Klassiek Centraal hatte kürzlich die Gelegenheit, ein Interview mit Chris Gossye zu führen, Spieler und Vorstandsmitglied des Sonores Symfonieorchesters Gent. Sonores ist das älteste symphonische Amateurorchester Gents. Im Laufe der Zeit haben sie sich zu einem gemischten professionellen und Amateurorchester entwickelt (eines von vier ist professionell). Sie geben zwei Konzerte pro Jahr mit jeweils ausverkauften Sälen. Darüber hinaus arbeiten sie seit drei Jahren eng mit der Musica Mundi School zusammen. Am 21. Juni präsentieren sie als erstes symphonisches Orchester die Violinistin Oliva Dora Devoghel auf der Bühne. Oliva absolvierte die Yehudi Menuhin School und studiert nun weiter bei Donald Weilerstein in Boston.
Erfahrungen und Ursprünge
Wie seid ihr als Ensemble zusammengekommen und was hat euch von Anfang an zusammengeführt?
Die meisten Orchestermusiker spielen seit 2005 zusammen in einem symphonischen Orchester, das damals Akademos hieß. Nach der Entlassung seines Dirigenten Marc Sierens im Jahr 2018 erhielt das Orchester einen Neustart als «Sonores Symfonieorkest Gent» unter der Leitung von Joeri Van Hove.
Welcher klassische Komponist hat euch bei der Formung eures Ensembles am meisteninspiriert?Das Orchester spielt hauptsächlich Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Was war der Wendepunkt in eurer Karriere, der zu dem Erfolg führte, den ihr heute erlebt?
Es gibt keinen einzelnen Wendepunkt, aber einige wichtige Meilensteine wie die Zusammenarbeit mit der internationalen Musica Mundi School. Dies ermöglichte es uns, Konzerte zu programmieren, die außerhalb des Budgets des durchschnittlichen Amateurorchesters liegen. Auch die Zusammenarbeit mit der Akademie für Bühnenkünste Gent und dem Dirigenten Joeri Van Hove war ein wichtiger organisatorischer Anstoß. Das Orchester wird nicht nur durch talentierte Schüler gestärkt, mit J. Van Hove können wir auf einen der besten Dirigenten rechnen.
Karriere und Repertoire

Wie entscheidet ihr, welches Repertoire ihr spielt? Gibt es einen bestimmten Grund, warum ihr bestimmte Stücke auswählt?
Die Auswahl des Repertoires erfolgt durch ein Programmierungskomitee. Wir spielen die Klassiker des Repertoires (Beethoven, Dvořák, Schubert, Brahms, Tschaikowski), möchten unser Publikum aber auch mit Schostakowitsch, Korngold und Gershwin, zeitgenössischer Musik (Pichol), selten gespielter Musik (de Falla, Turina) überraschen.
Wie habt ihr die Entwicklung eures Repertoires im Laufe der Jahre erlebt, und wie hat dies euch als Ensemble geprägt?
Das Repertoire entwickelt sich tatsächlich vom 19. Jahrhundert hin zum 20. und 21. Jahrhundert, weniger bekannt beim Publikum und oft anspruchsvoller für das Orchester.
Gibt es bestimmte Komponisten oder Werke, die euch immer wieder herausfordern oder inspirieren?
Wir versuchen sicherlich, Beethoven im Repertoire zu behalten, aber mit weniger gespielten Werken. So programmieren wir nächstes Jahr Beethovens Triple Concerto mit Solisten der Musica Mundi School.
Wir versuchen sicherlich, Beethoven im Repertoire zu halten, aber mit weniger gespielten Werken. So programmieren wir nächstes Jahr Beethovens Triple-Konzert mit Solisten der Musica Mundi School.
Wie geht ihr mit der Interpretation klassischer Werke um? Habt ihr eine gemeinsame Vision oder finden Diskussionen statt?
Dabei spielt die Vision des Dirigenten eine wichtige Rolle. Er hat einen guten Sparringpartner in unserem Orchestermeister Sebastiaan Mindreau.
Zusammenarbeit und Dynamik
Wie würdet ihr die Dynamik innerhalb des Ensembles beschreiben? Wie beeinflusst diese Dynamik eure Musik?inspiriert?Die Dynamik zielt auf eine möglichst perfekte Aufführung ab, technisch und musikalisch. Jede Instrumentengruppe bespricht intern, wie wir das Beste daraus machen können. Die wöchentlichen Proben ermöglichen es uns, jedes Werk im Detail zu analysieren.
Wie stellt ihr sicher, dass jede Stimme in den kreativen Prozessen des Ensembles gehört wird?
Sowohl während der Proben als auch während der Pausen wird besprochen, wie wir zu besseren Ergebnissen kommen können. Als Verein organisieren wir auch Generalversammlungen.
Was unternehmt ihr, um die gegenseitige Bindung zu stärken, sowohl musikalisch als auch persönlich?
Wir organisieren jährlich ein Probenwochenende vor Ort, dieses Jahr in Kemmel vom 9. bis 11. Mai.
Habt ihr jeweils eine spezifische Rolle innerhalb des Ensembles, neben dem Spielen eures Instruments?
Es gibt tatsächlich eine de-facto-Aufgabenverteilung bei der Organisation der Konzerte, wie das Programmheft, den Saal, Sponsorensuche und Öffentlichkeitsarbeit.
Herausforderungen und Erfolgsgeschichten
Habt ihr jemals an der Zukunft des Ensembles gezweifelt? Wenn ja, wie seid ihr damit umgegangen?
Der unerwartete und plötzliche Weggang des vorherigen Dirigenten war ein Krisenmoment. Wir haben dann in mehreren internen Zusammenkünften beschlossen, in Eigenregie weiterzumachen, einen neuen Dirigenten zu suchen, einen neuen Namen zu finden, einen neuen Verein zu gründen und neue Sponsoren zu suchen. Alle Mitglieder haben dann auch einen finanziellen Beitrag geleistet, um das Orchester über Wasser zu halten. Natürlich hat uns die COVID-Zeit sowohl finanziell als auch musikalisch auch wehgetan.
Was war einer der denkwürdigsten Auftritte und warum bleibt dieser euch so in Erinnerung?
Das Sonores Symfonieorkest Gent brachte am 10. Juni 2023 mit Kristina Georgieva (Bulgarien) und Liav Kerbel (Israel) das Konzert für Violine und Cello von Brahms (Op. 102). Sowohl für das Orchester als auch für die Solisten ist dies eine extreme Herausforderung. Das Publikum war begeistert. Auch die Aufführungen der Klavierkonzerte zwei und drei von Rachmaninow waren Höhepunkte, die das Publikum in Verzückung versetzten.
Zukunft und Ehrgeiz
Welche musikalischen Ziele habt ihr für die kommenden Jahre?
Wir möchten gerne jungen belgischen Virtuosen eine Bühne geben, die Erfahrung mit einem Orchester sammeln möchten. So haben wir im Juni das Violinkonzert von Tschaikowski, das von Dora Oliva Devoghel aufgeführt wird, einem ‚aufstrebenden' Violinentalent. Sie studiert am New England Conservatory Boston. Wir hoffen, das mehr tun zu können.
Gibt es noch unverwirklichte Träume oder Projekte, die ihr gerne verwirklichen würdet?
Wir möchten gerne ein Programm zusammenstellen, das auch junge Menschen ansprechen kann.
Wie seht ihr die Zukunft der klassischen Musik, und welche Rolle spielt euer Ensemble dabei?
Klassische Musik hat sich als zeitlos erwiesen. Die Art und Weise, wie sie präsentiert wird (das ‚Format'), kann an die aktuelle ‚Aufmerksamkeitsspanne' des Publikums angepasst werden. In einer Welt, in der hochwertige Aufführungen in Bild und Ton ‚streambar' geworden sind, muss eine Konzertaufführung einen Mehrwert als ‚Erlebnis' bieten. Daher versuchen wir, jede Aufführung ‚einzigartig' zu machen.
Klassische Musik hat sich als zeitlos erwiesen. Die Art und Weise, wie sie präsentiert wird (das "Format"), kann jedoch an die aktuelle "Aufmerksamkeitsspanne" des Publikums angepasst werden. In einer Welt, in der qualitativ hochwertige Audio- und Videoaufführungen "streambar" geworden sind, muss ein Konzert als "Erlebnis" einen Mehrwert bieten. Wir versuchen daher, jede Aufführung "einzigartig" zu gestalten.
Welche neuen Wege oder Zusammenarbeiten möchtet ihr in Zukunft erkunden?
Wir möchten gerne ein Chorwerk aufführen (die 9. Symphonie, Verdi, ...), eine Fortsetzung unseres Januarprogramms "Filmmusik", eine Zusammenarbeit mit einer Theatergruppe.
Wie denken Sie, dass Ihre Musik das Publikum berührt? Erhalten Sie häufig Rückmeldungen von Hörern und wie beeinflusst Sie das?
Wie denkt ihr, dass eure Musik das Publikum berührt? Bekommt ihr oft Rückmeldungen von Zuhörern, und wie beeinflusst das euch?inspiriert?Wir bekommen oft Reaktionen auf Facebook, nach den Konzerten... In der Regel sind diese positiv.
Welchen Einfluss hofft ihr als Ensemble auf die klassische Musikwelt zu hinterlassen?
Wir rekrutieren pro Produktion etwa 15 professionelle Musiker. Wir möchten den Austausch zwischen der Welt der "professionellen" Musiker und der Welt der "Amateurmusiker" verbessern. In einer Welt, in der professionelle Musiker von professionellen Orchestern immer mehr projektweise eingesetzt werden, verschwimmt die scharfe Grenzlinie zwischen professionellen und Amateur-Orchestern. Das Gegenteil passiert auch: Musiker, die fest bei professionellen Orchestern angestellt sind, spielen in unserem Orchester mit. Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und erhöht die Zugänglichkeit klassischer Musik für ein breiteres Publikum: Veranstaltungsorte wie "Kulturzentren" (Kapazität ca. 400 Personen) können auf diese Weise auch sinfonische Werke anbieten.
In oder mit einem Orchester zu spielen ist eine Übung im Zuhören. Man lernt auch viel von den anderen Musikern. Es lehrt dich, als Team erfolgreich zu sein. Ein Orchester ist eine transparente und authentische Umgebung: Man kann nichts "faken".
Was würdet ihr jungen Musikern gerne von eurem Weg und euren Erfahrungen mitgeben?
In einem Orchester zu spielen ist ein kollektives Ereignis, das von jedem Mitglied Einsatz erfordert. Musikalisch lernen wir enorm viel von den professionellen Spielern, die das Orchester verstärken, und vom Dirigenten.
Musica Fura ist ein Ensemble, das projektbasiert arbeitet. Die Besetzung hängt also davon ab, was das Projekt erfordert. In der größten Konfiguration besteht das Ensemble aus:
Wenn ihr auf eure Karriere zurückblickt, welche Momente oder Leistungen sind euch am meisten Stolz?
Wir sind stolz auf die Glückwünsche, die wir manchmal von professionellen Musikern bekommen. Sie ermutigen uns, immer besser zu werden.
Sonores Elgar Cello Concerto Highlights mit Liav Kerbel:
© arco-music © Studio89 (Clos des Essarts 7 1410 Waterloo)
Zusammensetzung des Orchesters:
Dirigent:
Joeri Van hove Violine 1:
Sebastiaan Mindreau (Konzertmeister)
Melanie Desegher
Chris Gossye
Martin Leube
Irmgard Van Driessche
Irmgard Van Driessche
Ni Luh Made Vikhanaswari
Leen Hauspie
Anthony Pil
Altviole:
Christiaan Beyaert
Nancy Feys
Melanie Denolf
Noor Porrez
Eakarach Jansang
Kaatje Strauven
Violine 2:
Sara Talloen
Swantje Peirs
Muriel Musschoot
Nele Van Hoey
Pieterjan Schatteman
Mauro Agreda de Ro
Ruth Lambert
Lara Spruit
Irinja Schurmans
Monique Moorthamer
Edith Haesendonckx
Siewald Degraeve
Kontrabass:
Eline Dewilde
Anke Bastiaensen
Hilde Jonckheere
Cello:
Lore Stevens
Barbara Vlieghe
An Baeten
Kobbe Peirs
Lies De Mol
Helena Andrea Bosch Berth
Lisa Goethals
Roland Lambert
Harfe:
Olga Madrennes
Gitarre:
Matthias De Smet
Flöte:
Charlotte Van Bockstael
Lieve Wouters
Igor Derycke
Oboe:
Stijn Devolder
Jialiang Cai
Ellen Cardoen
Klarinette:
An Beazar
Martine Verberckmoes
Jan Porrez
Fagott:
Renate Spelmans
Gert van Kerckhove
Febe Sioen
Horn:
Lies Witteman
Paul Pichal
Daniel Reunes
Marc Bulteel
Trompete:
Thomas Dekeyser
René Dewaele
Alexander Ballegeer
Tuba:
Jeroen Verleden
Posaune:
René Van Herreweghe
Peter Blanckaert
Stefaan Dochy
Saxophon:
Louisa Declercq
Liesa Van de Voorde
Schlagzeug:
Kris Mampaey
Sven Beerens
Donovan Eggermont
Klavier:
Kristof Tessitore





