Wie könnte es auch anders sein, als dass Tore Tom Denys von Adriaan Willaert spricht, dem Komponisten, der um 1490 in der Nähe von Tores Stadt Roeselare geboren wurde, genauer gesagt in dem heutigen Stadtteil Rumbeke. Selbst die skatende Jugend in Roeselare hat schon mal von diesem Herrn Willaert gehört… "Wer ist das?"
Tore Tom Denys singt als Tenor bei unter anderem dem Collegium Vocale Gent, sang bei der unvergleichlichen Capilla Flamenca des verstorbenen Dirk Snellings, der viel zu früh von uns ging, und singt nun bei seinem eigenen Ensemble Dionysos Now! hauptsächlich Polyphonie und Renaissance. Neben dem Singen von Polyphonie mit einer besonderen Liebe für Willaert (aus Chauvinismus oder Nostalgie nach dem großen Namen aus seiner Heimatregion?) hat er den Drang, Altes und Neues zu verbinden oder zumindest auf irgendeine Weise zusammenzubringen, Menschen, die „davon nichts wissen", mit beispielsweise der Musik von Willaert vertraut zu machen. Und das? Das führte den Musiker in den Skaterpark in Roeselare. Um dort selbst zu hören, aber vor allem um dort zuzuhören und über Willaert zu sprechen und im Weiteren die Polyphonie mit ja, den skatenden Teenagern zwischen etwa 12 und 18 Jahren.
"Das ist also einer von uns?"
Von so einer Idee muss man begeistert sein! Jungs, die mit den „Ohrenstöpseln" im Ohr viel zu laut spielende Rap oder was auch immer hörend und hin und her schwingend, springend, fallend, jonglierend auf ihrem Skateboard ihre Aktivität unterbrechen und fragen, ob sie Willaert kennen. Ja, wirklich, jetzt? "Ja, jetzt also Musik von dem hören wollen. Setz meinen Kopfhörer mal eben auf". Willaert? Nein, den kenne ich nicht… Ja doch, Junge, da gibt es doch eine Straße von antwortet ein Kamerad, während ein anderer auf die Idee kommt, dass das Konservatorium (von Roeselare) diesen Namen trägt. Aber dass dieser Kerl ein Musiker ist? Nein, das wissen sie nicht und noch weniger kennen sie seine Musik.
Tore weiß, wie man anpackt und er erzählt den Jungs, wer dieser Herr Willaert war und dass er zu seiner Zeit so etwas wie ein Michael Jackson war, jedenfalls sehr berühmt in Europa. Große Augen reißen die Teenager auf. Das haben sie nie gewusst. Und ja, sie wollen gerne mal zuhören. Zuhören, das tun sie… Sie werden dabei still. Es rührt sie, es bewegt diese Skater. Es ist eine Entdeckung und mehr, es ist eine Offenbarung. Es hat etwas vom Himmel, das ist keine Musik der Welt, das ist von den Engeln… Die Jungs sind sprachlos. Dass es etwas so Schönes gab, das wussten sie nicht und dann auch noch von jemandem aus Roeselare, aus „unserer Stadt"?!
Das neue Ensemble beginnt
Vor einigen Jahren ist Tore Tom Denys in Oostende, der Stadt am Meer. Es gibt jährlich ein Festival, nicht so sehr für klassische Musik, aber ein Theaterfestival, Theater aan Zee, wo manchmal auch klassische Musik eine Rolle spielt. Dort bekommt Tore die verrückte Idee, dort etwas mit Willaert und etwas Zeitgenössischem zu machen. Man hält ihn für verrückt, es wird nicht funktionieren und kann nicht funktionieren. Es wird niemand kommen, geschweige denn ein Tourist, mitten im Sommer, wenn der Strand voll mit Sonnenbädern ist und Menschen, die Berliner Bollen und Eis essen, Kinder, die Löcher graben, Fußbader, Schwimmer, Wanderer und was noch mehr. Der Strand und der Deich sind das Territorium des großen Andrangs und den bekommst du nicht in Bewegung, um Polyphonie zu hören. Wirklich nicht? Tore geht daran und der Saal ist zu klein. Alles ausverkauft noch bevor der Kartenverkauf beginnen kann, sozusagen. Es ist ein phänomenaler Erfolg, unerwartet. So erblickt Dionysos Now! das Licht der Welt.
Zurück nach Oostende für ein neues Festival
Seit Jahren wohnt und arbeitet Tore Tom Denys in Wien. Er folgte dort Ende der 1990er Jahre Gesangsunterricht und blieb in der Stadt hängen, wo auch Mozart und Beethoven sein wollten. Willaert allerdings nicht, der fand das gute Leben in Venedig und blieb dort für immer. Er reiste nicht mehr nach Rumbeke, Roeselare und noch weniger nach Oostende. Tore Tom tut das und er nimmt sein Ensemble mit. Es wird wieder möglich sein, Adriaan Willaert zu hören, aber auch, wie die DJs unserer Zeit vorgehen. Es wird ein Gewöhnen für alle Ohren: die Ohren der Willaert-Fans und die Ohren der DJs mit ihren Schallplatten. Das Midsummer Night Polyphony Festival Flow lädt sich zum ersten Mal in der Königin der Bäder nieder. Es ist ein Eintagesfestival, aber sicher kein Eintagsfliege, soviel ist schon jetzt sicher. Mehr erfährst du über den Link (siehe oben) zum Festival und wisse, dass du über den Newsletter von Klassiek Centraal kostenlose Karten für das Festival und sogar CDs von Dionysos Now! gewinnen kannst. Folge dem Newsletter und beantworte die Preisfragen. Mit etwas Glück bist du einer der Gewinner und kannst bei gutem oder schlechtem Wetter Polyphonie, Gregorianischen Gesang, Gespräche, aber auch die Beats von Tsar B genießen…
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