Wenn die ganze Stadt sich zum Feiern von Weihnachten und zum Willkommen heißen des Neuen Jahres herausputzt, dürfen die Wiener Opernhäuser natürlich nicht fehlen. In der Staatsoper stehen La Bohème und Hänsel und Gretel auf dem Spielplan in Erwartung von Die Fledermaus dem traditionellen Klassiker für Silvester und Neujahrstag.
Die Wiener Volksoper, die ihrem treuen Publikum ein abwechslungsreiches Repertoire aus Oper, Operette und Musical in deutscher Sprache bietet, kann aus ihrem reichhaltigen Angebot wählen. Um das 200. Jubiläum von Jacques Offenbach zu feiern, hat die Volksoper Le Roi Carotte, hier natürlich König Karotte ausgewählt, in einer Übersetzung des Librettos von Victorien Sardou durch Jean Abel und präsentiert mit Übertiteln der gesungenen Nummern.
Die Volksoper hat die Aufführung, die bei der Uraufführung etwa sechs Stunden dauerte, auf etwas über drei Stunden verkürzt, aber alle Szenen der Abenteuer von König Fridolin dem Krokodil beibehalten, auf der Suche nach einer Ehefrau, aber behindert durch die Hexe Kalebasse, die seinen Rivalen König Karotte produziert.
Nach einer ganzen Reihe von Abenteuern und Reisen durch die Zeit wird Fridolin, unterstützt durch den guten Geist Robin, seinen Thron zurückgewinnen und Rosée-du-Soir heiraten können. König Karotte muss zurück in den Gemüsegarten!
Der Regisseur Matthias Davids, unterstützt von Mathias Fischer-Dieskau (Bühnenbild und Projektionen), Susanne Hubrich (Kostüme), Kari Farkas (Choreografie) und Michael Grundner (Licht), hat ein äußerst farbenfohes Spektakel geschaffen, eher österreichisch-deutsch als französisch, aber insgesamt besonders lebendig. Die Anspielungen auf die aktuelle österreichische politische Situation kamen beim lokalen Publikum eindeutig sehr gut an!
Guido Mancusi leitete die Aufführung mit sicherer Hand, gut gefolgt vom Orchester der Volksoper, und nahm die zusätzlichen Ensembles (Kinderchor, Bühnenmusik) problemlos in das Ganze auf. Die Chöre engagierten sich vollständig in den vielen abwechslungsreichen Szenen, ausgestattet in den fantasievollsten Kostümen, und unterstützten das umfangreiche Solistenensemble in seinen vielen Abenteuern. Aus der beeindruckenden Besetzung sind definitiv hervorzuheben: Mirko Roschkowski, der dem jungen König Fridolin XXIV. hervorragende Gestalt verlieh, gewandt und sympathisch, und mit angenehmer, frischer Tenorstimme sang, Amira Elmadfa als sein guter Geist Robin mit warmer, ausdrucksvoller Stimme, Johanna Arrouas als charmante aber entschlossene Rosée-du-Soir mit frischer Sopranstimme, Anja-Nina Bahrman als malerische Cunégonde, Sung-Keun Park als hilarious König Karotte und Christian Graf als boshafte Hexe Kalebasse.
Ein Spektakel ganz anderer Art war "Der Zauberer von Oz", eine Bearbeitung für die Volksoper des Musicals von Harold Arlen und E.Y. Harburg sowie des bekannten Films, zusammen mit einer für die Royal Shakespeare Company erstellten Version und für die Volksoper von Henry Mason und Helene Sommer adaptiert. Erstmals 2014 aufgeführt, kehrt diese Version von "The Wizard of Oz" in einer deutschen Fassung von Klaus Eidam zur Jahresendsaison ins Programm zurück.
Kinder und Jugendliche füllten den Saal der Volksoper und nahmen begeistert an den Abenteuern von Dorothy teil, die entschieden das Haus ihrer Tante in Kansas mit ihrem Hund Toto verlassen möchte. Auf ihrem Weg trifft sie seltsame Gefährten wie eine Vogelscheuche, einen Löwen und einen Blechmann und erlebt mit ihnen allerlei Abenteuer.
Die Inszenierung von Henry Mason, das Bühnenbild und die Kostüme von Jan Meier, die Choreografie von Francesca Aboser und die Videobildern schufen die gewünschte Atmosphäre. Das junge Publikum reagierte spontan, und besonders Christian Graf als die böse Hexe des Westens machte großen Eindruck. Die anderen Ensemble-Mitglieder präsentierten ein lebendiges und fesselndes Spektakel, gut unterstützt vom Orchester der Volksoper unter der Leitung von Wolfram-Maria Märtig.
- WAS: Oper "König Karotte" von Jacques Offenbach, Libretto Victorien Sardou übersetzt von Jean Abel und Musical Der Zauberer von Oz von Harold Arlen und E.Y. Harburg, bearbeitet von Henry Mason und Helene Sommer, deutsche Fassung von Klaus Eidam
- WER: König Karotte Dirigent: Guido Mancusi; Regie: Matthias Davids; Bühnenbild und Projektionen: Mathias Fischer-Dieskau; Kostüme: Susanne Hubrich; Choreografie: Kari Farkas; Licht: Michael Grundner – Stimmen: Mirko Roschkowski, Amira Elmadfa, Johanna Arrouas, Anja-Nina Bahrman, Sung-Keun Park, Christian Graf – Der Zauberer von Oz: Dirigent: Wolfram-Maria Märtig; Inszenierung: Henry Mason; Bühnenbild und Kostüme: Jan Meier; Choreografie und Video: Francesca Aboser. Für beide Aufführungen: Orchester und Chor der Volksoper Wien
- WO & WANN: Volksoper Wien, Wien, 16. und 18. Dezember 2019
- Fotos: © Volksoper Wien





