Das vergangene Wochenende war wieder Zeit für das Dutch Harp Festival: Das Programm wurde unter dem Thema 'Nacht von 1000 Saiten' gestaltet. Die ganze Nacht hindurch wurde Tivoli Vredenburg in Utrecht in ein Harfen-Paradies verwandelt, wo das Instrument in den verschiedensten Formen und Kombinationen zu hören war. Dieses Jahr fand der 'World Harp Competition' vor dem Festival-Abend statt. Dies ermöglichte es den Wettkampfteilnehmern, auch alles zu genießen, was das Festival zu bieten hatte. Der erste Preis und der Publikumspreis gingen an Kevin le Pennec (bretonische Harfe & Gesang), der zweite Preis an Amy Nam (Harfe & Poesie) und der dritte Preis an Ariel Sol (Harfe & Live-Technologie).
Einen Vorgeschmack auf 'eine 1000 Saiten' bekamen die Besucher zu Beginn des Abends bei der Eröffnung des Festivals im Pandora-Saal, wo auf kleinen Podien einige Künstler sich selbst mit einer Aufführung vorstellten. Juanjo Corbáláns Quartett mit aufwiegelnden südamerikanischen Rhythmen und Miriam Adefris & Tänzerin Yvonne Smink mit elektronisch verstärkter Harfe und hypnotisierenden Tanzsprüngen stachen in ihrem Mini-Auftritt heraus. Der künstlerische Leiter Remy van Kesteren initiierte abschließend eine gemeinsame Improvisation. Von oben nach unten durch den Saal trug jeder Künstler seinen Teil bei, das Publikum wurde völlig überwältigt mit verschiedenen Harfenklängen aus allen Ecken. Nach dieser atmosphärischen und verbindenden Eröffnung konnte 'the night of a 1000 strings' nicht länger auf sich warten lassen.
Was bei der Ankunft auf der Harfenfestival-Etage von Tivoli Vredenburg gleich auffiel, war die gemütliche und lockere Atmosphäre. Es war für die Besucher einfach, von Saal zu Saal zu gehen, um schnell ein kleines Stück einer Aufführung mitzunehmen.







Die spanische Harpenistetin Angélica Salvi versetzte ihr Publikum völlig in Trance mit repetitiven Mustern. Neben ihrem Instrument hatte sie einen Tisch voller Elektronik aufgestellt. Sie bediente abwechselnd ihre elektronischen Schalter und spielte die Saiten ihrer Harfe. Salvi nutzte allerlei Effekte wie Hall, Echo und Verzögerungen sowie allerlei seltsame Objekte, mit denen sie knackende, tikkende oder schleifende Geräusche aus ihrer Harfe holte. Die Harfenistin war ganz Ruhe hinter ihrem Instrument und 'im Griff', es war schön zu sehen, wie sie in ihr Spiel aufging und die Harfe & Elektronik organisch kombinierte. Als Zuhörer schwebten deine Gedanken träumerisch ab, durch die sich wiederholenden minimalistischen Motive. Manchmal schrecktest du auf, wenn unerwartet ein neuer Klang hinzugefügt wurde.
Bei Juanjo Corbáláns Quartett (Gewinner World Harp Competition 2022) flog das Dach weg. Der paraguayische Harpist packte seine Zuhörer mit swingenden Rhythmen und wilden Glissandi. In Kombination mit dem Saxophonisten in seinem Quartett hatte das Ganze eine verspielte Stimmung. Im Handumdrehen tanzte der ganze Saal mit.
Weiter zu Remy van Kesteren + ADAM quartet. Verschiedene Werke aus Kesterens Repertoire wurden in Kombination mit dem Streichquartett aufgeführt, eine schöne Ergänzung zum Klang. Van Kesteren spielte seine Reus 49 Harfe mit allerlei Tasten und zusätzlichen Pedalen für elektronische Effekte. Füge noch langsam wechselnde Visuals hinzu und das Erlebnis war perfekt. Es war schön, Nummern aus dem neuesten Album 'Muses' wiederzuerkennen, wie Avril 14th (Aphex Twin) und Crown (Kendrick Lamar). Der Harpist genoss sichtlich hinter seinem Instrument, er schuf damit eine entspannte Bühnen-Atmosphäre, was zu einem Hörvergnügen für das Publikum führte.
Die aus New York angereiste Harpenistetin Brandee Younger betrat die Bühne in einem leuchtend orangefarbenen Kleid mit goldenen Pumps und nahm dann Platz hinter einer glänzenden blauen Camac-Harfe mit abstrakten Mustern auf dem Resonanzkörper. Zusammen mit ihrem Schlagzeuger (Allan Mednard) und Bassist (Rashaan Carter) spielte sie ein Programm mit eigenen Werken und Nummern von unter anderem Alice Coltrane, Dorothy Ashby und Stevie Wonder. Sie ergriff mit dem selbstgeschriebenen Lied 'Unrest' zu Herzen, das sie während der Covid-Zeit komponierte, wobei die Harfenistin hauptsächlich im unteren Register ihres Instruments Klänge des Protests schuf. Im zweiten Teil ließ Mednard seine Drums in einem minutenlangen Solo los, es ging von groß zu klein, und rührte den Saal.
Dazwischen erzählte Younger persönliche Anekdoten zu den Werken, die sie spielte, unter anderem über den Beitrag von Dorothy Ashby zum Lied 'If it's Magic' von Stevie Wonder. Wo andere Harpisten es bezüglich des Pedalwerks nicht wagten, sorgte Ashby dafür, dass es passte. Younger brachte in ihrer Version mit jazzigen Arpeggios wunderbar die magische Melodie zum Vorschein, und der Frage in Stevie Wonders Text entsprechend fragte sich das Publikum: 'Why can't we make it everlasting'.
Nach einem Abend und einer Nacht voller Eindrücke, mit sicherlich mehr als tausend Saiten, bleibt noch eines zu tun: Notiere den 18. April 2026 in deinem Kalender für die nächste Ausgabe!





