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Rezensionen

Französische Finesse - Königliche Musikkapelle der Guides 193 Jahre Erfolgsstory

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· 4 Min. Lesezeit
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Französische Finesse - Königliche Musikkapelle der Guides 193 Jahre Erfolgsstory

Der Königin-Elisabeth-Wettbewerb, 88 Jahre lang eine Erfolgsstory, eine symbolische Namensänderung nicht zu unterschätzen. Kein zwei ohne drei. Die dritte Erfolgsstory war das Galakonzert in BOZAR, mit dem die Koninklijke Muziekkapel van de Gidsen u.L.v. Yves Segers traditionell den Namenstag des Königs feierten, zusammen mit Pianist Valère Burnon, Dritter Preis beim jüngsten Königin-Elisabeth-Wettbewerb.

Diesmal keine Rach 3 oder Tschaikowski 1! Dafür das Klavierkonzert von Maurice Ravel, der dieses Jahr 150 Jahre alt geworden wäre. Grund genug, dem ganzen Konzert einen französischen Charakter zu verleihen. Klara-Moderatorin Katelijne Boon setzte den Ton in ihrem knallroten Kleid mit entsprechendem 'truc und plumes'. Das Programm war dann auch eine Auswahl des französischen Impressionismus, dessen Mittelpunkt Ravel war. Es führte von Chabrier, Idol und geistiger Lehrer Ravels, über Fauré, Lehrer und Richtschnur Ravels, zum Star des Abends und einer der Inspirationsquellen in der langen Geschichte der De Gidsen, Maurice Ravel.

'Esprit français'


Chabrier war nicht nur von Ravel begeistert, auch Wagner und Adolphe Sax faszinierten ihn. Und da war die Ouvertüre zur in De Munt uraufgeführten Oper 'Gwendoline' ein überzeugender Beweis dafür. Nichts Besseres als die Farbpalette der De Gidsen, um mit epischer Ausdruckskraft und intensiver Lyrik die heldenhafte, aber tragische Liebe eines dänischen Königs zur sächsischen Prinzessin Gwendoline zum Klingen zu bringen. Die elegante Sicilienne, die Fauré auf Bitte seines Lehrers Camille Saint-Saëns schrieb, führte zur 'pièce de resistance', dem Klavierkonzert in G von Ravel.

Ravel hatte geplant, dieses funkelnde Werk zunächst 'Divertissement' zu nennen. Und diese Vision kam der Interpretation, die Valère Burnon davon gab, am nächsten. Keine zur Schau gestellte Kraft, keine perkussiven Angelegenheiten für das Klavier. Burnons angeborene Leidenschaft für Musik, sein ständiges Streben nach Lyrik und Ausdruck, seine tiefe Verbundenheit mit der Violine und mit dem Kammermusikgenre machten das anfängliche Allegramente zu einem virtuosen und zugleich poetischen Anlauf zu dem sublimen Mittelteil und zu einem teuflischen Presto finale. Glissandi, Triller, Gegentakte, wiederholte Anschläge, jazzy-Effekte, es war alles da. Aber auch herrliche Legatos, prägnante Kontraste und dieser undefinierbare 'esprit français'.

Valère Burnon ist ein würdiger Laureatus des Concours. Das zeichnete sich schon früh ab. Denn als Achtjähriger sah er Anna Vinnitskaja den ersten Preis davontragen und wusste: "Eines Tages werde ich beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb teilnehmen". Achtzehn Jahre, fünf Konservatorien (Huy, Ciney, Lüttich, Köln, Imola), drei Jahre Künstler-in-Residenz an der Musikkapelle Königin Elisabeth in Waterloo, unzählige Meisterkurse, eine Vielzahl von Auftritten, zwei CDs mit starkem französischem Einschlag, verbissene Arbeit, ein Halbfinale mit Mozart KV 271 und Prokofjew Sonate 7 und ein Finale mit Rachmaninow 3 später, war es so weit: "Dritter Preis, Preis Comte de Launoit, Publikumspreis RTBF und VRT, Valère Burnon". Zufällig Dritter, genau wie sein Mentor Jean-Claude Vanden Eynden 1964. Gleicher Zufall: als würde sich der Kreis schließen, saß Anna Vinnitskaja in der Jury!

Glücksbringer


Auch sein erstes internationales Wettbewerbserfolg in Épinal 2019 bleibt Valère immer präsent. "Ich bin schon immer etwas vergesslich gewesen und als ich mich auf die erste Runde vorbereitete, merkte ich, dass ich meine Schuhe in Belgien vergessen hatte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als in schwarzen Turnschuhen aufzutreten und am nächsten Tag neue Schuhe zu kaufen. Und diese brachten mir Glück, denn ich gewann den ersten Preis! Und bei dem Gala mit den Juroren nach der Preisverleihung gaben einige zu, dass meine Turnschuhe nicht unbemerkt geblieben waren... Jetzt helfen mir eine solide Organisation, alles aufzuschreiben und ein sehr gutes Gedächtnis, wenn es um Musik geht."

Aus der von Diaghilev bestellten Ballettmusik 'Daphnis et Chloé' machte Ravel 'zwei Orchestersätze für großes Symphonieorchester mit dreifach besetzter Holzbläsergruppe, vierfach besetzter Bläsergruppe, großer Schlagzeuggruppe und einem Chor ohne Worte'. Diese rhythmisch verfeinerte Tanzreihe, unterbrochen durch poetische Zwischenspiele, gefiel Arthur Prevost für das Eliteharmonieorchester, das er von 1918 bis 1945 leitete. In seiner Bearbeitung gibt es herrliche Crescendi und Diminuendi, ein langes, subtiles Flötensolo und verspielte Motive, die wie Bälle herumgeworfen werden. Bereits 1932 dirigierte Prevost 'Daphnis et Chloé' während eines 'Ravel Festival' in Brüssel und Ravel selbst sein Klavierkonzert, mit Marguerite Long als Solistin.

Brücke zwischen zwei Welten


Noch Paris, noch Ravel aber erlebt durch George Gershwin. Der traf Ravel während seiner ersten Reise nach Paris 1928 und beschrieb seine Eindrücke mit einer Fülle von 'couleur locale' und mit Effekten, die den De Gidsen auf den Leib geschrieben sind. Die Übergabe von zwei Schecks für die Sozialwerke unterstützt durch das Verteidigungsministerium und die traditionellen Märsche rundeten den Abend festlich ab.

Details

Wer
Koninklijke Muziekkapel van de Gidsen o.l.v. Yves Segers, pianist Valère Burnon
Wo
Bozar, Brussel
Gesehen am
18 November 2025
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