*** Mit den Balletten Romeo und Julia (1935-'36) und Cinderella (1940-'44) schnappte sich der russische Komponist Sergei Prokofiev (1891-1953) seinen Teil von der unter les Ballets Russes (Sergei Djagilev) wiedergeborenen Ballettradition zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Brussels Philharmonic u.L.v. Stéphane Denève bringt mit der CD Romantic Suites eine eigenwillige, aber solide Aufführung auf den Markt, obwohl sie meines Erachtens gerne etwas mehr Prokofiev sein dürfte!
Nach einem gescheiterten Aufenthalt in den Vereinigten Staaten (1918-1920) ließ sich Prokofiev in Paris nieder (1920-1936), woraufhin er von Stalin - mit dem er sein Sterbedatum teilt - doch zurück nach Russland gelockt wurde. Dort schrieb er die Ballette Romeo und Julia und Cinderella. Die Musik der Ballette wurde vom Komponisten selbst noch zu 3 Suiten bearbeitet (Romeo und Julia: Opus 64Bis, 64ter und 101; Cinderella: Opus 107, 108 und 109) mit unterschiedlichem Inhalt. Stéphane Denève stellte anhand der 3 Suiten für jedes Ballett eine eigene Romantische Suite zusammen. Diese zwei Suiten wurden nun von Deutsche Grammophon herausgegeben.
Denève lässt die narrative Erzählung über den musikalischen Inhalt dominieren. Und genau deshalb wird diese Aufführung schnell langweilig und bleibt nicht genug in Erinnerung. Mit der Klangqualität stimmt hingegen nichts: die Streichersätze sind besonders ausgeglichen und auch Holz und Blech klingen sehr ausgewogen und balanciert. Die Aufführung klingt solide, poliert und makellos, aber dadurch auch ein wenig flach. Äußerst viel Aufmerksamkeit wurde der programmatischen Komponente von Prokofievs Balletten gewidmet, viel weniger der Eigenheit des Komponisten selbst.
Das Ganze hat Schwierigkeiten mit der ästhetik des 20. Jahrhunderts von Prokofiev (obwohl der Komponist nicht wirklich als Erneuerer dokumentiert ist) und wirkt eher wie romantische Programmmusik. Selbst der dissonante Anfang von Romeo und Julia vermisst zerrüttende Spannung, Geladenheit und Nervosität. Die Musik plätschert dahin, anstatt zu strömen. Es ist alles etwas zu viel "Peter und der Wolf", etwas zu wenig "Skythische Suite". Etwas zu viel "französische" Stilisiertheit (Berlioz), etwas zu wenig "russische" Qual (Rimsky Korsakov).
Mit dieser CD hast du sicherlich Solidität in den Händen … aber keinen authentischen Prokofiev.
- WER: Brussels Philharmonic u.L.v. Stéphane Denève
- WAS: Romantic Suites von Prokofiev, eigenwillige Zusammenstellung von Romeo und Julia und Cinderella
- AUSGABE: Deutsche Grammophon, Nr. 481 654-8
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