**** Dies ist eine ideale CD zum Anhören im Nachgang des Gedenkkonzerts, das Opera Vlaanderen letzten Wochenende Alberto Zedda widmete, dem im letzten Jahr verstorbenen Rossini-Maestro par excellence. Die lettische Sopranistin Marina Rebeka hatte ihren Durchbruch als Opernzängerin beim Rossini Festival in Pesaro 2008 und kannte Alberto Zedda noch als ihren Mentor.
Das Programm dieser Aufnahme ist eine interessante Erkundung von Partien, die Rossini für Isabella Colbran komponierte, seine Muse, Starnsängerin und spätere Ehefrau. Es gibt nicht nur Arien aus den immer wiederkehrenden Opern von Rossini, sondern vor allem Fragmente aus weniger bekannten Opere serie, wie Moïse et Pharaon, Maometto secondo, Armida, Otello und der Grand Opéra Guillaume Tell. Die bekannteren Arien sind Bel raggio lusinghier aus Semiramide und Tanti affetti in tal momento aus La donna del lago. Als Rossini-Blütenlese ist die CD also bereits der Mühe wert.
Rebeka hat ein sehr hohes Timbre, weshalb sie mir in der ersten Arie auf der CD aus Moïse et Pharaon etwas scharf vorkommt, besonders wenn sie mit Kraft und Volumen singt und sogar etwas monoton klingt. Ein erster Eindruck, der im Laufe der CD wirklich korrigiert werden muss. Man könnte die CD fast ab dem wunderschönen Preghiera aus Maometto secondo anhören, in dem Rebeka einen Regenbogen an Klangfarben entwickelt, mit gleichmäßigen Übergängen zwischen den Registern. Auch in extremer Höhe bleibt sie hell und rein. Hier bist du sofort von ihrer Stimmkunst überzeugt.
Rebeka hat offensichtlich ihre Sicht auf die Coloraturkunst von Rossini entwickelt und wendet sie auch in dramatischer Variation an. Ihre Desdemona ist selig lyrisch und zeugt auch wieder von äußerster Stimmbeherrschung. Ihre Armida singt sie dramatisch mit phänomenalen Coloraturen. Auch Mathilde in Guillaume Tell singt sie mit großem Stimmumfang und der dramatischen Überzeugung der Frau, die ihre Liebe über Stand und Status stellt. Auch hier fällt wieder die volle Stimme in der Höhe auf. Und ein brillantes Orchester übrigens. Die Arie der Elena in La donna del lago ist ein wundervolles Ende voller Einfühlungsvermögen und Stimmbeherrschung. Das Fazit steht fest: Marina Rebeka ist eine wunderbare Rossini-Sopranistin.
- WAS: Amor fatale. Rossini Arias
- WER: Marina Rebeka (Sopran), Münchner Rundfunkorchester u.L.v. Marco Armiliato
- AUSGABE: BR Klassik 900321
