Het Flanders Boys Choir viert dit jaar een indrukwekkende mijlpaal: het koor bestaat exact 95 jaar. Daarmee is het, in al zijn bescheidenheid, het allerlaatste overgebleven echte jongenskoor van Vlaanderen. Dirigent Dieter Van Handenhoven, die het koor al dertig jaar met hart en ziel leidt, blikt terug op een rijke geschiedenis, spreekt openhartig over de maatschappelijke uitdagingen, en kijkt vooruit naar het nakende topconcert met Joseph Haydns Missa in tempore belli.
Eine kleine Welt mit großer Tradition
Die Wurzeln des Chors reichen tief. Wer mit Dieter Van Handenhoven spricht, merkt sofort, dass die Chorwelt – und die der Knabenchöre im Besonderen – ein eng verbundenes, wenn auch stark geschrumpftes Biotop ist. Van Handenhoven erzählt von seinen Jugenderinnerungen an Domchöre und seiner eigenen Vergangenheit als singender Knabe in den achtziger Jahren, mit denen er in die Chorwelt hineinwuchs. Seit 1993 steht er am Ruder dessen, was damals noch In Dulci Jubilo hieß und später in den international klingenderen Namen Flanders Boys Choir umbenannt wurde.
Diese Namensänderung war bewusst gewählt. „Wir wollten deutlich machen, was die Flagge deckt: ein Knabenchor aus Flandern, als erkennbarer Ankerpunkt im In- und Ausland“, erzählt Van Handenhoven. Heute besteht die Truppe aus einem beeindruckenden Kern von 30 Knaben und 25 Männern.
Die einzigartige Struktur: Von der Auswahl bis zum bewährten englischen System
Wie überlebt ein Knabenchor 95 Jahre lang in einer Zeit, in der solche Traditionen in Flandern weitgehend verschwunden sind? Laut dem Dirigenten ist das einer durchdachten Struktur und einem aktiven, niederschwelligen Ansatz zu verdanken.
Der Chor besucht jährlich etwa zwanzig Grundschulen in und um Sint-Niklaas (aus allen Schulnetzen), um Jungen aus dem dritten Schuljahr zu hören. Aus rund 200 getesteten Stimmen erhalten etwa 80 Jungen eine Einladung. Sie beginnen im zweiten Halbjahr mit einer intensiven Vorausbildung von einer Stunde pro Woche – die flämische Variante der britischen Probationers.
„Die Schwelle haben wir bewusst sehr niedrig gehalten“, betont Van Handenhoven. „Es gibt keinen Mitgliedsbeitrag, nur eine einmalige Mietgebühr für die Uniform. So geben wir jedem Kind die Chance, mitzumachen.“
Sobald die Jungen nach einem halben Jahr in den eigentlichen Chor wechseln, wird in zwei Sitzungen zu je anderthalb Stunden pro Woche geprobt. Dabei wendet der Chor das englische System an: Alle Knaben singen den Sopranpart. Die tieferen Stimmen (Alt, Tenor und Bass) werden von den Männerstimmen übernommen, darunter zahlreiche junge Countertenöre und ehemalige Knaben. Das spart enorm viel Probenzeit und sorgt für einen starken Fokus auf die Entwicklung der jungen Knabenstimme. Die ältesten Soprane hören meist – wegen des Stimmbruchs – um ihr vierzehntes (manchmal sechzehntes) Lebensjahr auf.
Vom Kirchenchor zum gesellschaftlichen Anker
Ursprünglich als Kollegiumschor gegründet, um Eucharistiefeiern musikalisch zu gestalten, hat sich die Verbindung zur Kirche über die Jahrzehnte gelockert. Zwar ist der Chor noch immer bei der Mitternachtsmesse oder auf besondere Anfrage zu hören, doch der Auftrag ist heute breiter gefasst.
Das bringt in einer Innenstadt wie Sint-Niklaas allerdings auch neue Herausforderungen mit sich. Van Handenhoven stellt fest, dass es bei Eltern manchmal heikel ist, Kinder mit einem anderen oder vielfältigeren kulturellen Hintergrund mit klassischer und geistlicher Musik in Kontakt zu bringen. Doch die Kraft der Musik bleibt universell: „Ein Kind ist ein Kind, und wenn der Funke überspringt, funktioniert es.“ Das wird im Chor täglich bewiesen.
Der Weckruf: Der letzte Knabenchor Flanderns
Dass das Flanders Boys Choir heute der allerletzte aktive Knabenchor Flanderns ist, erfüllt den Dirigenten mit gemischten Gefühlen. „Ehrlich gesagt habe ich dabei ein sehr schlechtes Gefühl“, sagt er offen.
Seit langem plädiert er für eine strukturelle Wiederbelebung: die Gründung ähnlicher Knabenchöre in den verschiedenen flämischen Provinzen. Die Resonanz aus dem Kulturbereich und von potenziell beteiligten Organisationen bleibt bislang allerdings aus. Dabei ist der Bedarf groß. Die Chorwelt – von Laienchören bis zu Opernhäusern und dem Flämischen Rundfunkchor – sehnt sich nach gut ausgebildeten flämischen Männerstimmen (Tenöre und Bässe). Die Nachwuchsbasis, die ein Knabenchor bietet, ist darin unersetzlich.
Blick in die Zukunft: Haydn in Missa in Tempore Belli
Der Chor blickt voller Energie auf das bevorstehende Konzert. Demnächst bringt das Flanders Boys Choir ein großes Aufführungsprojekt von Joseph Haydns Missa in tempore belli (die Paukenmesse) zur Aufführung.
Eine bewusste Wahl in Zeiten anhaltender Kriegskonflikte in der Welt. Haydn schrieb die Messe zu einer Zeit, als die Bedrohung durch Napoleon real war; Angst und Spannung klingen in der Musik und im eindringlichen Paukenwirbel durch. Besonders der Schluss (Dona nobis pacem), der statt eines sanften Endes eine regelrechte Bitte um Frieden formuliert, spricht Bände.
Der Chor musiziert mit alten, authentischen Instrumenten und einem jungen, vielversprechenden Solistenquartett: Elles Venhuizen (Sopran), Hanna de Bruin (Alt), Door Van Bergen (Tenor) und Alexander Van Goethem (Bass).
Neben der nahezu ausverkauften Aufführung in Sint-Niklaas am Mittwoch, 11. November (Wapenstilstand), bringt der Chor dieses Werk am Sonntag, 22. November (16 Uhr), auch nach Vlissingen (Niederlande), wo das Konzert in der Grote Kerk stattfindet und noch Tickets verfügbar sind.
Richtung Jubiläum (100 Jahre)
Für die kommenden Jahre hat Dieter Van Handenhoven noch eine ganze Reihe von Träumen auf seiner Bucket List stehen. So möchte er unbedingt Bachs Weihnachtsoratorium wieder auf das Programm setzen — ein Meisterwerk, das in der Vergangenheit bereits erfolgreich in Zusammenarbeit mit dem renommierten Dirigenten Ton Koopman aufgeführt wurde. Daneben möchte er das physische Archiv des Chores gründlich digitalisieren und idealerweise bis zum 100-jährigen Jubiläum auf ein internationales Knabenchorfestival hinarbeiten. Mit andere Worten: Fortsetzung folgt!