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Rezensionen

Familienaufführung 'Romeo en Juul'

V
· 4 Min. Lesezeit
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Familienaufführung 'Romeo en Juul'
© Romeo and Juul CGB

In den Fluren von DeSingel ist es an diesem winterlichen Sonntag besonders lebhaft, laut, voller Leben und voller Erwartung: Was werden wir zu hören und zu sehen bekommen?

Die Bereitschaft, an die Illusion zu glauben. Der Saal füllt sich. Die sanfte, etwas diffuse Beleuchtung ist warm und einladend. Auf dem Programm steht eine jahrhundertealte Geschichte, Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia". Liebe ist ein universelles Thema, das hier noch weiter geöffnet und interpretiert wird. Die Erzählung von „Romeo und Julia" verbindet nicht nur zwei verfeindete Familien, sondern auch hier ein Mädchen mit dunkler Hautfarbe und einen Jungen mit heller Hautfarbe. Ich bin von meiner achtjährigen Enkelin verzaubert. Vor der Aufführung stellt sie mir die Frage: „Oma, weißt du, worum es geht? Nun, es sind zwei Feinde und doch lieben sie sich!" Romeo und Julia in a nutshell. Das kleine Mädchen hatte ihre Hausaufgaben gemacht.

Inszenierung

Auf der Bühne steht côté jardin ein hohes Gerüst mit zwei Etagen. „Romeo und Julia" kann nicht ohne eine Balkonszene auskommen. Die Musiker erscheinen leger gekleidet. Es ist auch eine Umstellung, wenn man den Dirigenten seinen Platz in Jeans, Hoodie und Sneakers einnehmen sieht. Komfortabel und erkennbar für das junge Publikum.

Für einen Moment schweift mein Gedanke zu „West Side Story" ab. Das Orchester spielt mit Präzision und Transparenz. Jelle Stassyns, der für die Musik sorgte, vermischte klassische Kompositionen mit erkennbaren Melodien von unter anderem K3, Adamo und arabischen Rhythmen, auf die Romeo einen traditionellen Tanz mit energischen Arm- und Fußbewegungen, schwingenden Hüften und schnellen Drehungen aufführt. Dann erscheint auch Julia auf der Bühne. Gedankenverloren stoßen sie aufeinander.

Schauspielerin/Sängerin Sinay Bavurhe ist eine hinreißende Erscheinung mit einer einzigartigen Stimme und großem natürlichem Talent. Mit ihren Gesangsfähigkeiten und ungezwungener Spielweise gewinnt sie das Publikum sofort für sich. Das Orchester bewegt sich buchstäblich als Teil der Szenografie mit. Die Blechbläser spielen kräftige Motive. Das melodische Material ist dann wieder mehr für die Streicher. Bläser und Streicher manifestieren sich als die verfeindeten Familien. Romeo ist ein Montague, während Julia eine Capulet ist. Die beiden lernen sich kennen. Romeo, der auf dem Markt Obst verkaufen muss, möchte gerne Schriftsteller werden. Sie finden in einander einen Seelenverwandten. Der erbitterte Streit zwischen ihren Familien ist nichts für sie. Julia verrät, dass sie von ihren Freundinnen Juul genannt wird. Sie träumen von einem sorgenfreien Leben auf einer fernen Insel.

Geschickt ist es, wenn sich die Bläser und Streicher auf der Vorbühne einander gegenüber positionieren. Sie setzen die Kapuzen ihrer Hoodies auf und treten sich drohend entgegen. Beide Protagonisten laufen dazwischen verloren und suchen sich. Kurz darauf zeigt Romeo sein Talent als Rapper. Er pocht auf Brüderschaft zwischen den Völkern, ein entscheidendes Element für eine friedliche und harmonische Gesellschaft. Er hat Juul inzwischen verraten, dass er eigentlich nicht Romeo, sondern Romi heißt.

Die Musik ist fragmentarisch und aphoristisch in ihrem Charakter. Mit den ständigen Verschiebungen der Musiker ist es für den Dirigenten eine echte Herausforderung, alles in geordnete Bahnen zu lenken. Die Streicher stellen sich später in Grüppcen zusammen, mit den Köpfen zueinander gewandt. Sie tratschen munter los. Inzwischen ist die Atmosphäre angespannt. Die Bedrohung erhält zusätzliche Kraft durch die Klänge eines Euphoniums und einer Zugtrompete. Juul und Romi fliehen auf den Balkon. Müssen sich verstecken. Sehr schön ist das Solo einer Klarinette. Bootsflüchtlinge sind in diesem Zeitsegment sehr präsent. Romi und Juul hissen die Segel sehr hoch auf dem Turm und segeln zu ihrer Trauminsel. Hier kein trauriges Ende, sondern die Hoffnung auf ein schönes Leben ohne Hass und Rassendiskriminierung. Eine friedvolle Zukunft atmet Musik.

Teamwork

Dirigent Txemi Etxebarria kommunizierte auf subtile Weise mit den Musikern und verstand es, sowohl Euphorie als auch Energie und Intimität zu erzeugen. Für die Musiker eine Tour de Force, um sowohl zu schauspielern als auch zu spielen.

„Romeo en Juul", eine frische, würzige, herzerwärmende und fantasievolle Aufführung, die Jung und Alt in ihren Bann zog. Ein mehrschichtiges Werk über Verwirrung, Angst und Liebe. Aber in dieser Aufführung stecken auch Trittsteine zu einem Bewusstsein, zur Reflexion und Verbindung, ein Plädoyer für sozialen Zusammenhalt. Ein Moment der Besinnung auch für das, was in der Welt geschieht. Sowohl visuell als auch auditiv aphoristische Stücke eines Mosaiks erfinderisch zusammengefügt mit reichlich Applaus als Belohnung.

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Details

Wer
Symfonieorkest Vlaanderen ism Concertgebouw Brugge en LOD Muziektheater - Dirigent: Txemi Etxebarria - Juul: Sinay Bavurhe - Romeo: Armion Mola - Tekst: Winny Ang - Regie: Joris Nassenstein - Muziek: Jelle Tassyns
Wo
DeSIngel, Antwerpen
Gesehen am
4 Januar 2026
Bildnachweis
Romeo and Juul CGB
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