Mit einem blauen Festivalbändchen erhielten Besucher Zugang zu den Rolltreppen von Tivoli Vredenburg in Utrecht. Hinauf in die sechste Etage, wo das Dutch Harp Festival am 7. und 8. Mai 2022 losbrach. Rund um das Thema "von den Ursprüngen in die Zukunft" konnte man sich mit verschiedensten Erscheinungsformen des Instruments Harfe vertraut machen.
Bei der Ankunft wurde das Festival im Pandora-Saal eröffnet. Das Publikum stand zwischen verschiedenen aufgebauten Mini-Bühnen. Immer wieder erwachte eine andere Bühne zum Leben, wo ein kurzer Vorgeschmack von einem Künstler aus dem Programm geboten wurde. Auftritte, die durch ihre Originalität auffielen, waren die von Maryna Krut (Gesang & Bandura), Remy van Kesteren und Myron Hamming (Harfe & Spoken Word) sowie die "World Harp Competition"-Teilnehmerin Julie Rokseth mit Andreas Rokseth (Volksharfe & Bandoneon).
Viele Besucher (einschließlich mir selbst auf Absätzen) hatten nicht mit dem stehenden Charakter der Eröffnung und vielen anderen Konzerten während des Festivals gerechnet. Künstlerischer Leiter Remy van Kesteren befürwortet einen Saal in Bewegung, trieb es hier aber vielleicht etwas zu weit. Mehrmals standen verwirrte Besucher zögerlich vor dem Saaleingang und suchten nach einem geeigneten Platz, weil sie nicht lange stehen konnten oder nicht auf einem Kissen auf dem Boden sitzen konnten.





Andrew Lawrence King & The Harp Consort präsentierten ein Programm, das sich auf den Komponisten Turlough O'Carolan konzentrierte, einen der bekanntesten "Harfner" Irlands. Mit Einflüssen sowohl der barocken Tanzformen des europäischen Festlandes als auch irischer Melodien wurde das Publikum mitgenommen. Schade war, dass die besondere historische Harfe von Andrew Lawrence King manchmal etwas in der Gesamtheit unterging. Als der Barock-Gitarrist plötzlich einen Hut aufsetzte und im traditionellen Stil zu tanzen begann, löste sich das Publikum immer mehr. Zwischendurch wurde die Geschichte von O'Carolan erzählt, der verschiedene Herausforderungen im Leben gemeistert hatte.
Weiter zu Mazaher, ein Ensemble aus Kairo, das die Tradition des Zaar aufrechterhält. Zaar ist eine von Frauen geleitete Zeremonie, die Trancezustände hervorruft, um die Geister zu beruhigen. Die Tanbura, eine 6-saitige Harfe mit Ursprüngen in Äthiopien, setzte die wiederholten Rhythmen. Der dumpfe Klang der Tanbura zusammen mit Gesang, Tanz, Trommeln und Tamburin erzeugten ein Gefühl von "Hypnose". Es muss schwierig sein, das als Musiker durchzuhalten, ohne selbst in Trance zu verfallen. Plötzlich übergab der Tanburaspieler sein Instrument seinem Kollegen und zog eine Art Glöckchenrock an. Damit begann er rhythmisch zu tanzen und nutzte seinen ganzen Körper als Musikinstrument.


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Uno Vesje (Gewinner World Harp Competition 2021) + Vokal Vivo Choir beeindruckte mit "736 million women", in dem er auf häusliche Gewalt aufmerksam macht. Ein Frauenchor stand in einem Halbkreis auf der Bühne mit Vesje auf der Harfe in der Mitte. Der erste Teil "facts and figures" machte sofort einen tiefgreifenden Eindruck. Verschiedene Mitglieder des Frauenchors sangen reihum die harten Fakten. Während der verschiedenen Teile wurden unterschiedliche Stadien behandelt, und im vorletzten Teil "seven attempts" wurden die Zuhörer sich der Komplexität bewusst, mit Texten wie "I need to get out" und "I am destroying myself", "Help me be free".
Maryna Krut war aus Kiew angereist und betrat mit enormer Präsenz die Bühne. Krut schaltete ihre Bandura ein und erzählte, dass sie sowohl eigene Werke als auch traditionelle ukrainische Lieder bringen würde.
Kruts Stimme in Kombination mit ihrer Bandura, die sie fast wie ein Kind auf ihrem Schoß hielt, ergriff. Besonders das Lied, das früher ihre Mutter vor dem Schlafengehen sang, war sehr bewegend, zusammen mit ihrer Botschaft für den Frieden.
Die Rwanderin Sophie Nzayisenga gekleidet in ein wunderschönes silbernes Glitterkleid, spielte ein Recital auf ihrer Inanga. Sie lernte das Spiel von ihrem Vater, der eine Berühmtheit auf dem Instrument war. Die Inanga wurde ursprünglich nur von Männern gespielt, und Nzayisenga ist die erste weibliche Inanga-Maestro, was nicht unbemerkt blieb und bei einigen zu Aufregung führte.
Die Inanga ist ein ovales Holzinstrument mit Saiten entlang gespannt, die Form ähnelt etwas einem kleinen Wakeboardbrett. Nzayisenga legte sich zunehmend ins Zeug mit verschiedenen Rhythmen, und das Publikum bewegte sich mit ihr. Den Höhepunkt hob sie sich für zuletzt auf, ein Gedicht über ihren Vater begleitet mit Rhythmen der Inanga, äußerst beeindruckend.


Als Abschluss das Finale des World Harp Competition, ein Wettbewerb, bei dem sich jeder Halbfinalist während des Festivals präsentieren konnte. Die drei von der Jury ausgewählten Finalisten waren Julie Rokseth (Folk-Harfe & Bandoneon), Maria sá Silva (Fado auf der Harfe) und Juanjo Corbalán (Paraguayische Harfe).
Während der Jurybesprechung nahm künstlerischer Leiter Remy van Kesteren uns noch einmal mit in die future mit seinem 'Roboter-Orchester'.
Eine imposante Maschine war um seine gigantische Reus 49 Harfe gebaut, mit den Füßen konnte er diese bedienen. Es erforderte eine beträchtliche Koordination, auf Höhepunkten hatte van Kesteren eine Hand an der Harfe, die andere auf den Tasten und seine Füße waren fleißig mit den Pedalen sowohl der Harfe als auch der Roboter beschäftigt. Leidenschaftlich erklärte er die Funktionsweise der Roboter. An allem war zu sehen und zu hören, dass er sich hierin vollkommen gefunden hatte.
Dann kam das Signal, dass der Gewinner bekannt war: Juanjo Corbalàn. Nach all diesen Eindrücken eine gelungene Ausgabe des Dutch Harp Festival, auf zur nächsten 2024!
WAS: Dutch Harp Festival
ORT: TivoliVredenburg, Utrecht
WANN: Samstag 7. und Sonntag 8. Mai 2022
© Jelmer de Haas
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