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Ein schöner Mensch ist nicht mehr: Fürst Esterházy

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Ein schöner Mensch ist nicht mehr: Fürst Esterházy

Anton II., Durchlauchtig Hochgeborener Fürst Esterházy de Galantha, Erbgraf von Forchtenstein, gefürsteter Graf von Edelstetten, erblicher Obergespan von Ödenburg, zo klonk de volledige naam van de integere, sympathieke, altijd vriendelijke en goedhartige vorst Esterházy, liefhebber en kenner van alle Schone Kunsten.

Nach einer langandauernden Krankheit ist er würdig im Alter von 89 Jahren verstorben. Er widmete sein Leben der Pflege von Familientraditionen und dem Erhalt der Spiritualität des ungarischen Kulturerbes, insbesondere des Schlosses Esterházy in Fertöd. Dieser Fürst war in direkter Linie ein Nachkomme der Esterházy's, die Mäzene großer genialer Künstler wie Haydn, Mozart, Beethoven und anderer waren. Es war durch die Musik von Haydn, dass er jahrelang nach Mechelen kam, um zahlreiche Konzerte zu besuchen, die von der österreichischen Vereinigung Servus und der daraus hervorgegangenen Haydn Genootschap organisiert wurden. Mit Stolz dürfen wir mit Klassiek Centraal sagen und schreiben, dass er ein Fan unseres Magazins war, das er gerne las. Dieser ungarisch-österreichisch-deutsche Adelsfürst war ein Polyglott, der fließend Niederländisch sprach. Er liebte das flämische Land, das er als Student in den sechziger Jahren viel besser kennenlernte, als er Philosophie und Ingenieurwissenschaften an der französischsprachigen Abteilung der damals noch zweisprachigen Katholischen Universität Leuven studierte. Er erlebte die enormen Spannungen des flämischen Leuven mit. Er saß gerne mit flämischen Studenten im Het Kleine Tafeltje Rond, einst eines der vielen lebhaften Studentencafés in Leuven, heute ein trendiges Lokal für Touristen. Als ich ihn fragte, wo er denn so schönes Niederländisch gelernt hatte, erzählte er mir folgendes: "Im Kleine Tafeltje Rond, wenn wir Bier tranken mit diesen flämischen Studenten. Die waren viel 'sympathischer' als die Wallonen, hahahaaa". Na, das wussten wir nun auch. Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde er mit 11 Jahren faktisch Familienoberhaupt, obwohl sein Onkel bis zu dessen Tod der Titelträger blieb. Mit 19 Jahren landete er in unserem Land. Später kam er in die Geschäftswelt und nach dem Fall der Mauer und der kommunistischen Diktaturen, einschließlich Ungarns, setzte er sich unter anderem für die Neubewertung und Restaurierung des durch die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs stark beschädigten Palastes in Fertöd ein. Der Palast, in dem Haydn seine Abschiedssinfonie komponierte. Der ungarische Staat, nach dem Zweiten Weltkrieg Eigentümer des damals beschlagnahmten Palastes geworden, stellte in dem Palast, in dem der Fürst als Kind aufwuchs und wo er seinen Vater 2019 umgebettet ließ, eine Wohnung zur Verfügung, wo der Fürst und seine Familie wohnen konnten. Seltsam eigentlich, dein Eigentum, das durch Kriegswirren und politische Entscheidungen nicht mehr dein Eigentum ist, wo du Jahrzehnte nach deiner Vertreibung wieder wohnen darfst, brav zuhörend und unter Aufsicht des Staates. Haydn, das liegt nahe. Welcher Komponist anders als Joseph Haydn kann man mehr als alle anderen nicht von der fürstlichen Familie Esterházy trennen? Der Mecheler Österreichfan Alfons Deleus, zusammen mit seiner Ehefrau Marie-Jeanne Lambrechts, wollten ihren Jubiläumsverein groß feiern. Es wurde etwas mit klassischer Musik, nicht unbedingt die Musik, für die beide eingenommen waren, aber gut, um eine lange Geschichte kurz zu machen, es wurden Konzerte in Mechelen mit Musik von Haydn. Und das gefiel viel besser als gedacht. Daraus wuchs die Haydn-Biennale und später die Haydn Genootschap, die jährlich im Oktober/November die erfolgreiche Konzertreihe Amazing Haydn organisiert. Sie verlieren mit dem Tod von Fürst Anton II Esterházy de Galantha ihren Ehrenvorsitzenden, aber vor allem ihren Mentor und moralischen Pfeiler. Aus eins kam das andere und das Organisationstalent von Alfons Deleus, der wusste, dass man für große Feste nicht ohne die Botschafter, Bürgermeister und Minister von Ländern wie Österreich auskommen kann, brachte ihn zum unerreichbaren Fürsten. Der Mann und seine (spätere) zweite Ehefrau wurden echte Freunde. Und so lernten wir ihn mit Klassiek Centraal auch kennen und man darf sagen, er schätzte unsere Arbeit sehr hoch. So wollte er unbedingt bei einer Gouden Labels Uitreiking anwesend sein, wo er unter anderem dem Balletttänzer Alain Honorez das Gouden Label Carrière überreichte (Juni 2012). Ein paar Mal war ich zu Gast im wunderschönen Palast in Fertöd (Ungarn) und einmal sogar als Ehrengast bei einem Konzert im Palast, wo nur Menschen mit mehr Kapital bei einer Spendendatensammlung anwesend waren, um das ehemalige Opernhaus des Palastes wieder aufbauen zu können. Wie staunten all diese Menschen in der Pause: Wer war denn dieser nicht nach Protokoll gekleidete Mann, der dort, zusammen mit dem Fürsten, an einem Tischchen Apfelsaft trank und eine für sie unverständliche Sprache sprach, eine Sprache, die auch ihr Fürst offenbar fließend sprach?

Mit Fürst Esterházy verlieren seine Ehefrau, seine Familie, sein Palast, seine Mitarbeiter, sein Ungarn und Österreich, aber auch Mechelen, die Haydn Genootschap und Klassiek Centraal einen prächtigen Menschen. Er hinterlässt zahllose schöne, warme Erinnerungen. Auf Wiedersehen. Lebe wohl lieber Fürst und bitte, grüssts Joseph Haydn von uns!

Details

Wer
Anton II., vorst Esterházy de Galantha
Wo
Paleis Esterházy, Fertöd, Hogarije
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