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Tragödie mit einer Botschaft des Friedens

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· 5 Min. Lesezeit
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Tragödie mit einer Botschaft des Friedens

Mit einer neuen Produktion von I lombardi alla prima crociata stellt die ORW uns eine selten aufgeführte Oper von Giuseppe Verdi vor. Eine fesselnde Gelegenheit, das Werk zu entdecken.

Verdi konnte sich auf den überwältigenden Erfolg stützen, den ihm Nabucco gebracht hatte, und erhielt sofort einen neuen Auftrag von der Scala in Mailand. Temistocle Solera – sozusagen als der Librettist der „patriotischen" Opern Verdis betrachtet – wählte I Lombardi alla prima crociata, entlehnt dem romantischen Dichter Tomaso Grossi, Zeitgenosse und Freund des bekannteren Autors Alessandro Manzoni. (I promessi sposi). Er gab jedem Akt einen passenden Titel.

Private Intrige im politischen Kontext

Die Intrige dreht sich um zwei Brüder, Arvino und Pagano, die beide dieselbe Frau lieben. Viclinda heiratet Arvino. Pagano wird verbannt als Strafe für einen Mordversuch auf seinen Bruder. Auch der Vater der beiden Brüder ist Opfer von Hass und Rache. Diese Vorgeschichte, erzählt im ersten Akt, gab Verdi den Titel: „La vendetta". Die Oper spielt sich dann in Antiochia, in der Nähe Jerusalems ab. Die Tochter von Arvino und Viclinda, Giselda, ist in einen Harem der Sarazenen geraten und ist unsterblich verliebt in Oronte geworden. Pagano lebt dort in einer benachbarten Wüste als Eremit („L"uomo della caverna"), um für seine Verbrechen zu büßen. Die Lombarden, angeführt von Arvino, nähern sich als Kreuzfahrer. Oronte wird verwundet und Arvino verflucht seine Tochter. Pagano tauft Oronte, der als Christ stirbt. („La conversione"). Im letzten Akt (Il santo sepolcro) gibt es kein Trinkwasser mehr. Giselda hat eine Vision, in der Oronte zeigt, wo sie Wasser finden können. Die Kreuzfahrer nehmen den Kampf wieder auf und greifen Jerusalem an. Pagano wird tödlich verwundet. Arvino gewährt ihm Vergebung. Während die Kreuzfahrer im Triumph in Jerusalem einziehen, stirbt Pagano.

Typisch für Verdi bilden die pseudo-historischen Szenen den Rahmen für eine zerrüttende Familiengeschichte. Es ist Verdis vierte Oper und die epische Dimension liefert ergreifende musikalische Szenen und herrliche Chorfragmente. Nach dem Erfolg des berühmten Chores Va Pensiero aus Nabucco wurde im Kontext des Risorgimento erneut die Hoffnung auf ein vereintes Italien genährt. Verdi traf in der Tat erneut eine empfindliche vaterländische Saite, denn die Italiener identifizierten sich mit den Kreuzfahrern, die von den Sarazenen – in ihrem Fall den Österreichern – befreit werden sollten.

Schlichtes Bühnenbild dient der individuellen Spannung

Regisseurin Sarah Schinasi entscheidet sich für eine schlichte Inszenierung, bei der sie die Bühnendekoration bewusst zeitlos hält. Sie besteht aus geometrischen grauen Flächen, die je nach notwendigem Raum übereinander verschieben. Die klassischen Bögen im ersten Akt deuten eine antike Tragödie an. Die großen Chorpassagen spielen sich als beeindruckender griechischer Chor ab. Das Zimmer Giselda ist wie ein eingeschobener privater Raum, die Grotte des Eremiten Pagano ein Felsvorschlag. Der flache Raum gibt den Szenen eine konstante Einheit, wobei die Charaktere absoluten Fokus erhalten. Die Kostüme in der Aufführung beziehen sich auf die Zeit, in der sich die Geschichte abspielt, mit Schleiern und Turbanen. Die Requisiten sind ziemlich einfach und manchmal an der Grenze zum Cartoonhaften, wie die Krummschwerte, mit denen die Sarazenen kämpfen. Auch die kleine Säule, auf der Giselda am Ende des zweiten Aktes ihre allerdings sehr schöne Arie No!No! giusta causa non è d'Iddio singt, wirkt etwas simpel. Sie entspricht der Idee der Regisseurin, dass Giselda eine Botschaft der Einheit und des Friedens bringt: „comme une figure mythologique de grande prêtresse" (Zitat aus dem Programmheft) und als Individuum politische Grenzen durchbricht.

Die Kreuzfahrer werden nicht als Helden dargestellt, sondern als Charaktere mit menschlichen Schwächen. In der comichaften Schlichtheit der Szenen liegt der Fokus in den ersten Szenen auf der Spannung zwischen den Brüdern Pagano und Arvino mit dem tragischen Mord am Vater. Durch die Leere spürt man die Angst Giselda in der fremden Umgebung bei den Sarazenen. Ihr graduelles Vertrauen in Oronte wird glaubhaft dargestellt und ihr langes Duett der Annäherung und Liebeserklärung ist daher einer der ergreifendsten Momente der Aufführung. Die vokalen Leistungen von Salome Jicia und Ramón Vargas tragen dazu natürlich wesentlich bei.

Ergreifende musikalische Szenen

Bereits bei ihrer Eröffnungsarie Salve Maria zeigte sich sofort, dass Salome Jicia als authentische Belcanto-Sängerin über die reine Stimme und das perfekte Legato für diese Partie verfügt, womit Verdi noch sehr nah am typischen Belcanto-Stil bleibt und gleichzeitig dramatische Kraft von seiner Protagonistin verlangt. Das lange Duett mit Oronte beweist, dass strahlende Koloraturen für sie kein Problem darstellen und dass sie gleichzeitig dramatische Spannung in ihre Stimme legt. In der Schlussarie mit der wahnsinnigen Vision dehnt sie ihre Stimme bis zu extrem hohen Noten, die sie fehlerfrei hält. Eine glänzende Interpretation. Ramon Vargas ist ein würdiger Partner, der mit strahlender Stimme seine Liebe verteidigt, aber die wechselnden Emotionen mit weniger stimmlicher Nuance zum Ausdruck bringt und etwas Zärtlichkeit und Poesie vermissen lässt. Auch die anderen Darsteller sind gut besetzt, mit Matteo Roma als leichtere Tenor-Stimme als Arvino und Goderdzi Janelidze als entschlossener Pagano. Der große Anteil des Chors ist ausgezeichnet ausgeführt. Der gute Auftritt des Orchesters verdient besondere Erwähnung. Es ist offensichtlich, dass Daniel Oren sich als überzeugter Befürworter dieser frühen Verdi-Oper erweist. Er treibt das Orchester mit Mimik und Gestik zu ununterbrochener Aufmerksamkeit und Engagement an und mit Erfolg! Doch er gibt auch Raum für lyrische Passagen der Streicher und Poesie von Flöte, Harfe und Klarinette im Liebesduo. Das Violinsolo im dritten Szenario ist wie ein Miniatur-Violinkonzert und unterstreicht die Traurigkeit des Todes des geliebten Oronte. Oren forderte zu Recht den Violinisten zu Applaus auf der Bühne auf. Eine Aufführung, die die Gelegenheit bietet, diese kaum bekannte Oper zu würdigen.

WAS:Giuseppe Verdi I Lombardi alla prima Crociata
Wer:Daniel Oren, Dirigent Sarah Schinasi, Regie Mit: Salome Jicia, Ramon Vargas, Matteo Roma, Goderdzi Janelidze
Wo: Opéra Royal de Liège
Wann:

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