Een jeugdig vioolconcert van Richard Strauss (1864-1949) naast twee werken van Béla Bartók (1881-1945) uit heel verschillende fases van diens ontwikkeling: de combinatie levert een boeiend programma op dat niet alleen de evolutie van beide componisten belicht, maar ook uiteenlopende kanten van het vioolrepertoire samenbrengt. Alena Baeva verdient lof voor haar keuze van repertoire dat niet meteen tot de vaste kern behoort. De drie werken vragen bovendien om een andere benadering: van de romantische lyriek bij Strauss tot de zoekende, persoonlijke taal van de jonge Bartók en de volksmuzikale energie van zijn latere Rapsodie.
Zwischen Verspieltheit und Verinnerlichung
Richard Strauss war kaum achtzehn Jahre alt, als er sein Violinkonzert komponierte. Es ist kein Meisterwerk, das sich ohne Weiteres mit den großen romantischen Violinkonzerten messen lässt, besitzt aber genügend Eigenart, um die Aufmerksamkeit zu fesseln. Manchmal klingt die Verwandtschaft zu Mendelssohn durch, während hier und da bereits etwas vom späteren Strauss aufleuchtet. Der Reiz liegt vor allem in der Verbindung einer noch ausgeprägt romantischen Lyrik mit verspielten Passagen und Momenten, in denen die Solistin ihre Virtuosität zur Geltung bringen kann. Und gerade in dieser Interpretation fragt man sich, warum man dieses Konzert im Konzertsaal so selten hört.
Die orchestrale Einleitung erhält bei Järvi genügend Raum und Charakter. Baeva nimmt die Herausforderung überzeugt an und behandelt das Konzert, als gehöre es zum festen Repertoire. Sie bringt Feuer, wo es nötig ist, lässt aber auch Raum für Verinnerlichung. Im ersten Satz fällt vor allem auf, wie selbstverständlich sie die virtuosen Passagen an die leichteren, verspielten Momente anschließt. Die markanten Akzente der Streicher verleihen dem Ganzen Schwung, während die Holzbläser für Verfeinerung sorgen.
Der zweite Satz beginnt schön mit den Holzbläsern, danach klingt Baeva beinahe flehend, ohne dass die Lyrik sentimental wird. Sie gibt den melodischen Linien allen Raum zur Entfaltung und bewahrt dabei die verträumte Stimmung. Im dritten Satz schaltet die Musik zunächst in ein schnelleres Tempo, aber auch hier erhält die gesangliche Seite des Werkes ausreichend Gewicht. Der Wechsel zwischen lyrischen Verlangsamungen und virtuosen Passagen verläuft natürlich. Solistin, Dirigent und Orchester finden zusammen in einer Interpretation, die Strauss’ jugendliches Werk überzeugend zum Leben erweckt.
Ein persönliches musikalisches Dokument
Mit Bartóks Erstem Violinkonzert verändert sich die Klanglandschaft vollkommen. Das Werk entstand 1907–1908 und war der Geigerin Stefi Geyer gewidmet, in die der Komponist verliebt war. Sie hat das Konzert nie aufgeführt; das Manuskript geriet erst nach ihrem Tod wieder in den Blickpunkt. Dieser persönliche Hintergrund verleiht der Musik eine zusätzliche Dimension, doch auch ohne dieses Wissen spricht der zurückhaltende, fast zögernde Ton der Geige sofort an.
Baeva lässt die Geige zunächst tastend ihren Weg suchen. Ihr voller, warmer Klang verleiht dieser Passage etwas sehr Persönliches. Die Streicher schließen sich schön daran an, dann öffnen die Bläser das Klangbild weiter. Wenn das Orchester anschwillt und die Musik intensiver wird, folgt die Geige weiterhin ihrem eigenen Weg. Gerade in diesem Wechselspiel zwischen Solistin und Orchester liegt die Kraft dieser Interpretation: Die Solostimme behält ihren eigenen Charakter, auch wenn das Orchester an Stärke gewinnt. Die Musik erhält so etwas Verletzliches, als ob sich die Solopartie nur allmählich offenbart.
Der zweite Satz bringt einen deutlichen Umschwung. Die Rhythmik erhält mehr Nachdruck, sowohl in der Solostimme als auch im Orchester, und Baeva lässt eine direktere, mitunter etwas schärfere Seite ihres Spiels hören. Dennoch bleibt die Musik singend, mit einem leicht widerspenstigen Unterton, der ihr Charakter verleiht. Zum Ende hin fügen die Bläser eine eindringliche Farbe hinzu. Dann bricht das Orchester kraftvoll los, um anschließend der Geige Raum zu geben, die beinahe unbewegt erneut einsetzt. Die Lyrik kehrt zurück, nun mit einer besonders schönen Harfenbegleitung. Baeva lässt diesen Übergang ruhig atmen und verbindet so die verschiedenen Stimmungen des Werkes auf natürliche Weise. Gerade der Kontrast zwischen dem orchestralen Ausbruch und der beherrschten Rückkehr der Geige macht diesen Moment besonders eindringlich.
Volksmusikalische Energie
Die Erste Rhapsodie, gut zwanzig Jahre später geschrieben, lässt einen anderen Bartók hören. Die Musik stützt sich auf ungarische und siebenbürgische Volksmelodien, die der Komponist sammelte und bearbeitete. Die beiden Sätze, Lassú und Friss, führen von einer freieren, getragenen Stimmung zu einem zunehmend ausgelassenen und lebhaften Charakter.
Baeva und das Orchester verleihen der Rhapsodie einen kräftigen Puls, ohne die Beweglichkeit auf bloßen Effekt zu reduzieren. Im getragenen ersten Satz erhält die Geige alle Freiheit, die melodischen Linien geschmeidig zu formen; im lebhafteren zweiten Satz verschiebt sich der Akzent auf rhythmischen Schwung und virtuose Ausgelassenheit. Die Geige reagiert geschmeidig auf die wechselnden Orchesterfarben und behält auch in den ausgelassensten Passagen einen ausgeprägt persönlichen Klang. Dieser Wechsel zwischen expressiver Freiheit und rhythmischer Schärfe verleiht der Interpretation ihre überzeugende Kraft.
Auch die Aufnahme trägt zum Hörvergnügen bei. Die Geige steht in gutem Verhältnis zum Orchester, während auch Details der Begleitung, etwa die Harfe und die einzelnen Orchesterfarben, selbst im vollen Tutti gut hörbar bleiben.
Meer dan een ongewone combinatie
Mit dieser CD zeigt Alena Baeva, dass weniger häufig gespielte Werke nicht als Kuriositäten behandelt werden müssen. Strauss erhält den Raum, um zu glänzen, ohne größer gemacht zu werden, als er ist; bei Bartók werden sowohl die persönliche Lyrik des frühen Violinkonzerts als auch die volksmusikalische Energie der späteren Rapsodie überzeugend beleuchtet. Das größte Verdienst dieser Aufnahme ist, dass Baeva die Unterschiede zwischen den drei Werken nicht verwischt, sondern jedem einen anderen Klang und eine andere Ausdruckskraft verleiht. So wird ein weniger naheliegendes Programm zu einem überzeugenden Plädoyer für Repertoire, das häufiger zu hören sein sollte.