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Klassik Zentral

Ein Hase im Turm ist kein Turmhase, oder?

Drei Türme gleich drei Leben, eigentlich vier, nein fünf, oder sagen und schreiben wir sechs Leben? Eingeweihte können ‚den Hasen' und ‚den Turm' sofort verbinden, aber die jüngere Generation mittlerweile weniger. Welcher Hase denn? Kein echter, sondern Jo Haazen, der unübertroffene Glockenspielmeister und Pädagoge.

Soeben erschien Jo Haazens Autobiografie als bronzeverarbeitender Turmbesteiger, notgedrungen ‚Besteiger', denn es gibt kaum Glockenspiele, die nicht in einem Turm stehen. Drei Türme prägen das Leben des Künstlers weitgehend. Zu jedem Turm schrieb Jo Haazen ein Buchband – Antwerpen, Mechelen und Sankt-Petersburg, gesammelt in einer schönen Buchmappe unter dem gemeinsamen Titel ‚Ein Hase im Turm'.

Jo Haazen, ein echter Draufgänger – nun ja im Turm – kann man durchaus einen Hasen nennen. Was für ein aktives, komplexes Leben insgesamt und was für eine reiche, seltene berufliche Karriere, auf die er mit Recht stolz zurückblicken kann und darf. Haazen ist derzeit ein wandelndes Stück Glockenspielegeschichte von Weltbedeutung.

Antwerpen

Es begann als 14-jähriger Junge, der sich von den wöchentlich, ja täglich erklingenden Glocken im gotischen Spitzenwerk des Turms der Liebfrauenkathedrale in Antwerpen angezogen fühlte. Seine Mutter wurde auf dem Großmarkt geboren, näher bei den Glocken konnte es kaum sein. Jo, fast ‚das kleine Jöchen', denn vom 24. Dezember 1944 – er wird 80 Jahre alt, war knapp kein Weihnachtskind. Noch einen Tag warten konnte er nicht. Ja, so ist das mit Menschen, die immer mit tausendundeinem beschäftigt sind.

Als junger Mann zog er zur Glockenschule in Mechelen zu Staf Nees. Er war, zumindest für Glockenspiel, ein brillanter Schüler und kaum erwachsen geworden, wurde er zum Stadtglockenmeister in Antwerpen ernannt, während er zwischen Musikunterricht, das Esperanto-Lernen und auch dort unterrichten und sein Glockenspielen auf seinem Turm noch dreimal das Internationales Glockenspielfestival von Holland gewann.

Jo baute die Montagabendkonzerte in Antwerpen zu legendären Abenden aus. Die heruntergekommene Umgebung zog Zehntausende von Besuchern an, es kam viel Gastronomie und die Gegend lebte auf bis heute. Leider hat das Glockenspiel nicht mehr die Ausstrahlung von damals während der ‚Jo-Haazen-Jahre', aber der Liebhaber bekommt noch immer genug Futter. Mehr über die Geschichte Antwerpen liest man im ersten Buchband.

Mecheln

Abschied von Antwerpen zu nehmen fiel Jo Haazen sehr schwer. Er konnte diesen Abschied nie wirklich verarbeiten, aber die Herausforderung, Direktor der Königlichen Glockenschule zu werden und gleichzeitig Stadtglockenmeister von Mechelen, wo gerade ein mächtiges neues Glockenspiel im Sint-Romboutsturm installiert worden war, war letztlich zu groß. Nach vielen Anrufen, sogar noch um 3 Uhr nachts vor dem Bewerbungsschluss, gab Jo Haazen nach und würde sich daran machen. Mit seinem Verdienst, seiner Erfahrung und seinem Wissen wollte er nicht nur die Schule aus dem Sumpf holen, sondern auch aus den Mecheler Montagabendkonzerten machen, was sie vor dem Zweiten Weltkrieg unter Jef Denyn waren oder was er in Antwerpen verwirklicht hatte.

Was die Konzerte betrifft, klappte es nicht. Mechelen ist eine ganz andere Stadt, eine ganz andere Mentalität und Kultur. Die Schule dagegen wurde von einem nach Tabak stinkenden Loch, vollgestellt mit Werbezeitungen, zu einer international anerkannten lebendigen Institution, deren Früchte ihr heutiger Nachfolger täglich erntet. 100 Studenten aus mehreren Ländern sind in diesem Akademiejahr 2024–25 eingeschrieben. Das Niveau gleicht dem großer internationaler Konservatorien. Der fünfjährliche Königin-Fabiola-Wettbewerb ist noch in Qualität gestiegen.

Die Mecheler Jahre verliefen was den Schulerfolg betrifft rosig, aber wir lesen auch zwischen den Zeilen, dass es dort manchmal besonders schwierig zuging zwischen einem Verwaltungsrat, der in der Vergangenheit stecken blieb und manchmal heftig Gegenwind lieferte. Inzwischen kam es zu Kontakten mit Russland, wo man in Sankt-Petersburg das Glockenspiel des Zaren Peter des Großen gründlich restaurieren wollte. Es wurde ein neues Instrument. Jo Haazen reiste noch mehr hin und her, nicht mehr in die USA oder Japan wie zuvor, sondern nach Russland. Parallel zu Mechelen unterrichtete er auch dort.

 

Sankt-Petersburg

Jeder muss als Beamter in den Ruhestand gehen und Jo Haazen war als Stadtglockenmeister ein städtischer Beamter und als Direktor war er Angestellter des Bildungsministeriums. Also Rente. Man würde mehr Freizeit sagen? Jo Haazen würde all diese freie Zeit in sein russisches Projekt stecken. Inzwischen war er bereits mit der ‚Auszeichnung der Freundschaft' geehrt worden, der höchsten Auszeichnung, die ein Nicht-Russe erhalten kann. 2006 wurde er zum Professor an der Fakultät für Künste, Abteilung Orgel, Cembalo und Glockenspiel in Sankt-Petersburg ernannt.

Jo Haazen baute eine Konzerttradition auf, unzählige Touristen fanden und finden ihn dort, Politiker aus dem eigenen Land zogen dorthin mit vielen Journalisten im Schlepptau und Missionen mit Geschäftsleuten. Heute ist es weniger lebhaft, was das Interesse aus dem Westen angeht, angesichts der politischen Spannungen und des Krieges in der Ukraine. Schade, denn Kultur muss Politik übersteigen, mehr noch, sollte verbinden. Jo Haazen unterrichtete vor dem Krieg in Sankt-Petersburg neben Russen auch Ukrainer in dieser Palaststadt. Hoffen wir, dass nach Ende der Feindseligkeiten in einer Atmosphäre des Friedens und der Brüderlichkeit die Schönen Künste triumphieren.

Ein Hase im Turm, dreiteilige Autobiografie des Glockenspielmeisters Jo Haazen – Antwerpen, Mechelen und Sankt-Petersburg.

Vorworte von Bart De Wever, Bürgermeister von Antwerpen; Marc Hendrickx, ehemaliger erster Schöffe von Mechelen und Natalia Dementieva, ehemalige Kulturministerin der Russischen Föderation.

Eine reich bebilderte Publikation mit sechshundert Seiten, versehen mit beispiellosen Geschichten aus dem Glockenspielleben in den oben genannten Städten und der Welt.

Detalhes:

Título:

  • Ein Hase im Turm ist kein Turmhase, oder?

Künstler:

  • Autor: Jo Haazen

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