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Rezensionen

Goodbye, Hello

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· 3 Min. Lesezeit
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Goodbye, Hello

So titelte Klara das Abschlusskonzert des Klarafestival in BOZAR, das ausgerechnet am 29. März 2019 ein Abschiedskonzert für das Vereinigte Königreich als Mitglied der Europäischen Union hätte sein sollen. Aber dieses Fest fand nicht statt: Hello Britain, also.

Beim Konzert wurde Musik mit einigen Textfragmenten abgewechselt, die von den Autoren Sulaiman Addonia, Jonathan Coe und Ali Smith vorgelesen wurden. Es war eine wohlmeinende Verbindung, die Klara zwischen dem Klarafestival und dem Passa Porta-Festival zog, an dem diese Autoren teilnahmen. Vielleicht besonders interessant für das zahlreich anwesende britische Publikum. Das war bereits bei den Reaktionen auf die Ankündigung des Konzerts zu bemerken. Mit ihrem eigenen Stil und Charme verarbeitete Greet Samyn an diesem Abend einige Anspielungen auf das Brexit-Geschehen, spitzfindig und mit feiner Ironie.

Das musikalische Programm war schön um Werke zusammengestellt, die eine Verbindung zwischen Europa und dem Vereinigten Königreich schaffen. Benjamin Britten schrieb mit Les Illuminations eine Komposition auf einen Text des französischen Dichters Arthur Rimbaud, John Tavener ist ein britischer Komponist des zwanzigsten Jahrhunderts und die Abschiedssymfonie von Joseph Haydn kann zweifach interpretiert werden. Zunächst als ein Abschied, aber auch als ein Werk eines österreichischen Komponisten, der als Europäer am Ende seines Lebens eine Phase in London verbrachte und dort Erfolg hatte. Das Aurora Orchestra hat London als seinen Heimathafen und wird von dem französisch-deutschen Cellist Nicolas Altstaedt dirigiert. Der Vokalist war niemand Geringeres als Ian Bostridge. Very British indeed. Mein Besuch bei diesem Konzert war daher vor allem wegen dieses einzigartigen Tenors und des schönen Britten-Werks, das er sang.

The protecting Veil, das serene Werk von John Tavener für Cello und Streichorchester, war eine stilvolle musikalische Aufführung eines Werkes, das in seiner religiösen Atmosphäre sicherlich Reminiszenzen an Messiaen oder Pärt weckt. Dennoch ist der Stil unterschiedlich in den reichen Variationen und dem besonderen melodischen Klang, besonders in dem Cello, das gekonnt mit den anderen Streichern dialogiert und auch einige auffällige Solokadenzten hat. Sie wurden ergreifend und intensiv von Nicolas Altstaedt vorgetragen. Les Illuminations von Benjamin Britten beginnt mit einem merkwürdigen Ruf in Fanfare als Eröffnung einer Sammlung mysteriöser, beschwörender Poesie. Die Stimme von Ian Bostridge ist wie immer phänomenal und mit ihrem typischen, ganz eigenen Timbre sehr geeignet für diese französischen Lieder. Ian Bostridge singt mit einer wendigen Stimme, die schön klingt. Ob er sehr hohe Noten oder tiefere Töne singt, die Stimme trägt und bleibt unversehrt. Er singt mit einer Überzeugung, die verblüfft, mit einer Vertiefung, die die symbolistische Poesie von Rimbaud inhaltlich an Verständlichkeit gewinnt, eine Sinnlichkeit, die den erotischen Charakter einiger Texte evoziert. Für einen nicht-französischsprachigen Sänger ist seine Aussprache vorbildlich. Er sang auch beim Encore am Ende des Konzerts mit: ein Lied der Beatles in einer Bearbeitung von Iain Farrington! Die Musiker des Aurora Ensemble tröpfelten nach ihrem „obligaten" Abgang bei Haydns Abschiedssymfonie erneut auf die Bühne und stimmten In my life an, wobei sich Bostridge flott zu ihnen gesellte. Ein angenehmes und überraschendes Finale dieses Konzerts und des Klarafestival.


  • WAS: Goodbye, Hello. Abschlusskonzert des Klarafestival mit Musik von John Tavener (1944-2013), Benjamin Britten (1913-1976), Joseph Haydn (1732-1809)
  • WER: Aurora Orchestra, Ian Bostridge, Nicolas Altstaedt, Sulaiman Addonia, Jonathan Coe und Ali Smith
  • WO: Henry Leboeufzaal, BOZAR, Brüssel
  • WANN: Freitag 29. März 2019
  • FOTO: © Alexandra Bertels
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