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Rezensionen

Enigma in der Gentser Bijloke

W
· 4 Min. Lesezeit
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Enigma in der Gentser Bijloke

Unter dem Titel Enigma eröffnet das Symfonieorkest Vlaanderen seine Konzertsaison. Auf dem Programm stehen die Enigma-Variationen von Elgar, das Violinkonzert von Carl Nielsen, und als Auftakt die Suite für Streicher des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten Michael Fine. Fine machte sich als Produzent und Berater vieler Orchester einen Namen und begann erst in späteren Jahren zu komponieren. Michael Fine lässt sich vor allem von der Natur und Naturgeräuschen inspirieren. Das führt zu einer gelassenen, tonalen, meditativen Musik, zumindest wenn man sein Werk mit viel zeitgenössischer klassischer Musik vergleicht. Die Tiefe liegt in der Einfachheit und der Stille, vielleicht eine Erleichterung für viele Konzertbesucher, die mit den für sie oft fremden Klängen der zeitgenössischen Musik nicht vertraut sind.

Die junge bulgarische Geigerin Liya Petrova gewann zahlreiche Preise, darunter den ersten Preis beim Carl Nielsen-Wettbewerb 2016 in Kopenhagen. Seitdem macht sie eine schöne internationale Karriere, spielt das Konzert oft in ihrem vollen Terminkalender und nahm es auch auf, zusammen mit der Dirigentin Kristiina Poska, Generalmusikdirektorin des Symfonieorkest Vlaanderen.

Smartphone

Das Violinkonzert des dänischen Komponisten Carl Nielsen aus dem Jahr 1911 hat es nie in das Standardkonzertrepertoire der Violinkonzerte geschafft. Nielsen schrieb es als Geschenk für einen Freund. Er wendet die ganze Palette virtuoser Tricks an, wie er sie in Violinkonzerten von Paganini bis Sibelius fand. Carl Nielsen hat sich als Komponist verdient gemacht und wird in Dänemark als Nationalheld verehrt. Mit einem guten Gleichgewicht zwischen Virtuosität, lyrischen Passagen und einem heiteren Finale drückt es wohl eine dänische Sachlichkeit aus. Skandinavisch ohne die tiefe Melancholie von Sibelius oder das norwegische Temperament von Grieg. Mit Bravour, Schwung und dem wunderschönen Klang ihrer Bergonzi verführt Liya Petrova das Publikum.

Diejenigen, die mehr über Liya Petrova erfahren möchten, werden das im Programm nicht lesen. Dort befindet sich ein QR-Code, mit dem man sich mit dem Smartphone Erklärungen über die Werke und die Solistin herunterladen kann. Es lebe der Fortschritt, es lebe der Kampf gegen Papierverschwendung, es lebe das Smartphone ... Dennoch ist es ein Mangel gegenüber denjenigen ohne Smartphone oder mit leerer Batterie. Eigentlich eine Schande, dass ein so prestigeträchtiger Konzertsaal wie die Bijloke sich nicht die Mühe macht, ein handliches Programmheft anzubieten, wie das bis zur letzten Saison der Fall war.

Enigma

Nach der Suite von Fine und dem Violinkonzert von Nielsen folgt nach der Pause ein Stück, das die meisten Konzertbesucher kennen, zumindest von seinem bekanntesten Teil, der langsamen Nimrod-Variation. Überbekannt, aber dennoch immer wieder ergreifend. Mit seiner melodischen Erfindungsgabe ist Elgar ein Genie. Elgar stand mit dem Rücken zur Zukunft, komponierte sehr traditionell, aber er packt den Hörer immer mit seinem unvergleichlichen spätromantischen Stil. Manchmal wird Elgar zu erhaben gespielt, besonders die bekannte Nimrod-Variation. Das Symfonieorkest Vlaanderen geht es dagegen sachlich an. Immer hervorragendes Zusammenspiel, obwohl die Streicher manchmal von einer Handvoll frecher Herren aus der Bläsersektion überlagert werden.

Im Nachhinein passen Nielsen und Elgar gut zusammen. Beide tragen einen melancholischen Unterton in sich, eine Art Sehnen, die bereits im ersten Takt der Enigma-Variationen erklingt. Beide Werke werden selten zusammen in einem Konzertprogramm zu hören sein, aber es gibt noch eine andere, merkwürdige Übereinstimmung, die mir aufgefallen ist, als ich das Nielsen-Konzert vorher anhörte. Im ersten Teil (in Takt 44) kommt das gleiche Motiv vor wie im ersten Takt von Elgars Enigma-Variationen, und es wird mehrmals wiederholt. Wie vielen Hörern würde das aufgefallen sein, frage ich mich während des Schlussapplauses. Würde Nielsen damit bewusst auf das berühmte Stück von Elgar verweisen wollen. Wollte er seine Bewunderung für Elgar zeigen? Vielleicht war das das Rätsel dieses Konzerts...

WER: Liya Petrova & Symfonieorkest Vlaanderen

MUSIK: Michael Fine (Suite für Streicher), Carl Nielsen (Violinkonzert, opus 33), Edward Elgar (Enigma-Variationen, opus 36)

WO: Concertzaal, De Bijloke

WANN: Sa 15 Oktober 20:00 - 22:00

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