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Klassik Zentral

Junior Ballet Antwerpen startet neues Kapitel mit ‚FURORE'

Altea Núñez und Alain Honorez, Tanz ist ihre gemeinsame Leidenschaft. Als ehemalige Spitzentänzer des Königlichen Balletts von Flandern mit beeindruckendem Portfolio gründeten sie 2019 zusammen mit Irma Sijnen das Junior Ballet Antwerp, kurz JBA. Eine Nachwuchscompagnie, in der talentierte, hochqualifizierte Absolventen aus aller Welt ihre erste professionelle Erfahrung sammeln – in einer Atmosphäre intensiver Zusammenarbeit, gegenseitigen Respekts und Offenheit.

Mittlerweile ist der Name und Ruf von JBA weit über die Grenzen hinaus vorgedrungen – und das zu Recht. Ihre Plattform erhält Unterstützung und Ermutigung von Fachleuten der Tanzwelt weltweit. Die Vielfalt der Bewegungssprachen bildet das Fundament ihrer Ausbildung. Sie verwebten nicht nur kulturell unterschiedliche Referenzen, sondern auch die Vielfalt des Tanzvokabulars.

Die Jahre waren nicht die einfachsten für die Entwicklung von JBA. Corona warf Spannstein in den Fluss. Aber leidenschaftliche Künstler lassen sich nicht leicht aus dem Gleichgewicht bringen oder ausbremsen. Dieses prägnante Zitat von Mark Twain charakterisiert ihren Durchhaltewillen perfekt: "Sie wussten nicht, dass es unmöglich war, also taten sie es". Mit Kampfgeist und Fantasie manövrierten sie durch diese schwierige Zeit und zogen sogar zusätzliche Kraft daraus. Fünf Jahre harte Arbeit und die Unterstützung einer zukünftigen Balletttänzer-Generation bei der Schaffung dynamischer, vielfältiger und künstlerisch aufgeladener Aufführungen. Die Messlatte wurde in den vergangenen Jahren immer höher gelegt.

2025 feierten sie ihr erstes fünfjähriges Jubiläum. Mit 'FURORE' – einem umfassenden Titel, der für Furor, Leidenschaft, aber auch Verzückung und Begeisterung steht – beginnt ein neues Kapitel. Dieses beeindruckende Triple-Bill umfasst zwei Weltpremieren: 'Saltarello', eine Choreografie von Jorma Elo, 'Furore' von Nachwuchskünstler Francesco Annarumma, und Hauschoreografin Altea Núñez überarbeitete ihre Choreografie 'Yu' für die Company. Die Gruppe, mit der dieses Jahr gearbeitet wird, besteht aus 15 Damen und 4 Herren. Die Choreografien stellen die Frauen in ihrer Kraft dar. Drei unterschiedliche Stile, aber man sitzt von Anfang bis Ende fasziniert und schaut auf dieses junge Talent, das in ihren Aufführungen sozusagen an Perfektion heranreicht – mit bewundernswerter Technik und Geschmeidigkeit. Jede Bewegung ist bis zur Feinheit ausgefeilt.

'Saltarello' Choreografie Jorma Elo (Weltpremiere)

Musik: Antonio Vivaldi/Heinrich Ignaz Franz Biber/Felix Mendelssohn

Der finnische Choreograf Jorma Elo ist in der Antwerpener Tanzszene keine Unbekannte. Vor mehr als zehn Jahren erhielt er vom Ballet Vlaanderen, damals unter der künstlerischen Leitung von Kathryn Bennets, den Auftrag, zwei Werke zu schaffen. Als Hauschoreograf des Boston Ballet hat er viele Weltpremieren auf seiner Liste. Mit solch hochqualifizierten Choreografen arbeiten zu können, ist für die jungen Tänzer der Company ein Segen.

Mit sechs Damen und zwei Männern schuf Elo, inspiriert und vorangetrieben durch die Musik der drei Komponisten, eine wirbelnde Choreografie. Kompositionen voller Spielraum, Herausforderungen und Überraschungen. Wenn sich der Vorhang öffnet, stehen die Tänzer mit ausgebreiteten Armen da, wie eine Schar Gänse in V-Formation, im Rücken ein azurblauer Hintergrund. Die sechs Frauen tragen ein geschmeidig fallendes hellblaues Kleid, die Männer einen dunkelblauen Anzug. Der erste Teil ist rein klassisch zu beschreiben – würzig und feurig mit überschäumender Jugendlichkeit und dynamischer Qualität mit vielen Sprüngen, Pirouetten und einem fantastischen synchronisierten Bewegungsmuster, das an Perfektion heranreicht. Jeder Akzent in der Musik fällt exakt mit der Bewegung zusammen, was von einem großartigen musikalischen und rhythmischen Gespür zeugt. Der zweite Teil ist etwas ruhiger und zeigt mehr Formen zeitgenössischen Tanzes. Der dritte, vierte und letzte Teil ist eine Mischung aus beiden. Ein freudiger Akt und fantastische Performance.

Assistent Choreograf: Nancy Euverink
Kostümdesign: Ria Van Looveren i.Z.m. Jorma Elo
Kostümausführung: Ria Van Looveren & Jolien Deweerdt
Lichtdesign: Gloria Montesinos i.Z.m. Jorma Elo
Repetent: Altea Núñez
Tänzer: Ella Matthews, Lizé Mentz, Maja Grubic, Letizia Austoni, Sora Nishida, Halle McGregor, Silvio Nikolov, Ludovico Gallo

'Yu' Choreografie Altea Núñez

Musik: Johann Johansson & Yair Elazar Glotman/John Williams/Juno Reactor

Altea Núñez war eine talentierte Ballerina, aber Choreografie ist wirklich ihre Berufung. Mittlerweile werden ihre Stücke international geschätzt und aufgeführt. Musik ist ihr Treibstoff und ihre Zündung. Mit 'Yu' vollbrachte sie bereits kleine Wunder. Sie schuf dieses Werk 2019 für die männlichen Schüler der Königlichen Ballettschule, inspiriert von Kampfkunsten. Es wurde auch während der Gründung von JBA aufgeführt. Die Kombination der fließenden langen schwarzen Röcke und kraftvollen Sprünge sorgte damals schon für ein Bild, das nachwirkt. Während Corona suchten Alain und Altea nach anderen kreativen Lösungen, um die Company am Leben zu erhalten. Das Medium Film erwies sich dort als am geeignetsten. "In der Beschränkung zeigt sich der Meister". Mit den Corona-Beschränkungen im Hinterkopf machte sie daraus ein stilisiertes Duett für zwei Tänzer. Auch beeindruckend.

Diese dritte Bearbeitung für die gesamte Company, hauptsächlich mit Frauen, übertrifft alles. Sie ist magisch wunderschön. Die Musik wurde um eine treibende perkussive Passage erweitert, und auch die Kostüme erfuhren eine Erneuerung mit roten Bodies und schwarzen geschmeidig fallenden langen Röcken mit rotem Futter. Gleichberechtigung ist das Spiel. Altea versteht es, mit weiblichen Nuancen ihre Ideen in intelligente, gefühlvolle Körpersprache umzusetzen. Die Choreografie spiegelt Kraft, Widerstandsfähigkeit, aber auch Verletzlichkeit wider. Das Ganze wirkt wie ein wunderbar geschliffener glühender Rubin. Wenn sich der Vorhang öffnet, ist die Szene in diffuses Grau gehüllt. Die Tänzer suchen ihren Weg in der Welt. Der eine langsam und gequält, der andere explosiv, ein anderer durchschneidet den Raum. In bestimmten Momenten werden sie zur Einheit, sind sie verbunden. Das Ganze bezieht sich auf den Zeitgeist: Einsamkeit und Verbundenheit. Das Gesamtwerk – Musik, Tanz, Kostüme, Beleuchtung – zeugt von stilisierter Präzision und raffiniertem Glanz sowie intensiver Durchdringung. In einem bestimmten Moment wird ein Männergesicht ausgeleuchtet. Er sieht aus wie ein griechischer Gott. Ein Mann/Frau-Duett vervollständigt das Bild. Als Zuschauer wird man von der physischen Kraft der Musik mitgerissen und davon, wie die Bewegung im menschlichen Körper entsteht – das Sinnlich-Weibliche und das Virile-Männliche.

Kostümdesign & -ausführung: Ria Van Looveren i.Z.m. Altea Núñez
Lichtdesign: Gloria Montesinos zusammen mit Altea Nuñez
Tänzer: Lizé Mentz, Letizia Austoni, Maja Grubic, Seohyun Mo oder Arisa Hirono, Sora Nishida, Halle McGregor, Phoebe Watson oder Valentine Chaumet, Amber Du Bois, Benedetta Sicillia, James Cooper, Silvio Nikolov, Ludovico Gallo

'FURORE' Choreografie Francesco Annarumma (Weltpremiere)

Musik: Ezio Bosso
Assistent Choreograf: Tars Vandebeek
Kostümdesign: Francesco Annarumma zusammen mit Ria Van Looveren
Kostümausführung: Ria Van Looveren
Lichtdesign: Gloria Montesinos zusammen mit Francesco Annarumma
Repetitor: Altea Nuñez
Tänzer: Ella Matthews, Lizé Mentz, Letizia Austoni, Maja Grubic, Seohyun Mo, Maria Cordero, Arisa Hirono, Sora Nishida, Halle McGregor, Phoebe Watson, Valentine Chaumet, Amber Du Bois, Benedetta Sicilia, James Cooper, Silvio Nikolov, Ludovico Gallo, Inès Valet, James Cooper, Samuel Kendal

Francesco Annarumma kann man als einen Schlüsselspieler in der Welt der jungen Choreografen bezeichnen. Wie entdeckt JBA all diese renommierten und vielversprechenden Choreografen? 2024 fungierte Alain Honorez als Jurymitglied bei einem Wettbewerb für junge Tänzer und war nicht nur vom hohen Niveau überrascht, sondern auch von der Choreografie eines Tanzschaffenden im Besonderen: Francesco Annarumma. Es wurden sofort Absprachen getroffen. Alain Honorez bat ihn, den Abschluss des Abendprogramms zu gestalten, das das italienische Wort FURORE bedeutet – Übersetzung für 'Raserei' oder 'Aufruhr'. Es wurde intensiv nach einem passenden Musikstück gesucht. Letztendlich fanden sie sich bei 'THE ROOTS – A Tale Sonata' des italienischen Komponisten Ezio Bosso wieder, der vor einigen Jahren starb. Dieses aktuelle Werk enthielt alle Elemente, nach denen Francesco Annarumma suchte. Jeder Choreograf sorgt für einen Wandel der Energie im Raum. Die Tänzer von JBA müssen erneut eine völlig andere Gefühlspalette und Tanzstile interpretieren. Das Ganze ist fesselnd und gefühlvoll. Ein fast nackter Körper liegt mitten auf der Bühne. Kommt wackelnd und unsicher auf die Beine und erkundet den Raum. Ein Tänzer mit einem wunderbar proportionierten Körper. Alle Damen stehen in einer Reihe rücklings zum Publikum gewandt. Sie wirken wie Wachsfiguren. Sie drehen sich zum Publikum und schreiten vorwärts auf Spitzenzeichen in einer völlig synchronen Bewegungssprache. Die langen ausgestreckten Silhouetten haben etwas Geheimnisvolles. Visuell ein schönes Schauspiel. Der Junge weicht vor der Flutwelle zurück, die auf ihn zukommt. Der Anfang der Choreografie setzt auf Einfachheit und formale Perfektion, es gibt auch reichlich Bodenarbeit. Fall and Recovery. Einfach in der Lesbarkeit oder gerade sehr kompliziert. Eine ehrliche, ergreifende Darstellung des Zustands, in dem wir derzeit leben. Nach und nach bekommt die Aufführung mehr Farbe. Tropfenweise erscheinen die Tänzer in rotem Outfit auf der Bühne und die Aufführung bricht in eine Explosion aus Tanzvergnügen und Lebensfreude aus.

'FURORE' ist eine schöne und interessante Ballettaufführung mit drei Choreografien. Jede hat ihren eigenen Charakter, ihre eigene Dynamik und ihren eigenen Zeitablauf. Vielschichtige Stücke voller Nuancen, sanfte Lyrik und Tempowechsel. Welche Informationen möchte man als Künstler mit dem Publikum austauschen? Gibt man wenig oder viel Informationen preis? Es ist jedes Mal eine Untersuchung von Rhythmus und Ausdruck in fließenden Bewegungen. Die musikalische Architektur ist für Choreografen und Tänzer immer eine Herausforderung. Für die jungen Tänzer von JBA gibt es nichts anderes als Lob. Das Publikum war eindeutig von dieser Aufführung beeindruckt und würdigte das beeindruckende Ensemble mit minutenlangem Stehapplaus.

Detalhes:

Título:

  • Junior Ballet Antwerpen startet neues Kapitel mit ‚FURORE'

Künstler:

  • Junior Ballet Antwerpen

Ort:

  • Oper Antwerpen

Datum:

  • 27. März 2025

Fotografie:

  • Filip Van Roe

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