Genau heute in zwei Monaten, am 27. August, beginnen die drei letzten Tage von Laus Polyphoniae 2026: die jährliche Hochmesse der Alten Musik in Flandern. Das Thema dieses Jahres ist Mehrstimmiges Europa circa 1600. In drei Folgen nehme ich Sie durch das Programm mit, hier und da mit einer persönlichen Note.
Laus Polyphoniae – Schlusstage
Laus Polyphoniae erblickte 1994 offiziell das Licht als logische Fortsetzung von Antwerpen93, als Polyphonie erstmals nachdrücklich als kulturelle "Marke" in den Vordergrund gerückt wurde. Und dazu gehört sogleich eine kleine persönliche Anmerkung: Ich lief damals als Student als Freiwilliger herum, bewaffnet mit einem Stapel Papierkarten – es war noch eine Epoche ohne QR-Codes und Scanner – und bekam so die einzigartige Gelegenheit, die Crème de la Crème der internationalen Musikwelt aus nächster Nähe vorbeiziehen zu sehen.Einige träumten damals von Popstars (und dagegen war nichts einzuwenden), aber geben Sie mir in dieser Zeit doch lieber das Gabrieli Consort, Weser-Renaissance oder Concerto Italiano. Diese Art von Helden sozusagen.
Heute, im Jahr 2026, steht Laus Polyphoniae immer noch stolz aufrecht, in voller Pracht und mit unverminterter Ambitionen, und das beweist sich einmal mehr in den letzten Festivaltagen.
Donnerstag: Trendsetter avant la lettre
Der Konzerttag beginnt wie inzwischen vertraut um 13 Uhr mit einem Programm, das gleichsam den "Soundtrack" zur Geschichte von Trendsettern und Nachfolgern darstellt – Begriffe, die man um 1600 noch nicht verwendete, aber deren Konzept unglaublich wiederzuerkennen ist. Flandern und Antwerpen im Besonderen entwickelten sich damals zu einem blühenden Musikmarkt, wo Musik gedruckt, nachgedruckt und verbreitet wurde. Es war mit anderen Worten ein Ort, an dem sich Ideen schneller verbreiteten als heute einige digitale Dateien – obwohl letzteres schwer zu glauben ist.
Am Abend nimmt Capella Mariana uns mit an den illustren Hof von Kaiser Rudolf II. in Prag, das damals wie Antwerpen ein kosmopolitischer Knotenpunkt war. Die Namen der Komponisten, die dort tätig waren, mögen heute nicht sofort eine Glocke läuten lassen – es sei denn, Sie besitzen auch eine außergewöhnliche Sammlung obscurer LP-Aufnahmen aus den 1950er und 1960er Jahren mit böhmischem Barock und Polyphonie – aber das macht die Entdeckung umso interessanter.
Ich freue mich besonders auf die Messe von Harant und auch auf die Art, wie diese Musik in einen Dialog mit Werken von Lassus und De Monte gebracht wird. Mit sechs Sängern auf der Bühne dürfen wir uns auf einen Klang freuen, der gleichzeitig transparent und flexibel ist, mit genug Spannung, um die Aufmerksamkeit mühelos zu halten.
Der Abend wird spät in der Sint-Joriskerk von "unserem" Utopia abgeschlossen. Ich gebe es zu: ein wenig Chauvinismus regt sich. Ihre Interpretation von Lassus und insbesondere der Lamentationen hat etwas Besonderes. Die Musik selbst ist inzwischen fest in meinem Kopf verankert, aber sie schaffen es doch jedes Mal, ihr eine neue Dimension zu geben.
Singen sie es so, wie es im sechzehnten Jahrhundert wirklich klang? Das werden wir niemals sicher wissen, aber irgendwie fühlt es sich an, als würde diese Musik hier, durch flämische Stimmen, etwas natürlicher landen – wenn nur, weil ich mir schwer vorstellen kann, wie ein Spanier Lassus singt… obwohl ich mich gleichzeitig dabei ertappe, dass das vielleicht reiner Unsinn ist.
Freitag: keine Ruhe, aber Weltklasse
Freitag, 28. August, hat "nur" zwei Konzerte, was auf dem Papier fast wie Gnade für den inzwischen leicht ermüdeten Festivalgänger wirkt. In Wirklichkeit geht es einfach um zwei absolute Topmomenten.
Um 13 Uhr bringt New York Polyphony Werke von Hassler und Handl. Die Missa super Dixit Maria steht auf dem Repertoire vieler Chöre, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass diese vier Herren ihr eine ganz eigene Interpretation geben, wobei sie mühelos die südliche Geschmeidigkeit mit einer nördlicheren Klarheit verbinden.
Und dann das Abendkonzert, bei dem ich ohne Schande auf einen früheren Titel über diesen Artikeln zurückgreifen darf: nec plus ultra. Die Vesper von Monteverdi, aufgeführt von Vox Luminis, eigentlich muss da wenig hinzugefügt werden. Das Konzert ist nicht zufällig ausverkauft, denn diese Kombination garantiert eine Art Musikfeuerwerk, das gleichzeitig verblüffend verfeinert und maßlos überwältigend ist.
Monteverdis Vesper bleiben ein Meisterwerk, in dem Liturgie und eine fast opernhafte Dramatik zusammenkommen. Einst als Visitenkarte geschrieben, aber heute immer noch in der Lage, Kirchen und Säle mühelos zu füllen. Das ist genau die Art von Konzert, die ein Festival auf diesem Niveau definiert.
Samstag: Abschied mit Perspektive
Und dann ist da der unvermeidliche letzte Tag.
Eine besondere Erwähnung verdient immer wieder das Konzert der Sommerschule. Ich nehme mir jedes Jahr vor, dort irgendwann selbst teilzunehmen. "Vielleicht nach meiner Rente!", sage ich dann. Aber zum Glück gibt es genug andere, die weniger aufschieben und sich voll reinschmeißen. Was die Kursteilnehmer in kurzer Zeit erreichen, bleibt beeindruckend, ebenso wie die Art, wie die Betreuer sie dabei mitnehmen.
Für die ganz Kleinen gibt es am selben Tag eine Aktivität in der Steiner-Schule Hibernia, wo Musik spielerisch zum Leben erweckt wird. Das Bild von Kindern, die auf einem klingenden "Floß" von einer ständig verändernden Welt mitgenommen werden, ist nicht nur schön, sondern auch hoffnungsvoll: So wird der Keim für eine nächste Generation von Hörer gelegt – und damit für zukünftige Ausgaben von Laus Polyphoniae.
Abends geht das Festival stilvoll zu seinem Höhepunkt mit The Gesualdo Six, von De Standaard kürzlich als „die Kathedralenchor in Taschenformat" beschrieben. Ich gebe es gerne zu: Meine Schwäche für englische Chormusik ist groß, und am liebsten höre ich sie auch von englischen Sängern aufgeführt. Es gibt viel zu diskutieren über Aufführungspraxis, Stile und historische Korrektheit, aber wenn sie diese Musik singen, etwas das in ihrer Tradition bereits Jahrhunderte lang geschieht, dann fühlt es sich einfach sehr richtig an.
Auf Wiedersehen!
Ein mehr als würdiger Abschluss einer abermals beeindruckenden Ausgabe. Es muss für die Organisation jedes Jahr schwieriger werden, diese Messlatte gleich hoch zu legen, geschweige denn höher, und doch schaffen sie es immer wieder, dank einer intelligenten Kombination aus Thematik, Repertoire und Ausführenden.
Ich freue mich jetzt schon auf 2027. Aber erst: Lassen Sie uns vor allem genießen, was es gibt, hier und jetzt. Ich hoffe, dass diese kleine Serie Ihren Appetit nur geschärft hat.
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