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Ferronati di Bergamo: Das süße Leben!

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Ferronati di Bergamo! Der Name allein ruft schon Bilder wach: Hügel, Berge und weite italienische Seen, die Sonne, die dich wohlig wärmt, und la dolce vita mit einem originalen Aperol Spritz auf der Terrasse einer historischen Villa. Vor mir liegt die CD Concerti & Mottetti per Santa Maria Maggiore von Ensemble Locatelli unter der Leitung von Thomas Chigioni.

Ferronati selbst ist vielleicht kein Name, der sofort eine Glocke läutet, aber im Bergamo des achtzehnten Jahrhunderts war er eine Schlüsselfigur. Mehr als sechzig Jahre lang war er mit der Cappella Musicale der Basilika Santa Maria Maggiore verbunden, zunächst als Violinist und später als maestro di cappella. Bemerkenswert ist, dass ein großer Teil seiner Musik verloren ging und bis vor kurzem kaum bekannt war. Diese Aufnahme – eine echte Weltpremiere – bringt da Abhilfe, mit kürzlich wiederentdeckten Concerti und Motetten, die wieder zum Leben erweckt werden.

Die Musik knüpft deutlich an die venezianische Barocktradition an: Echos von Vivaldi klingen in den Ritornelli an, den kontrastierenden Tempi und der prominenten Rolle der Solovioline. Gleichzeitig gibt es eine ganz eigene Handschrift, mit einer starken Verbindung von Virtuosität und Lyrik. Die CD ist darüber hinaus schön aufgebaut: instrumentale Concerti wechseln sich mit vokalen Motetten ab, was für Variation in Farbe und Charakter sorgt und eine natürliche Balance zwischen Ausgelassenheit und Stille schafft.

Das Bild des Getränks auf der Terrasse führt dich jedoch in die Irre. Ensemble Locatelli spielt mit einer Klasse, die den Aperol noch besser schmecken lässt: welch ein Klangvolumen! Sowohl in den Tutti als auch in den Solopassagen überfällt dich eine wohlige Wärme und ein fast physisches Erleben, wie schön Musik sein kann. Musik, die bis in die Zehen vibriert. Diese Italiener: sie hatten – und haben – savoir-vivre.

Die beiden Motetten verdienen absolut ihre Berechtigung und zeigen die typisch italienische barocke Virtuosität von ihrer besten Seite. Die fantastische Francesca Longa (selbst mit Santa Maria Maggiore verbunden) singt freudig das Crudelis Herodes (Vesper der Heiligen Drei Könige). Die ebenso beeindruckende Altistin Margherita Maria Sala liefert ein leidenschaftliches und virtuoses En gratulemur hodie (Vesper des Heiligen Antonius). Was besonders auffällt, ist der Klang beider Stimmen: voll, warm und rund, ohne je scharf oder aufdringlich zu werden. Sie bewegen sich mit selbstverständlicher Atmung, als würden sie dem Rhythmus eines ruhigen Herzschlags folgen – breit, großzügig und unverkennbar italienisch. Die vokalen Glanzpunkte liegen nicht dick auf, sondern wachsen organisch aus der Musik selbst.

Und just wenn du denkst, alles gehört zu haben, passiert wieder etwas, das deine Aufmerksamkeit frisch hält. Subtile Details machen den Unterschied: der gregorianische Gesang, wohlig italienisch gesungen, der sich durchs erste Motet webt, oder das verfeinerte Zusammenspiel zwischen Alt und Violine im zweiten. Es sind genau diese kleinen Details, die diese Aufführung sprechen lassen.

Ensemble Locatelli spielt scharf konturiert und äußerst präzise, mit großer Finesse in Artikulation und Phrasierung. Alles sitzt an seinem Platz, ohne je in akademische Steifheit oder Trockenheit zu verfallen. Im Gegenteil: Die Musik bleibt lebendig und beweglich, mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, in der die italienische – fast venezianische – Atmosphäre ungehemmt durchklingt.

Am Ende des Hörens jeder CD, über die ich schreibe, stelle ich mir die Frage: Warum sollte ich sie ein zweites Mal hören? Hier ist die Antwort klar. Nicht nur wegen des seltenen Repertoires, sondern vor allem wegen der Überzeugungskraft der Aufführung. Im Schlussstück schärft Ensemble Locatelli noch einmal die Messer und erreicht erneut diese beeindruckende Verbindung von Virtuosität und Musikalität.

Die CD wurde 2023 aufgenommen, also ist einige Zeit vergangen, aber wir sollten uns vor allem freuen, dass diese Weltpremiere es gibt. Ich bin schon neugierig auf weitere Entdeckungen des Mannes aus Bergamo und – vor allem – ich kann jedem nur dringend empfehlen, Ensemble Locatelli zu verfolgen und, mit etwas Glück, live zu hören!

Oder, um es wirklich mit einem Schlusssatz zu sagen: nach dieser CD bekommt man Lust auf die echte Sache: Bergamo, dieser Aperol und Ensemble Locatelli live. La Dolce Vita!

Veröffentlicht 17. April 2026

Detalhes:

Etikett / Herausgeber:

Referenznummer:

  • C01095

Strichcode:

  • 746160919379
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