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Klassik Zentral

Pilgerfahrt

(c) Jakob Rosseel

DE SINGEL hat ihre Saison stilvoll mit einer phänomenalen Theateraufführung eröffnet: Pilgerfahrt. Eine zeitgenössische erforschende Pilgerreise, inszeniert von Komponist Siebe Thijs und Endregie Ferenc Balcaen in Zusammenarbeit mit vier fantastischen Performern/Musikern: Junior Akwety (Performer/Sänger), Arturo den Hartog (Countertenor), Suzan Peeters (Akkordeon) und Nathalie Van Meirvenne (Flöte) sowie einem vielfältigen künstlerischen Team.

Die vier Körper, Akwety, den Hartog, Peeters und Van Meirvenne durchqueren eine sich ständig verändernde Landschaft. Sie spielen Instrumente, aber auch Körper und Skulpturen. Sie sind ständig unterwegs, auf der Suche nach einem Ort, der ihnen noch fremd ist. In ihren Schritten verlieren sie sich selbst, verschmelzen mit dem Unbekannten und treffen erneut auf das wieder, das sie zu verlassen dachten, in anderen Gestalten.

Mit dieser zeitgenössischen Pilgerfahrt wird die Spannung zwischen Eigennutz und dem Geteilten erforscht, zwischen Individuum und Kollektiv. Es wird über und mit dem Anderen reflektiert und kommuniziert. Begegnungen und Abschiede finden statt in einer magischen Verkettung von intimen, spielerischen, chaotischen, überraschenden und hysterischen Fragmenten.

(c) Jakob Rosseel

 

Der Ausgangspunkt dieser multidisziplinären Aufführung ist die letzte Liederzyklus "A Pilgrimes Solace" (1612) des Renaissance-Komponisten, Lautenisten und Sängers John Dowland. In den lyrischsten Passagen der Aufführung können wir ein Echo von Dowlands Musik hören, die gegen Ende konkreter zu werden scheint. Besonders wenn Akwety und den Hartog ein wunderbar ergreifendes Duett präsentieren. Dennoch ist das Werk vor allem sehr zeitaktuell mit einer eigenwilligen Sicht darauf, was Unterwegs-Sein heute bedeuten kann und darf.

Anfangs scheinen die vier Körper in Harmonie auf ihrer gemeinsamen Insel zu sein, am Anfang ihrer Pilgerfahrt? Doch ziemlich schnell gehen sie ihre eigenen Wege. Die Inseln verteilen sich über den Raum, ebenso wie die Individuen, die sich gelegentlich treffen und zusammen erklingen. Die stimmlichen, instrumentalen und visuellen Elemente werden durch auditive Fragmente aus Feldaufnahmen ergänzt. Diese Aufnahmen wurden zu Beginn des kreativen Prozesses während eines gemeinsamen Spaziergangs des künstlerischen Teams gemacht.

In der Musik finden wir wiederkehrende Motive wie körperlichen Ausdruck gekoppelt mit dem Spiel eines Instruments. Diese einzigartige Verbindung erzeugt wunderbare und sehr spezifische Klangfarben. Manchmal scheint es sogar, als würden zwei Körper dasselbe Instrument spielen, sei es das Akkordeon, die Bassflöte oder sogar die Stimme! Diese einzigartige Kopplung trägt zur magischen Erfahrung und zum Abenteuer der Reisenden bei und bietet dem Publikum auch ein faszinierendes musikalisch-visuelles Ereignis. In der Musik selbst scheint das Atmen ein entscheidendes Thema zu spielen, sowohl bei stimmlichen als auch bei instrumentalen Zwischenspielen. Das Atmen verwandelt sich oft in Keuchen und umgekehrt, als wären die Körper von der physischen Anstrengung ihrer Reise erschöpft. Die Körper wie auch die Musik sind manchmal geschlossen, suchend und bisweilen sehr intim, sie transformieren sich kontinuierlich durch durchdachte choreografische Elemente. Der Raum und die Kulisse, in dem sie sich befinden, entwickelt sich organisch auf überraschende und manchmal spielerische Weise mit.

Der Komponist möchte die Aufmerksamkeit auf den Zwischenraum lenken, der sich von Punkt A zu Punkt B abspielt. Für viele Menschen mag dieser Zwischenraum vielleicht nutzlos erscheinen. Aber nach seiner Aussage bietet dieser Zwischenraum die Möglichkeit zur Reflexion oder sogar zu Begegnungen mit einem anderen Pilger. Das Gehen von Punkt A zu Punkt B kann auf verschiedene Weise geschehen, wie Laufen, Stolpern, Flucht oder sogar einen gemeinsamen Protest- oder Festmarsch (vgl. auf die Straße... I).

Die sich entfaltende Geschichte, nahezu ohne gesprochenen Dialog, wirkt zunächst ziemlich abstrakt, wird aber im Verlauf durch die logische Abfolge von Ereignissen greifbar. Wie in etablierteren klassischen Werken finden wir Momente der Erkennung und des Halts. Es ist an dem Publikum, sich selbst auf eine Pilgerfahrt zu begeben und damit die Geschichte teilweise selbst auszufüllen.

(c) Jakob Rosseel

 

Das Analysieren und Rezensieren eines Werkes, das vor allem für das Publikum für jedes Individuum anders erlebt werden wird, scheint eher unangebracht. Deshalb werde ich, als Ausnahme, doch kurz in der Ich-Person schreiben, aber ganz kurz dann 😉.

Manchmal war ich gerührt, verwirrt oder sogar erschrocken, aber ich konnte auch lachen und grinsen. Ein echtes Wechselbad der Gefühle, aber vor allem muss ich sagen, dass ich mich an einem einzigartigen zeitgenössischen und eigenwilligen, erforschenden, wunderbar audiovisuellen Werk erfreut habe. Bravo an alle, die beteiligt waren und zu ihrer Entstehung beigetragen haben!

Konntest du an diesem Wochenende nicht dabei sein? Keine Sorge, die nächsten Aufführungen finden in Brüssel, KVS Box am 18. Februar 2026 und in Den Haag, Amare am 8. März 2026 statt.

(c) Jakob Rosseel

 

 

Theater transparent

Konzept, musikalische Leitung, Musik: Siebe Thijs

Siebe Thijs

Endregie

Ferenc Balcaen

Performance

Junior Akwety

Countertenor

Arturo den Hartog

Akkordeon

Suzan Peeters

Flöte

Nathalie Van Meirvenne

Licht, Szenografie

Lars Uten

Kostümdesign

Zazie Bakos

Szenografie, Bühnenbild

Juan Pablo Plazas

: Choreografie

Bérengère Bodin

Ton, technische Koordination

Pieter-Jan Buelens

Außenperspektive

Mesut ArslanFrederik Neyrinck

Produktion

Siebe Thijs Musiktheater Transparant

Koproduktion

DE SINGELKVS (Brüssel) Platform 0090 (Antwerpen)C-TAKT (Pelt)Perpodium (Antwerpen)

mit Unterstützung von

Needcompany MusicaBijloke Summer Academy (Gent) Les Théâtres de la Ville de Luxembourg Steuervergünstigung der Belgischen Bundesregierung Flämische Regierung

 

Detalhes:

Título:

  • Pilgerfahrt

Künstler:

  • Siebe Thijs Ferenc Balcaen Junior Akwety Arturo den Hartog Suzan Peeters Nathalie Van Meirvenne

Ort:

  • DE SINGEL

Datum:

  • 12. September 2025

Fotografie:

  • Jakob Rosseel
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