Zum Inhalt springen
Dit is een volledig nieuwe website, vond u een bug, stuur ons een email op bestuur@klassiek-centraal.be
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

Musik, die im Augenblick entsteht – Michel Tabachnik und das Brussels Philharmonic

W
· 4 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Musik, die im Augenblick entsteht – Michel Tabachnik und das Brussels Philharmonic
© Jean-Baptiste Millot

Es war außerordentlich schön, Michel Tabachnik nach mehr als zehn Jahren endlich wieder auf dem Podium von Flagey zu erleben, als Conductor Emeritus bei „seinem“ Brussels Philharmonic. Ich bewahre warme Erinnerungen an die Konzerte, die ich früher mit ihm erleben durfte. Dieser Abend brachte diese Wärme zurück. Bei Tabachnik scheint Musik spontan zu entstehen, getragen vom Augenblick und vom Zusammenspiel zwischen Dirigent und Orchester. Seine Interpretationen klingen nie verbissen: Die Musik bleibt lebendig, und das spürt man nicht nur bei den Musikerinnen und Musikern, sondern auch im Saal.

Das Programm vereinte drei sehr unterschiedliche musikalische Welten: Don Juan von Richard Strauss (1864–1949), Empreintes von Iannis Xenakis (1922–2001) und die Achte Symphonie von Ludwig van Beethoven (1770–1827). So bot der Abend sowohl vertraute Musik als auch eine überraschende Begegnung.

Klangliche Erzählungen

In Don Juan, der sinfonischen Dichtung, mit der Strauss sich als junger Komponist nachdrücklich einen Namen machte, fiel sofort auf, wie feinsinnig Tabachnik die Partitur angeht. Die breiten Tempi gaben der Musik den Raum, sich zu entfalten. Die lyrischen Passagen gewannen eine besondere Ausdruckskraft, während die orchestralen Ausbrüche ihren Glanz behielten. Auch Konzertmeister Otto Derolez überzeugte mit einem äußerst fein gestalteten Solo. Die verschiedenen Stimmen des Orchesters kamen klar zur Geltung und bildeten zusammen ein reich schattiertes Ganzes. Es war verblüffendes Orchesterspiel, mit Sinn für das Detail und für den großen Bogen.

Mit Empreintes landeten wir in einer ganz anderen Klangwelt. Xenakis nähert sich der Musik von Klang und Bewegung aus, eher als von Melodien und erkennbaren Themen. In diesem Werk aus dem Jahr 1975 entstehen große, fließende Klangbewegungen neben kurzen, wiederholten Notenmustern. Die verschiedenen Schichten greifen ineinander und verändern ständig ihre Gestalt.

Vorab nahm Michel Tabachnik selbst das Mikrofon, um das Publikum mit einigen gespielten Tönen und Hörbeispielen in die Musik einzuführen. Er sprach über die Bedeutung, die hinter den Klängen steckt, über die Entstehung von Photonen vor dem Erscheinen des Menschen und über die Art, wie sich Klang fortbewegt. Diese Einführung war faszinierend: Sie bot eine überraschende Perspektive auf Musik, die man sonst vielleicht vor allem als überwältigende Klangmasse erleben würde.

Während der Aufführung wurde deutlich, wie klar das Brussels Philharmonic diese verschiedenen Klangschichten herausarbeitete. Die einzelnen Bewegungen blieben gut nachvollziehbar und bildeten zusammen ein sich ständig wandelndes Ganzes. Dank Tabachniks Erläuterung hörte man mit anderen Ohren: Man vernahm nicht nur die Klänge selbst, sondern bekam auch einen besseren Einblick in den Gedanken dahinter. Der Applaus nach dem Konzert machte deutlich, dass seine Einführung dem Publikum geholfen hatte, diese besondere Musik besser zu verstehen und zu schätzen.

Klassische Klarheit und Lebensfreude

Nach der Pause folgte Beethovens Achte Symphonie, ein Werk, das im Schatten einiger bekannterer Symphonien des Komponisten manchmal weniger Aufmerksamkeit erhält. Diese Aufführung war ein überzeugendes Plädoyer für das Werk. Tabachnik wählte einen klassischen Zugang, versah ihn jedoch mit einer unwiderstehlichen joie de vivre. Die rhythmische Raffinesse, die unerwarteten Akzente und der Humor, mit dem Beethoven die symphonischen Konventionen für sich nutzt, wurden mit ungezwungener Spielfreude lebendig. Die Musik klang klar und funkelnd, ohne auch nur einen Moment vorhersehbar zu werden.

Tabachniks Körpersprache machte die Aufführung besonders eindrucksvoll. Jede Bewegung schien unmittelbar aus der Musik hervorzugehen. Man sah einen Dirigenten, der die Entstehung des Augenblicks sichtlich genoss, und diese Freude übertrug sich auf das Orchesterspiel. Das war Beethoven, wie ich ihn gern höre: mit rhythmischer Schärfe, Humor und einer Lebensfreude, die die Musik von Anfang bis Ende trägt.

Dankbarer Rückblick und Ausblick

Was mich nach mehr als zehn Jahren erneut beeindruckte, war die spontane Musikalität Tabachniks. Seine Art des Musizierens erinnert daran, wie besonders es ist, wenn eine Aufführung nicht nur technisch überzeugt, sondern den Eindruck erweckt, dass sich die Musik vor den Augen und Ohren der Zuhörer entfaltet. Solches Erleben vermisse ich heutzutage im Konzertsaal leider viel zu oft.

Die Kombination aus Strauss, der Entdeckung Xenakis’ und einem Beethoven, der mit so viel Freude gespielt wurde, machte diesen Abend zu einem idealen Konzertabend. Das Brussels Philharmonic musizierte mit großer Wachsamkeit und Überzeugungskraft unter einem Dirigenten, der seine Begeisterung für die Musik ansteckend vermittelte.

Ich hoffe daher, dass Michel Tabachnik, solange er dies selbst möchte und es ihm vergönnt bleibt, künftig jährlich nach Flagey zurückkehrt. Ich bin jedenfalls dabei.

Details

Wer
Brussels Philharmonic o.l.v. Michel Tabachnik
Wo
Flagey, Elsene
Gesehen am
24 oktober 2026
Brussels Philharmonic
Website
Bildnachweis
Jean-Baptiste Millot
Diesen Artikel teilen
DE