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Rezensionen

Attila erobert die Scala von Mailand

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· 4 Min. Lesezeit
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Attila erobert die Scala von Mailand

Diesmal keine Oper, die in der Scala von Milaan geschaffen wurde, um die neue Saison des berühmten italienischen Opernhauses zu eröffnen. "Attila", Verdis neunte Oper, hatte ihre Uraufführung nämlich im März 1846 im Teatro La Fenice von Venedig.

Aber im Dezember 1846 stand "Attila" auch bereits in Mailand auf dem Spielplan und zwar mit einer zusätzlich für den Tenor Napoleone Moriani komponierten Romanze "Oh dolore! Ed io vivea". Es ist diese Version, die nun auch in "Attila" zu hören war, einer Oper, die seit 2011 nicht mehr in der Scala aufgeführt worden war und die nun die Saison 2018-19 einleitete.

Es ist klar, dass Riccardo Chailly, der Musikdirektor der Scala, diese Oper des jungen Verdi liebt und alles daran setzte, um die Partitur voll zur Geltung zu bringen. Die Koordination zwischen Orchester und Bühne war ausgezeichnet, die rhythmische Kontrolle meisterhaft. Das Orchester war farbig und die Dynamik war gut. Das Vorspiel malte in einem langsamen Pianissimo der Streicher die Verlassenheit des von den Hunnen zerstörten Landes. Melancholie wechselte mit Temperament sowohl der Eroberer als auch der Unterdrückten ab. Vielleicht hätte Chailly den Cabalettas und Strettas ab und zu etwas mehr Schwung geben können, aber er wollte eindeutig jede mögliche Vulgarität vermeiden und Verdis melodische Inspiration schön bis hin zu den großen "Concertati", die die Akte abschlossen, aufblühen lassen. Der ausgezeichnete Chor der Scala leistete dabei vortreffliche Arbeit.

Ildar Abdrazakov verlieh Attila Präsenz, bedrohlich und grausam als herrschender Eroberer, unsicher und verwundbar nach seinem verstörenden Traum und der Konfrontation mit Leone und etwas frustrierter Liebhaber bei seinen Versuchen, Odabella für sich zu gewinnen. Er setzte seinen umfangreichen, schöntimbrierten Bass mit großer Überzeugungskraft und subtilen Nuancen ein und dominierte spielend die Aufführung. Als der römische General Ezio, der bereit ist, Attila die Welt erobern zu lassen, wenn er nur Italien behalten kann, ließ George Petean seinen warmen Bariton mühelos in einer gut beherrschten ausdrucksstarken Gesangsinterpretation fließen. Auch Tenor Fabio Sartori ließ als Foresto stilvollen Gesang hören mit einem schönen Verdi-Legato und konnte so seine wenig überzeugend szenische Darstellung etwas vergessen machen. Saioa Hernandez setzte eine kampflüstige, auf Rache bedachte Odabella in Szene und beherrschte die mörderische Sopranpartie vorbildlich mit ihrem homogenen, dunkel gefärbten, kraftvollen Sopran. Die "Coloratura drammatica" könnte noch präziser sein und es gibt Platz für mehr Nuancen, aber ihre Leistung war besonders überzeugend. Saioa Hernandez ist definitiv ein Name, den man sich merken sollte. Gute Leistungen in den kleineren Rollen von Gianluca Buratto (Leone) und Francesco Pittari (Uldino).

Die Inszenierung wurde Davide Livermore anvertraut, der in Zusammenarbeit mit Gio Forma (Bühnenbild), Gianluca Falaschi (Kostüme), Antonio Castro (Licht) und D-Wok (Video) die Handlung in das Italien der Zeit des Zweiten Weltkriegs verlegte, wobei die Hunnen als Faschisten und die Bewohner von Aquileia als Mitglieder des Widerstands fungieren. Projektionen und Videoaufnahmen (mehrfach mit Referenzen zu italienischen Filmen) zeigen Verwüstung und vorhergehende Ereignisse wie die Ermordung von Odabellas Vater, deren Zeuge sie als junges Mädchen wird und die ihre Handlungen bestimmen wird. Eine andere wichtige Illustration kommt in Attilas Traum vor, wenn das Raffael-Fresko aus dem Vatikan, das das Treffen zwischen Attila und Papst Leo dem Großen darstellt, zum Leben erwacht, Pferd inbegriffen. Während es am Anfang der Oper tüchtig hin und her schoss, boten die folgenden Szenen vor allem ruhige Konfrontationen der Protagonisten gegen eine bewegte Ruinenkulisse. Visuelle Überfülle kam dann wieder in den letzten Szenen zum Einsatz, die in Sälen eines zerstörten Palastes angesiedelt sind, mit einer dekadenten Gesellschaft aller Art, wobei Attila anscheinend als Gastgeber fungiert, aber letztendlich von Odabella erstochen wird. Eine letzte Projektion erinnerte uns daran, dass sie ihren ermordeten Vater gerächt hatte!


  • WAS: Attila von Giuseppe Verdi
  • WO: Scala von Milaan, Dezember 2018
  • WER: Riccardo Chailly, Ildar Abdrazakov, George Petean, Fabio Sartori, Saioa Hernandez, Gianluca Buratto, Francesco Pittari, Davide Livermore, Gio Forma, Gianluca Falaschi, Antonio Castro
  • FOTOS: © photo Brescia e Amisano, Teatro alla Scala 2018


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