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Alles wieder gut: Mahler und Jörg Widmann im Klarafestival 2018

G
· 3 Min. Lesezeit
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Alles wieder gut: Mahler und Jörg Widmann im Klarafestival 2018

Jörg Widmann hat eine solide Verbindung zu BOZAR: als Klarinettist von Weltklasse, als Dirigent und vor allem als Komponist. In der letzten Saison war er als Solist und als Kammermusiker in Werken von Mozart und Schumann sowie mit eigenen Kompositionen zu hören.

In diesem Jahr standen im Klarafestival in BOZAR zwei Symphoniewerke von ihm auf dem Programm. Eines davon war die belgische Uraufführung seines Altviolakonzerts, geschrieben für seinen Freund und Mitmusiker Antoine Tamestit, der zusammen mit Tabea Zimmermann an der Spitze der Altviolawelt steht. Es war ein Auftragswerk des Orchestre de Paris (zusammen mit dem Schwedischen Radiosymphonieorchester und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks).

Jörg Widmann hat sich ernsthaft auf die Verwendung eines ungeheuer umfangreichen Instrumentariums eingelassen, das auffallend eigenständig auf der Bühne angeordnet war: die ausgedünnte Streichergruppe zentral, mit konzentrischen Kreisen um sie herum die Holzbläser und Blechbläser, Harfen, Celesta, Klavier und eine Vielzahl von Schlagzeug, das gleichsam eine Einfriedigung bildete, in der drei leere Plätze den Spielplatz und den Parcours für den Solisten bildeten.

Manövrierend und gestikulierend durch das Orchester ging Tamestit seinen eigenen Dialog mit dem Orchester ein: herausfordernd, beißend und auch humorvoll. Aber vor allem virtuos, wie in der minutenlangen Einleitung, in der er irgendwo aus dem Orchester hervortritt und zunächst nur klopfend und pizzicato sein Instrument spielt. Manchmal auch sehr heftig, sogar einmal zu heftig, wenn eine Saite reißt und Tamestit kurz hinter die Bühne gehen muss! Dies gehörte diesmal nicht zur Show. Gegen Ende wirkt es etwas „klassischer": die melancholische Seele der Altviola tritt nach vorne und verglimmt schließlich ganz. Das Publikum, das wegen Mahler kam, hörte – und sah – etwas befangen einer großartigen Leistung in einem Werk zu, das von Ironie und Parodie ausging und in Intensität und Ergebung überging.

Ergebung ist auch der Endpunkt von Mahlers Neunter. Der letzte Satz ist ein Adagio, in dem Mahler am Schluss ein Fragment aus seinen Kindertotenlieder zitiert: „Der Tag ist schön auf jener Höhn". Losgelöst aus seinem Kontext wirkt es idyllisch. Innerhalb des Kontextes (die Sonne bricht durch in dem Moment der Beerdigung…) zeichnet es die Katharsis, während die Traurigkeit noch intensiv durchlebt wird. Wie übrigens auch im Motto des Klarafestivals: „Alles wieder gut" aus den „Liedern eines fahrenden Gesellen".

Daniel Harding und sein Orchestre de Paris gaben eine sehr klare Interpretation von Mahlers Neunter. Während andere sich vor allem dazu verleiten lassen, die gequälten Ausbrüche zu akzentuieren, hatte Harding mehr Sinn für eine scharfe Zeichnung der kontrapunktischen Linien und der fugischen Verarbeitung (der dritte Satz Rondo-burleske) und vor allem für die Stille, in der jeder Teil dieser Symphonie endet: nicht als süßliches Verglimmen nach orgiastischer Gewalt, sondern als Beherrschung intensiver Trauer. Daniel Harding scheint mir einer der interessantesten Dirigenten seiner Generation zu sein: nicht auf der Suche nach Pathos, kein Macho, keine Extreme. Aber das Innere. Alles wieder gut.


  • WAS: Klarafestival: Mahler 9 & Jörg Widmann
  • WER: Antoine Tamestit, Altviola; Orchestre de Paris; Dirigent: Daniel Harding
  • WANN: 15. März 2018
  • WO: BOZAR
  • FOTO: © William Beaucardet
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