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Eine Beethoven-Lektion mit Pianist Alexander Melnikov

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· 3 Min. Lesezeit
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Eine Beethoven-Lektion mit Pianist Alexander Melnikov

Auf der Bühne B'Rock, hinter dem Flügel Alexander Melnikov in der Mitte des Orchesters und das für das erste Klavierkonzert von Beethoven. Aber auch noch für etwas anderes. Für eine Lektion in Musikgeschichte. Und das beginnt mit den ersten paar Noten dieses Konzerts, bis Melnikov sagt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, das vollständige Konzert werden wir später hören. Denn er möchte uns zunächst erklären, was das Wort "Konzert" eigentlich bedeutet.

Der gefeierten Pianist Alexander Melnikov folgt dem berühmten Dirigenten Leonard Bernstein nach, der sein Publikum informieren wollte, was es zu hören bekommt. Und Publikumsbeteiligung sitzt auch in der DNA von B'Rock. Das Projekt erhielt den Titel "The Listeners Academy" und das begann mit einer Erklärung des Wortes Konzert. Darin steckt "contest" (Wettkampf), so Melnikov, der über den Wettbewerbscharakter zwischen dem virtuosen Solisten und den restlichen Orchestermusikern sprach. Aber auch über "konzertieren", beraten und zusammenspielen. Und zur Illustration folgte sogleich ein Stück aus Bachs Brandenburgischen Konzerten. Und er erzählte weiter, wie das Konzertgenre allmählich wuchs und lange Zeit Bestand hatte und wie der meistunterschätzte Sohn Bachs, Carl Philipp Emanuel, darin den galanten Stil herauskristallisierte, das Barock vergessen machte und den Übergang zu den ersten Klassizisten Haydn und Mozart einleitete. Darüber wusste Melnikov zu erzählen, wie Mozart sich aus den Klauen seines Auftraggebers, des Salzburger Fürstbischofs, befreite, um sich als freischaffender Komponist in Wien niederzulassen. Unterdessen ließ B'Rock immer wieder kurze Stücke hören, um die These von Lehrmeister Melnikov zu untermauern. Nach seiner Ansicht geriet die Konzertveranstaltung damals in eine neue Falte, die des Unternehmertums, inklusive "Marketingfähigkeiten" und neuer "Geschäftsmodelle". In knapp einer Stunde bekamen die Zuhörer Melnikovs Vision auf die Entwicklung der Musikgeschichte serviert.

Bei Beethoven angekommen, kam es dann natürlich zur vollständigen Aufführung dieses ersten Klavierkonzerts. B'Rock klang scharf, wie schon immer, seit ihrem Anfang und machte seinem Namen erneut alle Ehre. Was ist das doch für ein wunderbares Orchester mit eigenem Klang. Manchmal trocken und gemessen, vor allem energisch, jung und dynamisch. Gerade noch so feurig wie ich sie zum ersten Mal hörte bei einer glänzenden Aufführung von Händels Fireworks bei irgendeinem Klarafestival, damals noch mit Frank Agsteribbe. Ein Stil, der wunderbar passt zum makellosen Pianospiel von Melnikov, der auch die drei Sätze des jungen Beethoven-Konzerts dirigierte, manchmal zusammen mit dem begeisterten Konzertmeister Afanasy Chupin. Es gab eine ausführliche Kadenz im ersten Satz und beim Rondo platzte das Orchester fast aus den Fugen in einem beeindruckenden Galopp. Der Pianist erzählte manchmal zart leise, dann wieder prominent virtuos seine eigene Geschichte, spielerisch und synkopiert, wirbeln auf jeden Fall. Und was für ein Klang kam aus diesem brandneuen Pianoforte, noch keine drei Wochen alt! Eine moderne Nachbildung eines Klaviers von Conrad Graf aus dem 19. Jahrhundert, ein Lieblingsinstrument des großen Meisters, wie mir der amerikanische Erbauer Paul McNulty erzählte.

So schade, dass es für diese gelungene "Performance" viel zu wenig Publikum in diesem großen Henry Le Boeuf Saal gab. Vielleicht war es deswegen, dass Melnikov mit seiner Geschichte nicht so flüssig in Gang kam wie zum Beispiel Bernstein. Aber sein Pianofortespiel war unbeschreiblich großartig. Ein herrlicher, lehrreicher Sonntagvormittag voller musikalischen Genusses und ein Vergnügen, ihn dabei zu beobachten.


WAS: Ludwig Van Beethoven, Klavierkonzert Nr. 1 in C, op. 15

WER: B'Rock Orchester mit Alexander Melnikov [Fortepiano, Konzept & künstlerische Leitung] und Afanasy Chupin [Konzertmeister].

WO: BOZAR, Brüssel

WANN: Sonntag, 26. November 2023

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