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Klassik Zentral

Routa Kroumovitch & Alvaro Gomez: zwei Stimmen, ein gemeinsames musikalisches Zuhause

Für viele Leser von Klassiek Centraal sind Routa Kroumovitch und Alvaro Gomez möglicherweise noch unbekannte Namen. Dennoch gehören sie seit Jahren zu den festen Größen des Orfeo Music Festival in Südtirol (Italien). Als Musiker und als Lebenspartner teilen sie nicht nur eine beeindruckende internationale Karriere, sondern auch ein Leben, in dem Musik immer im Mittelpunkt stand. In einem Gespräch mit Werner De Smet für Klassiek Centraal berichten sie über ihre gemeinsame Geschichte, die 1972 am Konservatorium von Moskau begann.

Routa kam aus Lettland und hatte die Gelegenheit, dort bei dem legendären David Oistrakh zu studieren. Alvaro reiste aus Chile in die Sowjetunion für seine musikalische Ausbildung. "Gegensätze ziehen sich an", sagt Routa. Für sie waren Musik und Leben immer untrennbar miteinander verbunden. Als sie heirateten, wurde Musik von selbst zum Fundament ihres gemeinsamen Lebens. Alvaro bestätigt das und fügt hinzu, dass gemeinsames Reisen für Konzerte angenehmer ist als lange Phasen alleine unterwegs zu sein.

Obwohl beide eine aktive Solokarriere aufgebaut haben – als Solist, Kammermusiker, Konzertmeister oder Dirigent – finden sie noch immer viel Befriedigung im gemeinsamen Musizieren. Dabei bringt jeder seine eigene Persönlichkeit in die Interpretation eines Werkes ein. Dies führt manchmal zu unterschiedlichen Einsichten, aber wenn sie schließlich die gleiche musikalische Vision teilen, führt das laut Alvaro oft zu den schönsten Ergebnissen.

Dass sie sich auch künstlerisch beeinflussen, versteht sich von selbst. Routa erlebt die Begegnung zwischen zwei verschiedenen Kulturen als eine ständige Bereicherung, sowohl persönlich als auch musikalisch. Wenn Alvaro mit einer kritischen Anmerkung oder einem Vorschlag kommt, ist dieser nicht immer sofort leicht zu akzeptieren. Doch bemerkt sie oft, dass es nach einiger Überlegung wertvolle Ideen dahinter gibt. Alvaro weist auf die besonderen Herausforderungen des Repertoires für zwei Streichinstrumente hin. Besonders Intonation und Balance erfordern viel Aufmerksamkeit. Deshalb versuchen sie regelmäßig, die Rollen zu tauschen. Sie möchten vermeiden, dass eine Stimme immer die Führung übernimmt, während die andere nur begleitet.

Dieser ständige Dialog ist auch Teil ihrer Art zu kommunizieren während des Musizierens. Laut Routa wird diese Kommunikation als Paar reicher, schneller und manchmal auch komplexer, gerade weil sie zusammen das teilen können, das sie am glücklichsten macht: Musik. Dennoch bleibt Aufmerksamkeit notwendig. Alvaro nennt das Finden einer gemeinsamen Vision und die gegenseitige Unterstützung von Ideen etwas, das schwer in Worte zu fassen ist.

Im Laufe der Jahre sind bestimmte Komponisten ihnen besonders teuer geworden. Für Routa bleiben Bach und Beethoven unerschöpfliche Inspirationsquellen. Auch die Musik von Prokofjew und Schostakowitsch ist im Laufe der Jahre immer wichtiger geworden. Wenn sie sich auf ein Konzert, eine Sonate oder ein Kammermusikwerk vorbereitet, wird dieses Werk gewissermaßen ein Teil ihrer selbst. Alvaro nennt sich selbst einen echten "Latin Guy" und fühlt sich daher von Natur aus zur Romantik und Virtuosität hingezogen, entdeckte aber im Laufe der Zeit auch den Reichtum des traditionelleren Repertoires und zeitgenössischer Komponisten. Nach seiner Ansicht gibt es heute besonders viele talentierte Komponisten.

Die Frische in ihrem Repertoire zu bewahren ist kein Problem. Beide Musiker spielen ständig neue Werke und arbeiten regelmäßig mit lebenden Komponisten zusammen, die speziell für sie schreiben. Das hält ihr Duo lebendig und weckt auch ihre eigene Neugier. Gleichzeitig kehren sie mit Freude zu Werken zurück, die sie bereits aufgeführt haben. Routa bemerkt, dass sowohl die Musiker als auch die Musik weiter evoluieren. Dadurch ändert sich auch ihre Sicht auf ein Werk ständig. Keine Aufführung fühlt sich jemals völlig gleich an.

Diese Offenheit für neue Erfahrungen finden sie auch im Orfeo Music Festival wieder. Beide sprechen begeistert über die Kombination von hochwertigen Konzerten, Meisterkursen, Studenten und Kollegen-Musikern, eingebettet in die Kulisse der Südtiroler Berge. Für Routa schafft das Festival eine besondere Kollegialität zwischen Studenten und Dozenten. Sie nennt es eine fast magische Zeit. Alvaro schätzt besonders die entspannte Atmosphäre, in der Konzerte, Begegnungen und gemeinsame Ausflüge Hand in Hand gehen.

Auch als Lehrer erleben sie das Festival anders als den regulären Unterricht. Laut Routa sind sowohl Studenten als auch Dozenten dort entspannter. Studenten kommen nicht, um Noten zu erreichen, sondern um zu lernen und neue Ideen zu entdecken. Die Umgebung, die Wandermöglichkeiten, das Essen und die Atmosphäre tragen laut ihr alle zu dieser Offenheit bei. Gleichzeitig weist sie auf ein Problem hin, mit dem sich viele junge Musiker heute konfrontiert sehen, besonders aus den USA: die hohen Kosten für internationale Flugtickets. Vor der Pandemie kamen einige Studenten jahrelang treu zum Festival zurück; heute ist das für viele finanziell nicht mehr machbar. Nach ihrer Ansicht ist daher zusätzliche finanzielle Unterstützung für junge Musiker notwendig.

Was sie bei jungen Talenten zunächst bemerken, ist nicht nur musikalische Fähigkeit. Routa schaut besonders auf die Bereitschaft, hart zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln. Talent allein reicht nicht aus, findet sie. Mit Durchhaltevermögen können Menschen manchmal erstaunliche Dinge erreichen. Auch Alvaro betont, dass Leidenschaft und Hingabe unverzichtbar sind. Ohne diese Elemente bleibt selbst großes Talent ungenutzt.

Dennoch blicken beide mit Vertrauen auf die neue Generation von Musikern. Routa bemerkt, dass jede Generation durch andere Erfahrungen geprägt wird und daher auch anders auf Musik schaut. Alvaro sieht besonders die Vorteile der heutigen Zeit. Junge Musiker können heute leicht Aufführungen von Künstlern aus der ganzen Welt hören. Die Kombination traditioneller musikalischer Werte und moderner Möglichkeiten führt nach seiner Ansicht zu einem besonders hohen Niveau.

Ihre eigenen Erfahrungen versuchen sie weiterzugeben. Routa erzählt, dass sie während ihrer Karriere wichtige technische und musikalische Erkenntnisse gewonnen hat, die sie gerne mit ihren Studenten teilt. Für Alvaro ist das sogar eine Verantwortung. Alles, was Musik und Leben ihm gegeben haben, möchte er an die nächste Generation weitergeben.

Bezüglich der Rolle sozialer Medien und Selbstbewerbung bleiben sie nüchtern. Werbung ist wichtig, räumen beide ein, aber letztendlich muss jeder Musiker auf der Bühne beweisen, was er oder sie wirklich zu bieten hat. Sichtbarkeit allein ist nicht ausreichend.

Die Programmgestaltung des Festivals liegt nicht in ihren Händen, aber wohl die Wahl des Repertoires, das sie selbst bringen. Festivaldirektor Dr. Larisa Jackson gibt jedem Konzert ein eigenes Thema – dieses Jahr beispielsweise "Golden Evenings in Bressanone" und "Romantic Fire and Virtuosity" – und Routa und Alvaro schlagen ihrerseits Repertoire vor, das sowohl Studenten als auch Publikum fesseln kann.

Wenn es darum geht, neue Zuhörer zu erreichen, verweist Routa auf die vielen Momente, in denen sie nach einem Konzert Menschen getroffen hat, die sichtlich bewegt waren. Musik kann Menschen tiefgreifend berühren und sie motivieren, sich weiter in diese Welt zu vertiefen. Sie verdeutlicht das mit einem kleinen Experiment zu Hause: Sie ließ ihre Enkelin einmal einen Film ohne Ton ansehen, woraufhin diese nicht länger angespannt oder gerührt auf das reagierte, was sie sah. Für Routa der Beweis dafür, wie sehr Musik unsere Wahrnehmung einer Geschichte färbt. Alvaro bemerkt, dass Reaktionen überall auf der Welt unterschiedlich sind und oft unvorhersehbar bleiben. Gerade das macht das Publikum so fesselnd.

Auch die Zukunft der klassischen Musik wird angesprochen. Für Routa liegt eine wichtige Rolle bei Festivals wie dem Orfeo Music Festival vor, wo Bildung, Inspiration und Begegnung im Mittelpunkt stehen. Tägliche Lektionen, Meisterkurse und Konzerte motivieren junge Musiker und bringen Menschen zusammen. Sie weist darauf hin, dass viele Besucher jährlich zurückkehren und ihren Urlaub sogar auf das Festival abstimmen: Im vergangenen Jahr kamen beispielsweise 35 Studenten der amerikanischen Stetson University von Innsbruck zu einem der Konzerte. Alvaro sieht es einfacher: Klassische Musik muss auf natürliche und zugängliche Weise dargeboten werden, damit sich Menschen willkommen fühlen und nicht abgeschreckt werden.

Nach mehr als fünfzig Jahren gemeinsamen Musizierens bleibt ihre gegenseitige Kommunikation ein wesentlicher Bestandteil jeder Aufführung. Obwohl sie oft intuitiv spüren, wohin die Musik geht, betont Routa, dass Konzentration und Kommunikation immer notwendig bleiben. Musik lebt schließlich ständig und keine Aufführung ist jemals gleich. Alvaro drückt es noch deutlicher aus: Der Tag, an dem er während des gemeinsamen Musizierens keine Kommunikation mehr bräuchte, würde er aufhören zu musizieren.

Wenn sie heute zusammen auf einer Bühne stehen, überwiegt besonders Dankbarkeit. Routa fühlt sich gesegnet, dass sie so viele Jahre mit Alvaro musizieren konnte und gemeinsam Erinnerungen auf fast jedem Kontinent gesammelt hat. Alvaro fasst es in wenigen Worten zusammen: "Ich fühle mich gesegnet und unglaublich glücklich."

Nach mehr als fünfzig Jahren gemeinsamen Musizierens teilen Routa Kroumovitch und Alvaro Gomez noch immer die gleiche Überzeugung: Musik bleibt der rote Faden durch ihr gemeinsames Leben.

 

http://www.routaviolin.com/

http://www.alvarogomezviolin.weebly.com/

 

Detalhes:

Título:

  • Routa Kroumovitch & Alvaro Gomez: zwei Stimmen, ein gemeinsames musikalisches Zuhause

Fotografie:

  • Alvaro Gomez
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