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Klassik Zentral

Nemanja Radulović: Musik als Lebenshauch

Für viele Leser von Klassiek Centraal ist Nemanja Radulović noch immer ein Name, der Neugier weckt. Wer ihn jedoch einmal auf der Bühne gesehen hat, vergisst ihn nicht so schnell: eine Erscheinung, die genauso ausgeprägt ist wie sein Spiel, und eine Musikalität, die sich schwer in Konventionen fassen lässt. Doch hinter dieser Intensität verbirgt sich, wie sich zeigt, vor allem ein einfacher Antrieb: Freude. Anlässlich seines Konzerts am Freitag, 24. April mit dem Belgian National Orchestra in BOZAR sprach Werner De Smet mit ihm.

"Vor allem bin ich ein glücklicher Mensch", sagt Radulović ohne Umschweife. "Und ein glücklicher Musiker." Es klingt beinahe entwaffnend, doch es beschreibt ihn vollkommen. Sein Weg – von Serbien nach Frankreich und von dort auf die internationalen Bühnen – hat ihn zu einem Künstler geformt, der sich nicht durch Herkunft oder Tradition begrenzen lässt. Im Gegenteil, er umarmt Einflüsse von überall. Musik ist für ihn keine festgelegte Identität, sondern eine ständig evolvierende Landschaft, in der jede Erfahrung ihre Spuren hinterlässt.

Diese Offenheit geht auf seine frühesten Erinnerungen zurück. Bereits nach wenigen Monaten Geigenunterricht stand er auf der Bühne. "Diese erste Erfahrung, vor Menschen zu spielen, gab mir so viel Freude. Von diesem Moment an wusste ich: Das wird mein Leben." Es ist ein seltener Moment der Klarheit, eine intuitive Gewissheit, die seitdem sein Kompass ist.

Wer sein Spiel hört, vernimmt oft Worte wie intensiv, spontan und unvorhersehbar. Radulović selbst bleibt dabei bescheiden. "Es ist schwierig, über sich selbst zu sprechen", lächelt er sozusagen zwischen den Zeilen. Doch er erkennt an, dass Spontaneität ein wesentlicher Teil seiner Persönlichkeit ist – sowohl auf als auch neben der Bühne. Seine Interpretationen bewegen sich zwischen Extremen: Intensität und Stille, Überraschung und Einfachheit, immer im Dialog mit der Partitur. Er neigt darin dazu, sich vollständig zu geben, lässt sich aber ebenso von der Partitur leiten, wenn diese Zurückhaltung verlangt.

Das Gleichgewicht zwischen Treue zum Text und persönlicher Freiheit sieht er nicht als Gegensatz. Im Gegenteil: das eine nährt das andere. "Ich versuche immer, tiefer nach den Emotionen in der Musik zu graben. Und oft führt mich das letztendlich zur Einfachheit zurück." Es ist ein bemerkenswerter Gedanke: dass Komplexität nicht der Endpunkt ist, sondern ein Weg zur Klarheit.

Auch seine Bühnenpräsenz – auffällig, aber nie erzwungen – wächst organisch aus dieser Haltung. Für Radulović ist Freiheit eine Voraussetzung, um teilen zu können. "Wenn ich versuche, etwas durchzusetzen, das nicht zu meiner Persönlichkeit passt, begrenzt das die Kreation." Authentizität ist keine Strategie, sondern eine Notwendigkeit.

Seine Jugend in Serbien, in einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Unruhen, hat zweifellos Spuren hinterlassen. Ohne sich explizit darauf zu konzentrieren, erkennt er an, dass jede Lebenserfahrung ihren Weg in die Musik findet. Musik wird so zum Spiegel der Existenz – und gleichzeitig zu einer Sprache, die über Worte hinausgeht. "Mit Musik können wir Emotionen teilen, die nicht auszusprechen sind."

Dieser breite Blick spiegelt sich auch in seinen Hörergewohnheiten wider. Von historischen Aufnahmen bis zu modernen Produktionen, von Weltmusik bis zu Jazz, Rock und Pop: alles nährt seine Vorstellungskraft. Grenzen zwischen Genres sind für ihn durchlässig, vielleicht sogar irrelevant.

Doch der Kern seiner Repertoireauwahl bleibt überraschend einfach: Schönheit. "Ich spiele Musik, die ich wirklich liebe." Es ist ein Kriterium, das gleichzeitig persönlich und universal ist – und das auch seine Arbeit mit dem Ensemble Double Sens prägt. Seit der Gründung 2008 baute er dort an einem musikalischen Kollektiv, das sich fast familiär anfühlt. "Ich wollte Musik mit Menschen machen, die ich gerne sehe, und die gemeinsam neue Interpretationen erkunden wollen." Die Idee der Verbindung – zwischen Menschen, zwischen Kulturen – steht dabei im Mittelpunkt.

Risiken scheut er dabei nicht. Oder besser: er sieht sie als wesentlichen Teil des Prozesses. "Die Freiheit, verschiedene Interpretationen auszuprobieren, ist wichtig. So werden wir mutiger und finden die beste Weise, unsere Leidenschaft zu teilen." Es klingt fast wie eine Lebensphilosophie, nicht nur in der Musik, sondern ebenso im Leben selbst.

Am Freitag, 24. April, bringt Radulović in Bozar (und danach noch in Hasselt und Paris) zusammen mit dem Belgian National Orchestra unter der Leitung von Antony Hermus Werke von Sergei Prokofjeff auf die Bühne, ein Komponist, der ihm besonders am Herzen liegt. "Ich liebe die imaginäre Welt, in die er dich mitnimmt. So viele Charaktere, so viele Geschichten ohne Worte." Mehr Info: https://www.nationalorchestra.be/nl/kalender/antony-hermus-nemanja-radulovic

Mit dem belgischen Orchester hat er zudem eine besondere Beziehung. Sein Debüt liegt fünfzehn Jahre zurück, und seitdem kehrte er regelmäßig zurück. "Ich liebe ihre Flexibilität, ihre Fähigkeit, Klang und Ausdruck je nach Repertoire zu verändern." Das Zusammenspiel fühlt sich für ihn wie ein natürlicher Dialog an, eher als eine hierarchische Beziehung zwischen Solist und Orchester. "Ich sehe mich niemals wirklich als Solist, sondern als Teil eines größeren Ganzen." Außerdem freut er sich darauf, wieder mit Dirigent Antony Hermus zusammenzuarbeiten, den er für seine positive Energie und musikalische Intelligenz lobt.

Selbst im Solorepetoire bleibt dieses Gefühl der Mehrstimmigkeit präsent: verschiedene Stimmen, Charaktere und Perspektiven, die zusammen einen inneren Dialog bilden. Musik ist für Radulović immer ein Netzwerk von Verbindungen.

Auch der Aufführungsort spielt eine Rolle: ein Saal wie Bozar bedeutet für ihn mehr als nur eine Bühne, sondern auch besondere Akustik, Geschichte und die Menschen, die dort arbeiten.

Und was bedeutet Musik heute für ihn, nach all den Jahren auf den internationalen Bühnen?

Die Antwort ist genauso einfach wie umfassend:

"Mein Sauerstoff. Mein Leben. Mein Glück. Meine Freude."

Detalhes:

Título:

  • Nemanja Radulović: Musik als Lebenshauch

Fotografie:

  • Jean-Marie Fox, Sever Zolak, Misha Obradovic
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