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Rezensionen

Monumentales Werk in grandioser Aufführung

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· 3 Min. Lesezeit
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Monumentales Werk in grandioser Aufführung

Hector Berlioz' selten aufgeführtes Requiem passt selbstverständlich in die Erinnerung an den 150. Jahrestag des Todes des Komponisten aus der französischen Romantik. Um es vollständig zu genießen, ist eine Aufführung mit einem ausgezeichneten Orchester wie dem Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam eine absolute Voraussetzung. Darüber hinaus ist ein riesiger Chor erforderlich, und auch diese Voraussetzung wurde mit Qualität erfüllt: der Groot Omroepkoor wurde mit dem Chor der Accademia Nazionale di Santa Cecilia ergänzt. Mit Dirigent Antonio Pappano ist die Anforderung an hochwertige Qualität auch sofort erfüllt.

Berlioz komponierte seine Totenmesse 1837 im Auftrag des französischen Ministers Adrien Gasparin als Erinnerung an die Opfer der Julirevolution von 1830. Berlioz komponiert das Werk in sehr kurzer Zeit für eine riesige Besetzung mit unter anderem vier Fanfaren. Bei der Aufführung im Concertgebouw hat Antonio Pappano beschlossen, diese enorme Blechbläserbesetzung über den Saal zu verteilen: es sind folglich Posaunen, Trompeten und Tuba sowohl von oben auf der Treppe zu hören, die im Concertgebouw vom Podium nach oben führt, als auch von den Seitenbalkonen. Es gibt einen geschickten räumlichen und vor allem überwältigenden Klang. Auch die zehn Pauker und die große Trommel sorgen für großartige Effekte. Der Dies Irae-Teil wird so buchstäblich zu einem apokalyptischen Szenario. Diesen Dies Irae beginnen auch ausschließlich tiefe Streicher (Celli und Kontrabässe), die ohnehin schon für einen schaurigen Abschnitt sorgen. Die Verse in Quantus terror ist futurus erhalten einen Staccato-Rhythmus, der in einem gehetzten Crescendo zu einem Höhepunkt getrieben wird.

Wörtliche Erfüllung

Das Jüngste Gericht wird überwältigend und angsteinflößend in Klang gesetzt. Wenn dann bei Tuba mirum die zusätzlichen Blechbläser vom Balkon erklingen, erhalten die Worte aus dem Requiemtext „die Trompete einen eigenartigen Schall verbreitend" eine wirklich wörtliche Erfüllung! Das Heer von Pauken und die große Trommel verstärken die beklemmende Atmosphäre beim überwältigenden Männerchor, der dann plötzlich angemessen zur Gehaltenheit verstummt bei den Versen Mors stupebit („Tod und Leben werden verstummen"), wobei dann auch der Frauenchor einfällt. Es ist nur ein Beispiel für einen Abschnitt, wie das ganze Requiem in dieser Aufführung voller Bedeutungsebenen gespielt wird. Dramatik beherrscht selbstverständlich. Und diese ist manchmal auch in einem einzigen Wort zu hören. Wie in der Art, wie der Männerchor „Rex" (in Rex tremendae majestatis) als ein gedehntes apokalyptisches Schreckenswort singt. Aber wo es angebracht ist, gibt es auch Ruhe (Ergebung?) (Quid sum miser) oder Platz für echten Glauben bei der Eröffnung des Offertorium und besonders bei der resignierten Amen am Abschluss des Agnus Dei. Der Solist hat eine begrenzte Rolle, nämlich nur im Sanctus. Tenor Javier Camarena war eine klare, schöne Stimme mit hohem Timbre, schön mit den Violinen und Querflöten dialogierend. In ihrer melodischen Schönheit nimmt das Sanctus Abstand von der Angstatmosphäre und evoziert kurzzeitig das Paradies.

Eine wunderbare Aufführung mit, wie von Antonio Pappano zu erwarten, intensiver Textinterpretation, auch bei diesem bewährten Requiem-Text. Die Nuancierung in der riesigen Klangmasse, die der Dirigent mit diesem Orchester auf höchstem Niveau realisiert, bewahrt dieses dramatische Werk vor banaler liturgischer Pathetik. Eine Aufführung, die kaum ergreifender sein könnte für diese Grande Messe des Morts von Hector Berlioz, für die jeder Superlativ zu minimal wirkt! Zu Recht sprang der Saal nach einigen angemessenen Minuten stiller, beseelter Ehrfurcht auf in Bewunderung und Wertschätzung.


  • WAS: Hector Berlioz (1803-1869) | Grande Messe des Morts (Requiem), opus 5
  • WER: Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, Groot Omroepkoor und Chor der Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter der Leitung von Antonio Pappano, Javier Camarena (Tenor)
  • WO: Koninklijk Concertgebouw, Amsterdam
  • WANN: Samstag, 4. Mai 2019
  • FOTO: © Musacchio Ianniello
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