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Belcanto in Brugge

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· 4 Min. Lesezeit
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Belcanto in Brugge

Belcanto in Brugge, das stellte sich als Anima Eterna Brugge heraus, diesmal unter der Leitung von Giovanni Antonini, einem der vier Dirigenten. Aber dennoch hörten wir auch kurz den Gründer und Inspirator Jos Van Immerseel am Pianoforte. Das konnte kaum anders sein. Die Auswahl von Belcanto-Arien stammte von Mozart, Rossini und Schubert, gesungen von der jungen russischen Sopranistin Julia Lezhneva.

"Natürlich kannten wir die Geschichten über Menschen, die morgens in einem anderen Körper aufwachten. Aber das war nicht das, was wir empfanden."

Das steht auf der Rückseite des Stuhls vor mir in der Brügger Concertgebouw. Es ist ein Fragment von „Op een dag", das durchgehende Themagedicht von Peter Verhelst auf allen Sitzplätzen des Saals. Was ich auf jeden Fall empfand, als ich tags darauf diesen Bericht begann, war ein Gefühl der Zufriedenheit. Es war lange her, dass ich Anima Eterna Brugge noch gehört hatte, aber das Orchester klang perfekt. Es stimmte so perfekt mit dem überein, was die erste Cellistin des Orchesters auf die Frage des Klara-Moderators des Abends Olav Grondelaers antwortet: „Wie ist es, mit dieser Stimme der Sopranistin Julia Lezhneva zu spielen?" Die Antwort: „Wir singen mit unserem Instrument, der Atem ist unser Bogen."

Es war ein Belcanto-Programm, mit nur einem Italiener, Gioachino Rossini. Wie kann das sein? Kein Verdi oder Puccini, aber dafür die Österreicher Mozart, Haydn und Schubert. Aber ja, das geht. Die Wiener waren verrückt nach italienischer Oper, sie nannten Rossini dort il Tedeschino, der kleine Deutsche. Und war die Grundlage für das „schöne Singen", das Belcanto, nicht von Mozart gegeben? Und scheinen die ersten Takte der Ouvertüre aus Il barbieri di Siviglia nicht zunächst wie Mozart, bevor das echte Rossini-Crescendo anschwillt? Damit war der Anfang gemacht.

© Roger Creyf

Dass wir Belcanto hörten, überzeugte uns Sopranistin Julia Lezhneva sofort mit einer Mozart-Arie, „Voi avete un cor fedele." Pur Mozart: „Du hast ein treues Herz, aber wird es so bleiben?" Aber Zweifel an den Fähigkeiten der Sopranistin Lezhneva sind nicht nötig, diese hohen Noten flossen einfach aus ihr heraus. Und es gab noch eine Konzertarie von Mozart, mit auch Gründer von Anima Eterna Brugge Jos Van Immerseel an seinem geliebten Pianoforte. Und eine Arie aus Cosi fan tutte durfte natürlich nicht fehlen. Es sah so aus, als ob Dirigent Giovanni Antonini in seinem Dirigieren mitkam, so ausdrucksvoll und bildhaft tat er das. Und besonders in diesem „Allegro moderato" aus Schuberts „Unvollendete". Wunderbar spielte dieses Orchester, von den Bläsern bis zu den Streichern, kraftvoll wo nötig, verhalten wenn erforderlich. Mehr als geschickt!

Nicht bange vor Höhen und Tiefen bei Rossini und den schnellen Trillern sang Lezhneva abschließend noch eine Arie aus La donna del Lago. Das Publikum applaudierte natürlich um eine Zugabe. Das wurde Mozart. Während die Streicher auf ihren Geigen zupften, sang Julia Lezhneva noch dieses schöne „Voi che sapete", aus Le Nozze di Figaro, „Du, der du weißt, was Liebe ist…"

Was ich auf jeden Fall weiß, ist, dass sich Anima Eterna Brugge unter der Leitung von Dirigent Giovanni Antonini selbst übertroffen hat.

WAS: An der Wiege des Belcanto!

WER: Julia Lezhneva [Sopran], Anima Eterna u.L.v. Giovanni Antonini, Jos Van Immerseel [Pianoforte], Marjan de Haer [Harfe]

REPERTOIRE:


  • Gioachino Rossini, Ouvertüre von Il Barbieri di Siviglia; „Assisa ai piè di un salice" aus Otello; „Tanti affeti in tal momento" aus La donna del Lago;
  • Wolfgang Amadeus Mozart, Voi avete un cor (KV217); Ch'io mi scordi di te (KV505); „E parte…per pietà, ben mio" (aus Cosi fan tutti).
  • Franz Joseph Haydn, Ouvertüre aus L'isola disabitata.
  • Franz Schubert, „Allegro moderato" aus Symphonie Nr.7, „Unvollendete"; Ouvertüre „Im italienische Stile".

WO: Concertgebouw Brugge

WANN: Samstag, 14. Januar 2023

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