Es ist zwar ein Gemeinplatz zu sagen, dass die Kammermusik von Johannes Brahms zu den besten je geschriebenen gehört. Aber wenn dies nicht gesagt wird, wird das Niveau, auf dem dieses Da Vinci Classics-Album gespielt wird, vielleicht nicht vollständig gewürdigt. Wir hören hier zwei ursprüngliche Transkriptionen, die der Komponist selbst angefertigt hat, von Brahms' zwei außergewöhnlich schönen Streichquintetten. Acht Jahre trennen die beiden Werke, und diese acht Jahre sind für Brahms' Übergang von seinem reifen zum späten Stil besonders bedeutsam. Einerseits stellen diese beiden Quintette somit erneut ein Beispiel für Brahms' typische Gewohnheit dar, Werke desselben Genres paarweise zu komponieren (was für ihn eine Möglichkeit war, sein musikalisches Denken zu ordnen und kontinuierlich neue Perspektiven zu erkunden). Andererseits regt die zeitliche (und teilweise stilistische) Kluft zwischen den beiden Werken uns dazu an, ihre einfache Gleichsetzung zu überdenken.
Es mag merkwürdig erscheinen, dass Brahms, dieser Riese der Kammermusik, sich erst relativ spät in seiner Karriere dem Streichquintett zuwandte. Er hatte diese Form zwar bereits versucht, aber das Ergebnis war sowohl befriedigend als auch unbefriedigend gewesen. Befriedigend, weil das Stück viele seiner frühen Hörer begeistert hatte; unbefriedigend, weil einige von ihnen (und letztendlich Brahms selbst) sich einig waren, dass die musikalischen Ideen und ihre Struktur vollkommen waren, die Instrumentation aber vielleicht nicht. Deshalb bearbeitete er es zunächst für zwei Klaviere und später für Klavier und Streicher (und in dieser Form erlangte es unsterblichen und wohlverdienten Ruhm).
Nach diesem relativen Rückschlag ließ Brahms einige Zeit verstreichen, bevor er zu Streichquintetten zurückkehrte; und in der Zwischenzeit arbeitete er intensiv an anderen Streichensembles, wie dem Streichsextett und natürlich auch dem Streichquartett.
Es kann daher etwas rätselhaft wirken, diese zwei absoluten Meisterwerke des Streichrepertoires auf einem Klavier gespielt zu hören. Übrigens erinnere ich mich als Pianist noch daran, dass ich Brahms' eigene Transkription von Bachs Chaconne übte, ausschließlich für die linke Hand, als mein Bruder, ein Geiger, vorbeikam und rief: "Mein Königreich für einen Bogen!". Tatsächlich hat das Klavier im Vergleich zu Streichinstrumenten zwei große Mängel. Der erste ist das Fehlen eines "Bogens", also der Möglichkeit, den Ton während seiner gesamten Dauer zu halten und dessen Intensität, Ausdruckskraft und Dynamik zu verändern. Wenn eine Klaviertaste gedrückt wird, kann man mit dem erzeugten Ton wenig anfangen. Der zweite Mangel hängt damit zusammen und betrifft die Linkshändtechnik des Streichers, insbesondere das Vibrato. Ein geschickter Einsatz von Vibrato ermöglicht es dem Ausführenden, sozusagen die Klangfarbe, das Timbre und folglich die gesamte "Atmosphäre" grundlegend zu verändern.
Warum sollte man dann den Klang eines Streichquintetts für eine Klavierversion opfern? Es gibt gute Gründe dafür. Der erste und wichtigste Grund ist, dass Brahms selbst diese Klavierbearbeitungen angefertigt hat. Sie sind nicht nur genehmigt, sondern bewusst und absichtlich von dem Künstler geschaffen worden, der das Originalwerk schrieb. Es scheint daher klar, dass Brahms davon überzeugt war, dass die Klavierversion dem Original gleichkommt oder zumindest den Vergleich standhält.
Zweitens konnte das Werk, indem die Anzahl der Spieler von fünf auf zwei reduziert wurde, häufiger aufgeführt werden und dadurch eine breitere Verbreitung erlangen. Natürlich sind die daraus resultierenden Klavierstücke nicht gerade einfach, aber in der Praxis war es viel einfacher, eine Aufführungsmöglichkeit für ein Klavierduett zu finden als für ein Streichquintett. Streichquintette werden nämlich üblicherweise für einen bestimmten Zweck, für ein bestimmtes Werk oder Ereignis zusammengestellt: während Streichquartette ihr eigenes Leben führen, ist es sehr ungewöhnlich, auf ein "festes" Streichquintett zu stoßen. (Dies hängt auch davon ab, dass es mindestens zwei Haupttypen von Streichquintetten gibt, nämlich solche mit zwei Bratschen und solche mit zwei Celli).





