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Vorschau Musikfestival Namen

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Vorschau Musikfestival Namen

Zusammen mit dem Ergrünen der Natur erscheinen auch die Musikfestivals. Nicht nur die vielen Popfestivals ziehen Tausende von Liebhabern an, auch die klassische Musik lässt von sich hören. Bemerkenswert dabei sind die jährlichen Alte-Musik-Festivals im In- und Ausland.

Glücklicherweise müssen wir nicht weit gehen. Es gibt viel zu erleben in der Nähe: gleich drei Alte-Musik-Festivals in Belgien und eines in den Niederlanden:


  • 30. Juni - 16. Juli: Muziekfestival Namen;
  • 4. - 13. August: MA (Musica Antiqua) Festival Brugge;
  • 18. - 27. August: Laus Polyphoniae AMUZ Antwerpen
  • 25. August - 3. September: Festival Oude Muziek Utrecht

In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf das Muziekfestival Namen mit Leonardo García Alarcón (wer sonst?) als künstlerischer Leiter. Mit seiner Cappella Mediterranea und Choeur de Chambre de Namur hat er sich seit Jahren internationalen Ruf erworben.

Der Schwerpunkt des Festivals besteht aus der Barokoper La Jérusalem délivrée (1712) des französischen Komponisten Philippe d'Orléans (1674-1723) und des Librettisten Hilaire-Bernard de Requeleyne, Baron de Longepierre (1659-1731). Ich kannte diese Oper nicht, aber das ist nicht verwunderlich. Sie wurde von Leonardo García Alarcón nämlich aus dem Staub hervorgeholt, etwas, das er bereits öfter getan hat.

Die Geschichte stammt aus Gerusalemme liberata (1581) von Torquato Tasso (1544-1595), einem damals weltberühmten Epos über den ersten Kreuzzug durch Gottfried von Bouillon im Jahr 1096. Jeder kannte dieses Buch, nicht zuletzt wegen der vielen Musik, die ihm gewidmet wurde (Combattimento di Tancredo e Clorinda von Monterverdi, Rinaldo von Handel, Armide von Lully und Gluck, aber auch Armida von Haydn, Tancredi von Rossini, die Kantate Rinaldo von Brahms, Torquato Tasso von Donizetti bis zur Oper Armida von Judith Weir des 21. Jahrhunderts).

Die Hauptfiguren sind christliche und islamische Ritter, die sich bekämpfen, aber auch ineinander verliebt werden. In La Jérusalem délivrée sind das die islamitischen Frauenritter Herminie und Clorinda (in dieser Oper nur als Stimme zu hören), die beide in den christlichen Ritter Renaud verliebt sind, dessen Liebe Clorinda gilt, die er unwissentlich auf dem Schlachtfeld getötet hat. Daneben gibt es die Hassliebe zwischen der islamischen Zauberin Armide und dem Kreuzfahrer Renaud.

Philippe d'Orléans war ein hochgestelltes Mitglied des französischen Hofes. Er sollte sogar Regent des jungen Ludwig XV. werden. Als Schüler von Charpentier und Campra entwickelte er sich unter der Leitung seines Kapellmeisters Charles-Hubert Gervais (1671-1744) zu einem geschätzten Komponisten. Gervais war stark von der italienischen Oper beeinflusst, was mich neugierig auf die Oper von Philippe d'Orléans macht. Enthält diese Oper italienische Elemente wie die dreiteilige Arie, oder wird die Geschichte im französischen durchkomponierten Stil von Lully und Rameau erzählt? Grund genug, diese Oper am Freitag, 30. Juni, in der Namur Concert Hall zu bewundern.

Nach diesem besonderen Start folgt ein eklektisches Programm mit Musik aus verschiedenen Epochen und in unterschiedlichen Stilen, wobei der Schwerpunkt auf der Barockmusik bleibt.

Neben Ausflügen wie eine Hommage an den berühmten Jazzgitarristen Django Reinhardt von Minor Sing, die musikalische Performance Madame Vitesse von Joëlle Charlier über ihr Vorbild Clärenore Stinnes, die als erste Frau in einem Rennwagen um die Welt fuhr, bewegen wir uns hauptsächlich in der Alten Musik mit La Dafne (1719) von Caldara, Theodora (1749) von Handel, The Magic Flute (1791) von Mozart und Le 66 (1856) von Offenbach, um nur einige Opern zu nennen (obwohl Theodora eigentlich ein Oratorium und Le 66 eine Operette ist). Darüber hinaus gibt es Musik von Bach, Zelenka, Mendelssohn, Schubert und Ravel zu hören.

Einige weibliche Künstler erhalten besondere Aufmerksamkeit. Ensemble Agamemnon würdigt die Gemälde der italienischen Malerin Artemisia Gentileschi (1593-1656) mit Renaissance- und Barockmusik von unter anderem Frescobaldi, Rossi und Mazzocchi.

Julie Roset, Ana Vieira Leite & Camille Allérat bringen das Programm The ladies of Ferrara, eine Hommage an eine Gruppe von Frauen in Ferrara (1570), die zunächst nur am Hof mit ihren außergewöhnlichen Stimmen glänzten, später aber Fürsten anderer Höfe beeinflussten, um auch sogenannte Concerti delle donne zu organisieren. Ein besonderes Phänomen, das mehr Aufmerksamkeit verdient.

Alles in allem ein vielfältiges Programm, das es verdient, besucht zu werden, besonders wenn Sie sich für besondere Aufführungen interessieren, wie die Aufführung einer kürzlich entdeckten Oper. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen.

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