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Rezensionen

Elf mal Bach

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· 3 Min. Lesezeit
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Elf mal Bach

** Bach inspiriert weiterhin viele! Auch Sabine Weyer, die bei ARS Produktion "Bach to the Future" veröffentlichte: 11 Klaviertransskriptionen bekannter Bach-Werke, bearbeitet vom Italiener Ferruccio Busoni, dem Russen Alexander Siloti und dem Franzosen Camille Saint-Saëns.

Wenn die CD eines unzweifelhaft beweist, dann ist es die Zeitlosigkeit des Genies Johann Sebastian Bach. Und vielleicht liegt genau hier der Knackpunkt der Aufführung: Weyers Interpretation mangelt es an Originalität. Saubere Aufnahmetechnik zwar, aber wir haben das anderswo auch schon gehört ... und besser.

Die CD ist um die Französische Suite Nr. 2 (BWV 813) aufgebaut, ursprünglich für Cembalo geschrieben, hier aber auf dem Klavier aufgeführt (Nr. 5 bis 10). Weyer beginnt mit der Transkription von 4 Kantaten: Ich rufe zu dir, Herr Jesu Christ (BWV 639), Wachet auf, ruft uns die Stimme (BWV 645), Nun komm, der Heiden Heiland (BWV 659) und Jesu Christus, unser Heiland (BWV 665). Alle Kantaten wurden von Busoni bearbeitet (Nr. 1 bis 4) und instrumental aufgeführt. Nach der Suite folgen Bearbeitungen von Siloti (Nr. 11 bis 14) mit Klavierreduktionen der Siciliano aus der Sonate für Flöte und Cembalo (BWV 1031), Prelude in h-Moll aus dem "Clavier Büchlein" für Wilhelm Friedemann Bach (BWV 855a), das Andante aus der Sonate Nr. 5 für Violine solo (BWV 1003) und die Air aus der Orchesterouvertüre Nr. 3 (BWV 1068). Abschließend werden zwei Bearbeitungen des Franzosen Saint-Saëns gespielt mit der Bourrée aus der Partita Nr. 1 (BWV 1002) und dem Largo aus der Sonate Nr. 3 (BWV 1005).

Die ausgewählten Werke sind durchweg bekannte Bach-Werke und haben sich ins Ohr geprägt. Die vielen verfügbaren Aufnahmen machen es dem Solisten daher besonders schwer, originell zu wirken. Aufnahmetechnisch ist an dieser CD wenig auszusetzen. Spieltechnisch dafür umso mehr. Weyer beherrscht das Instrument, aber meiner Meinung nach nicht die Musik. Störende Tempolosigkeit, z.B. in der Sarabande der Französischen Suite, ist nur eine Folge davon. Rhythmische Unsicherheit eine andere. Was die Interpretation betrifft, hat die Solistin noch viel Entwicklungspotenzial. Die gesamte CD leidet unter zu langsamen Tempi. Selbst in den Teilen, in denen mehr Dynamik und Lebendigkeit erwartet werden darf. Durch das zu langsame Tempo flirtet sie mehr als einmal mit rhythmischen Ungenauigkeiten. Es sieht sehr danach aus, als hätte die Solistin sehr aufmerksam Glenn Gould in dessen überbekannten Goldbergvariationen (Bach) gehört, scheitert aber in ihrer Nachahmung.

Die vielen Arpeggios werden zudem – und ebenfalls durch die teilweise zu langsamen Tempi – zu schwer angesetzt, wodurch der Musik die notwendige Leichtigkeit (oder wie Sie meinen möchten "swing") fehlt. Der Hörer bekommt den Eindruck, dass die linke Hand manchmal Schwierigkeiten hat, mit der rechten Schritt zu halten, was ebenfalls ein unbeschwertes Musikerlebnis verhindert. Der vielfach verwendete CD-Titel "Bach to the Future" (eine Anspielung auf den SF-Klassiker von Robert Zemeckis) verspricht brandneue Interpretationen zeitloser Werke, verläuft sich aber zu sehr in "old school" Einfallsreichtum, den geniale Pianisten in der Vergangenheit erheblich besser umgesetzt haben. Brahms' Boutade bleibt auch hier gültig: Musik beginnt erst einen Meter von der Partitur entfernt ... hier sitzt man obenauf. Die Solistin ist noch lange nicht fertig mit dieser einfach klingenden, aber äußerst schwierigen Musik. Eine insgesamt respektable Saint-Saëns-Interpretation kann hier leider nichts daran ändern.


  • Was: Bach to the Future, Bearbeitungen von Bach durch Busoni, Siloti und Saint-Saëns
  • Wer: Sabine Weyer
  • Ausgabe: Ars Produktion, ARS Nr. 38 245
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