Unsere Website wurde erneuert, gib selbst deine Veranstaltungen ein. Hast du einen Fehler gesehen? Schreib uns!

Klassik Zentral

"Ich habe in Ivan gelebt und sterbe in Malina": Obermullers en Gilberts Malina

Karola Obermullers und Peter Gilberts Malina, basierend auf Ingeborg Bachmanns Roman von 1971, führt uns durch ein vielschichtiges psychologisches Labyrinth. „Es war Mord ,"so spricht Ich, die weibliche Hauptfigur, sublime verkörpert durch Sopranistin Larisa Akbari.

Auf den ersten Blick ist die Geschichte ein Tauziehen zwischen Verstand und Begierde, verkörpert in den Figuren Ivan (ihr Liebhaber) und Ichs rationalem, männlichem Alter Ego Malina. Malina dringt tiefer in den psychologischen Zwang einer Schriftstellerin ein. Eine Frau, die zwischen Glück und Konformität, oder Freiheit und künstlerischem Verlangen ringt. Zusammen mit dem Theater Aachen bringen Obermuller und Gilbert ein tiefgewurzeltes psychologisches Vokaldrama auf die Bühne. Eines mit einer unendlichen Schicht von Fragen und Vorstellungen. Wir treten aus der Realität aus und tauchen zusammen mit Ich in die Psyche ein.

War es nun Mord oder nicht? Ingeborg Bachmanns Malina

Im Roman sind alle Figuren miteinander verflochten. Malinaursprünglich Teil der unvollendeten Sammlung Todesarten, ist Bachmanns einziges Meisterwerk über die Suche nach einer weiblichen Stimme und Glück, belastet durch die Einflüsse einer Nachkriegs-Patriarchalwelt.

Malina ist geschrieben als ein Bewusstseinsstrom, wobei die Hauptfigur ständig mitteilt, was sie denkt, fühlt und womit sie kämpft. Jeder Kontakt, den sie erlebt, sei es mit dem geheimnisvollen Malina oder mit ihrem unfreundlichen Liebhaber Ivan und seinen Kindern, beeinflusst ihre innere Welt. Dies zeigt sich in der Komposition. Das Ergebnis sind 85 Minuten ununterbrochene psychologische Spannung.

Malina ist auch noch ein Spiel im Spiel: das Märchen Die Geheimnisse der Prinzessin von Kagran vertauscht die Realität mit Fantasie. Parallel zu ihrem sogenannten (Un)glück läuft die Geschichte einer Prinzessin in einer magischen Utopie, die gefangen genommen wird und letztendlich die Freiheit – oder Emanzipation – findet. Auch hier wirken Trauma, Freiheit und Selbstausdruck nach. Die Prinzessin scheint das Patriarchat zu besiegen – gelingt das der Schriftstellerin auch? Der Roman eröffnet sich letztendlich mit der Frage "Mord oder Selbstmord?" Sowohl der Roman als auch die Oper enden mit ihrem Tod.

Die Poesie Bachmanns als psychologische Klangkunst

Franziska Angerers Regie ist düster, bedrohlich und melancholisch. Sie verbindet Schattenspiel mit einem deutschen neoexpressionistischen Schauspielstil. Übertriebene Bewegungen und Mimik verstärken das Gefühl der Desorientierung. Die grelle Beleuchtung lässt die Sänger flach, gebrochen und sogar manisch wirken. Während der Gesang weitergilt, sehen wir Schatten im Hintergrund und Schnappschüsse der Bühnenfiguren, als würden sie hier ihre wahre innere Welt zeigen. Durch die ganze Oper schleicht sich das Gefühl ein, dass man als Zuschauer fast voyeuristisch die Zerstörung eines Individuums miterlebt. Alles zerbricht vor deinen Augen, sowohl stimmlich als auch visuell. Die Klanggeschichte spielt sich vor, hinter und sogar an dir vorbei ab; die Regie spielt mit dem Raum und dem Saal.

Akbari als Ich bringt ohne jede Unterbrechung stimmlich ihre Abwärtsspirale mit Kraft und Intensität. Der Gesang wird durch Sprechstimme unterbrochen. In der Komposition, die genauso desorientiert ist wie die Geschichte, ist keine stimmliche Kohärenz zu finden, aber das muss es auch nicht. Timbres wechseln, während Gefühle entweder überschießen oder abflachen. Dies ist Akbaris Spielfeld, die die Herausforderung hat, ihre Gefühle sowohl gegenüber Ivan als auch gegenüber Malina darzustellen. Es ist schwierig, stimmlich nicht monoton in Hysterie und Schmerz verloren zu gehen, aber Akbari findet ihre Verletzlichkeit in Stimme und Rolle.

Countertenor Valer Sabadus' Malina-Stimme ist einzigartig. Er bewegt sich zwischen einem männlichen Timbre und einer weiblichen Sensibilität, was der Mehrdeutigkeit der Figur entspricht. Bariton Micah Schroeder als Ivan stellt sich dem gegenüber mit seiner lyrischen Bariton-Stimme. Unterdessen dialogieren der Prinz (Tenor Ángel Macías) und die Prinzessin (Koloratursopran Jelena Rakić) auf einer unsichtbaren, sekundären Bühne. "Auprès de ma blonde", ein traditionelles französisches Chanson, scheint die Fantasie in die Realität einzubringen. Die bedrohlichen Streicher, die mysteriöse Harfe: Alles bricht plötzlich vor dem Lied zusammen. Von Anfang bis Ende ist die Komposition unvorstellbar, bedrohlich und unfassbar.bringt eine psychologische Spannung und ein Drama, das fast hitchcocksch wirkt. Die Spirale des Widerspruchs ist spürbar und endet nicht mit einer klaren Auflösung: Selbst am Ende gibt es keinen finalen Seufzer.

Malina ist eine Oper, bei der du selbst bestimmen musst, was der emotionale Höhepunkt ist und welche Gefühle du erlebst. Die Oper und der Roman werden in einer neuen Komposition von Übermuller und Gilbert verflochten, die du unbedingt erleben musst! Malina ist eine Oper, bei der du selbst bestimmen musst, was der emotionale Höhepunkt ist und welche Gefühle du erlebst. Die Oper und der Roman werden in einer neuen Komposition von Obermuller und Gilbert verflochten, die du unbedingt erleben musst!

Detalhes:

Título:

  • "Ich habe in Ivan gelebt und sterbe in Malina": Obermullers und Gilberts Malina

Künstler:

  • Theater Aachen, Aachen

Ort:

  • 13. Juni 2026

Datum:

  • 6. Juni 2026

Fotografie:

  • Annemone Taake
nlNLdeDEenENfrFR