Das mehrtägige Festival You Can Do It!, benannt nach dem gleichnamigen Song des kanadischen Produzenten Caribou, erinnert uns an das Mantra, das unser Leben in den vergangenen Jahrzehnten beherrscht hat: Wir können alles erreichen, solange wir hart genug dafür arbeiten. Aber zu welchem Preis? Auffallend viele Menschen leiden unter Stressstörungen, Angstgefühlen und Burnout. Zusammen mit Tom Struyf, Marina Otero, Collectif Faire-Part, György Kurtág und Marian Donner reflektiert deSingel vier Tage lang über unsere Leistungsgesellschaft.
Auf der Suche nach Antworten und Auswegen stoßen wir auf die argentinische Choreographin Marina Otero und ihre explosive Tanzproduktion Fuck Me. Dreißig Jahre als Tänzerin auf der Bühne und eine schwerwiegende Rückenoperation haben ihren Tribut gefordert. Otero selbst kann nicht mehr tanzen, aber sie präsentiert fünf nackte, muskulöse Männer als eine Verlängerung ihrer selbst.
In Finding Willard wirft der Theatermaker Tom Struyf einen historischen Blick auf unsere psychische Gesundheit. Er reiste mehrmals nach Willard, ein kleines Dorf in den Vereinigten Staaten in der Nähe der Grenze zu Kanada. Er entdeckte dort die Ruinen einer psychiatrischen Anstalt, die starke Ähnlichkeiten mit dem Krankenhaus in Geel aufweist.
Der Hausartist Collectif Faire-Part stellt ein Kurzfilmprogramm zusammen. Wie machen Filmemacher aus verschiedenen Regionen der Welt das Thema psychische Gesundheit zum Gegenstand der öffentlichen Debatte?
Zusammen mit Opera Ballet Vlaanderen bringen wir die belgische Uraufführung von Fin de Partie, die erste und einzige Oper von György Kurtág, basierend auf dem Theaterstück Endgame von Samuel Beckett. In diesem Meisterwerk scheinen Kurtág und Beckett mit dem menschlichen Ehrgeiz abzurechnen, immer voranzukommen und mehr zu wollen.
Abschließend sprechen wir mit der Schriftstellerin Marian Donner (Zelfverwoestingsboek, 2019) über gesellschaftliche und psychische Gesundheit sowie über den Erfolg (oder das Scheitern) der Selbsthilfeindustrie.
IM GESPRÄCH MIT
Kurator Michiel Vandevelde:
"Jeder arbeitet sich zu Tode, um besser zu sein als der andere und sich von der Fülle abzuheben"
"Wir wollen das Gespräch über psychische Gesundheit wieder gemeinsam führen"