Mut zu neuen Horizonten.

Ich hoffe, dass wir jedes Ensemble bald wiedersehen können auf der Bühne von AMUZ, und wünsche allen Musikern eine blühende Zukunft.

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Wer
IYAP artiesten
Wo
Amuz, Antwerpen
Bildnachweis
AMUZ
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