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Rezensionen

Das lyrische Leben des Kontrabasses

W
· 3 Min. Lesezeit
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Das lyrische Leben des Kontrabasses

Der Wiener Musiker Dominik Wagner überrascht mit einer CD, die ganz dem König unter den Streichinstrumenten gewidmet ist – dem Kontrabass. Zusammen mit der Pianistin Lauma Skride präsentiert er eine Auswahl von 14 reizvollen Stücken, die von Schubert und Ravel über Fauré und Boulanger bis zu Richter, Glass und ja, Charles Chaplin reichen.

Im Sinfonieorchester ist der Kontrabass das größte Streichinstrument mit dem tiefsten Register. Die Geschichte des Kontrabasses ist zweigeteilt: Einerseits ist er Teil der Violinfamilie, andererseits aber auch der Viola da gamba. Eine zusätzliche Komplikation ist, dass der Bass nicht standardisiert ist – es gibt Ausführungen mit 3, 4 (üblich) und 5 Saiten. Der Kontrabass ist vor allem bekannt wegen seiner rhythmischen und harmonischen Rolle im Sinfonieorchester. Die Tiefe des Registers bedeutet, dass alle anderen Instrumente die höheren Regionen bevölkern. Für einen reichen und warmen Orchesterklang muss man also beim Kontrabass sein.

© Julia Wesely

Von Kontrabassist und Komponist Peteris Vasks haben Wagner und Skride eine Bearbeitung seines Andante Cantabile aufgenommen. Es stammt ursprünglich aus seinem zweiten Cellokonzert, darf aber jetzt ein eigenes Leben führen. Wagners Interpretation öffnet eine Welt der Lyrik. Nach einer klagenden Einleitung kommt in den höheren Registern die Sangstime vollständig zur Geltung, worauf das lange Schlussmotiv durch ein robustes Klaviersolo sorgfältig in Szene gesetzt wird.

Von dem minimalistischen Komponisten Max Richter, der gewöhnlich Abstand zu ausgetretenen klassischen Orchestrierungen hält und damit eine angenehme Art von Spannung schafft, wurde das Stück Mercy (2010) ausgewählt. Es ist ein Plädoyer für Erbarmen und Vergebungsbereitschaft, etwas, das auch in dieser Zeit willkommen ist. Mercy wird zu einer gezogenen Arpeggioform entwickelt mit relativ großen Sprüngen innerhalb der Akkorde, wobei Wagner es wagt, das Tempo zu erhöhen. Damit zeigt dieses Instrument auch seine fröhliche Seite. Franz Schubert ist mit zwei Kompositionen auffällig präsent. Im Lied Du bist die Ruh übernimmt der Kontrabass die Singstimme, wodurch eine neue Dimension zur poetischen Ausdruckskraft hinzugefügt wird.

Interessant sind die Stücke, die ihren Ursprung in der Liedkunst haben, denn sie markieren den Übergang von der Klassischen Periode (Mozart, Haydn, Beethoven), in der der Bass der Verdopplung des Cellos diente (aber eine Oktave tiefer), zum 19. Jahrhundert, als der Bass auch für individuelle Ausdrucksweise eingesetzt wurde. Ein bekanntes Beispiel der Emanzipation des Kontrabasses ist die Partie in der Oper Otello (4. Akt, in dem er im Wahn lebt, dass seine Frau ihn betrügt).

Für Ständchen – Reharmonized, das zweite Schubert-Stück auf der CD, hat Wagner den Berliner Pianisten und Arrangeur Jarkko Riihimäki hinzugezogen. Dadurch bekommt diese Serenade einen gehörigen Schuss Jazziness, was das Hörerlebnis spürbar auferfrischt. Der französische Komponist Claude Debussy meldet sich durch das melancholische Lied Beau Soir an, eine Interpretation, mit der Wagners Lyrik der Körperlichkeit des Cellos nahekommt.

Auch die amerikanische Institution Jeff Bradetich macht sich durch eine Bearbeitung von Faurés Elégie bemerkbar. Sie war ursprünglich für Cello geschrieben, aber die Bearbeitung für Kontrabass führt zu einer ergreifenden Erzählung über Liebeskummer, mit viel Emotion und Wärme. Indem die Perspektive nun aus den tiefsten Registern aufgebaut wird, wird das Drama überzeugend in Gang gesetzt. Die CD wird mit einigen Evergreens abgeschlossen, wie Moon River von Henry Mancini und das Thema aus Modern Times von Charles Chaplin.


WAS: Chapters (A Double Bass Story)

WER: Dominik Wagner [Kontrabass], Lauma Skride [Klavier]

LABEL: Berlin Classics

ERSCHEINT: 10. März 2023

BESTELLEN: JPC

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