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Rezensionen

Ingegneri aus dem Schatten Monteverdis

H
· 4 Min. Lesezeit
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Ingegneri aus dem Schatten Monteverdis

Marc'Antonio Ingegneri wird als Lehrer des einflussreichen Claudio Monteverdi in Erinnerung behalten. Ingegneris eigenes Œuvre und seine Leistungen bleiben dabei im Schatten seines Schülers stehen. Toccata Classics bringt hier zusammen mit Choir Of Girton College Veränderung ins Spiel. Sie widmen eine Serie diesem Renaissance-Komponisten. Ein erstes Album mit Motetten erschien 2020. Nun folgt eine zweite CD mit Motetten für einen Doppelchor.

Der Renaissance-Komponist Marc'Antonio Ingegneri (ca. 1535/36 - 1592) studierte Polyphonie und Kontrapunkt bei dem französisch-flämischen Polyphonisten Cypriano de Rore (1515/16 - 1565) und dem italienischen Komponisten Vincenzo Ruffo (ca. 1508 - 1587). Ingegneri entwickelte einen klaren Stil, der der Kontrarreformationsstil von Palestrina (ca. 1525 - 1594) eng verwandt ist. Anfangs arbeitete Ingegneri als Kapellmeister in seiner vermeintlichen Geburtsstadt Verona. 1576 wurde Ingegneri zum Kapellmeister in Cremona ernannt, wo er bis zum Ende seines Lebens tätig blieb. Es ist auch in dieser Stadt, dass Claudio Monteverdi (1567-1643) bei dem Cremonese Komponisten in die Lehre ging.

Die Uraufnahmen mit Missa voce mea a5 lassen den atemberaubenden Reichtum und die Schönheit von Ingegneri erneut erklingen. Das komplexe Netzwerk an Vokallimmen bildet ein bemerkenswert klares und einfaches Ergebnis. Das Choir Of Girton College unter der Leitung von Gareth Wilson versteht es, diese Messe mit angemessener Intensität zu bringen.

Die Messe basiert auf dem Motet Voce mea [track 02] des florentinischen Komponisten Paolo Animuccia (ca. 1500 - 1569), Bruder des bekannteren Giovanni Animuccia. Richard Turbet beschreibt dieses Motet als minderwertig gegenüber Palestrina's Motet, das in Volume 1 (TOCC0556) der Grundlage von Ingegneris Messe lag. Animuccias Motet klingt als Einleitung für die Missa voce mea a5 und nach einer Psalmsetzung Exultate Deo [track 01] von Ingegneri. Wenn man die beiden nacheinander hört, fällt tatsächlich ein Unterschied in Subtilität auf. Ingegneri versteht es, mit Raffinesse und Differenziertheit den Text in einem komplizierten kontrapunktischen Netzwerk dennoch verständlich erklingen zu lassen. Mit wohlüberlegten und dosierter Chromatik poliert er die Textsetzung weiter auf. Dennoch ist die Hinzufügung von Animuccias Motet sicherlich ein Mehrwert für die CD. So erklingt das ursprüngliche Basismaterial dieser Parodiemesse, um danach zu hören, was Ingegneri daraus zu machen versteht.

Die fünf Ordinarium-Setzungen der Missa voce mea a5 [track 03, 05, 07, 10 & 12] werden durch andere Kompositionen von Ingegneri abgelöst, was die Messe fragmentiert. Die Abwechslung mit den Motetten lässt sich dank digitaler Wiedergabelisten umgehen. Natürlich kann hierfür folgendes Gegenargument verwendet werden, um die künstlerische Wahl zu rechtfertigen; die Propriumteile der Messe würden Ingegneris Setzungen ursprünglich auch voneinander trennen.

Historic Brass Of The Royal Welsh College Of Music & Drama
Choir Of Girton College, Cambridge

Auch der Wechsel zwischen einer Vokaldarbietung des Choir Of Girton College und einer Instrumentaldarbietung des Historic Brass Of The Royal Welsh College Of Music & Drama (RWCMD) schaffen Bruchstellen. In manchen Momenten schafft der Wechsel der Klangfarbe einen angenehmen Kontrast, aber in anderen Momenten führt er zu weiterer Segmentierung. Persönlich finde ich dies ein interessantes Konzept, aber für eine Uraufnahme ist es eine bedauerliche Wahl. Die Messe verliert ihren Zusammenhang durch die vielen Fragmentierungen. Manchmal ist eins plus eins drei, aber in diesem Fall bleibt eins plus eins nur zwei. Eine vollständig vokale, instrumentale oder gemischte Version wäre angemessener gewesen als eine abwechselnde. Letztendlich ist es eine Geschmacksfrage und de gustibus non est disputandum (über Geschmack lässt sich nicht streiten).

Die einzelnen Teile wissen wohl ihre Bestimmung zu erfüllen. Diese Uraufnahmen bringen Ingegneris geniale Musik erneut zum Leben. Das Choir Of Girton College und die RWCMD wissen beide die Musik dieses Renaissance-Komponisten zu würdigen. Besonders im "Gloria" [track 05] kommt die elegante Begeisterung dieser jungen Musiker äußerst zur Geltung. Dies ist eine CD zum Selbstentdecken und zum Bilden einer Meinung.

3.5/5

  • WER: Choir Of Girton College, Cambridge; Historic Brass Of The Royal Welsh College Of Music & Drama; Jeremy West, Gareth Wilson
  • WAS: Ingegneri: Vol 2. Missa Voce Mea A5, Motets; Animuccia: Voce Mea
  • VERLAG: Toccata Classics TOCC0630
  • BESTELLEN: JPC
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