Nominatie Gouden Label Debut - Wer bei den Pfadfindern in „unserer Zeit" (1970er/80er Jahre) war, lernte vielleicht noch das Lied mit dem schönen Text: „Schön ist die Jugend, die sich selbst ehrt, stark durch gediegenen Stahl". Dieser gediegene Stahl ist möglicherweise wörtlich gemeint vom Dichter, aber man kann ihn auch symbolisch betrachten und dann ist er veredelnd. So möchte ich beschreiben, wie die jugendlichen Musiker, begleitet von starker Unterstützung, die Zukunft bestimmen werden.
I Solisti und I Solisti YoungStars ist so etwas. Die YoungStars stehen für die Jugend, I Solisti für den gediegenen Stahl. Zusammen bilden sie ein Tandem, das den Weg zu Qualitätsverbesserung und einer starken Zukunft mit großer Professionalität ebnet. Die treibende Kraft, sagen wir der Inspirator des Konzepts I Solisti YoungStars, ist Francis Pollet, Laureat des Gouden Label Carrière 2014. Wenn man dann sieht, wie diese Karriere sich positiv weiterentwickelt und noch stärker wird, dann freut man sich, dass man jemanden mit diesem Titel bekrönen konnte.
Über das Konzert, Aufbau und Ausführung
I Solisti YoungStars suchte am Wochenende des 6. und 7. Oktober 2018 nach (sehr) jungen äußerst begabten Jugendlichen mit Auditions in Kortrijk und Lier. Ein Kandidat wurde ausgewählt und dieser wird einige Jahre von Francis Pollet und seinen Mitarbeitern begleitet. Der erste in der Reihe der YoungStars verabschiedete sich während des Konzerts in Lier als YoungStar, denn er ist nun „fertig". Der jetzt 17-jährige Cellist Frederik Daelemans, den die Anwesenden bei der Verleihung der Gouden Labels in Gent im Juni 2014 sicher noch in Erinnerung haben, spielte damals als 12-Jähriger eine der Cellsuiten von Bach.
Ein anderer Gouden Label Laureat, dieser für Jong Talent 2018, der 16-jährige Oboist Balder Dendievel, ist auch einer der YoungStars, zusammen mit seinem 14-jährigen Bruder Jappe, Fagott und Posaune. Der letzte in der Reihe ist der 12-jährige Hornist Dorian Scheck. Vier äußerst talentierte Jungen, redegewandt, nachdenklich, bescheiden, selbstbewusst und als erfahrene Musiker interpretierend. Kurz gesagt, aus dem richtigen Holz geschnitzt, um rein für die Musik einzustehen, für die Partitur, für die Geschichte in der Musik, die Harmonie, die Schönheit. Sie sagen es auch so in ihrer jugendlichen Begeisterung. Sehr schön an sich und manchmal wirklich ergreifend.
Chantal De Waele, vor kurzem noch bei Klara beiseite geschoben, präsentierte den Abend fließend und interviewte die jungen Künstler und ihren Mentor Francis Pollet. Ja, allein von diesen wohlgemeinten Worten, die jeder sprach, von der Fragestellung, die von verfeinerter Ergriffenheit zeugte, von der Überzeugung von Pollet „wir müssen das unterstützen" und so weiter, war packend. Ich bin sicher nicht der Einzige, der sich doch einmal die Augen reiben musste. Selbst ohne Musik klang faktisch bereits sehr viel Schönes, das dich sehr tief von innen berührte. Was für eine bewundernswerte Initiative doch!
Das Konzert
Das Konzert eröffnete mit einem Divertimento für zwei Oboen, zwei Fagotte und zwei Hörner des jungen Mozart. Ein sehr entspanntes, unschuldiges Werk, das sehr durchsichtig und daher sehr zart ist. Nun ja, Mozart ist immer zart, obwohl ich eine offene Tür einrenne, dies zu schreiben.
Erste Oboe war Balder Dendievel, unterstützt von Luk Nielandt. Neben ihm stand Jappe Dendievel als erstes Fagott mit zu seiner Linken dem „Helfer" Francis Pollet. Anthony Devriendt spielte erstes Horn immer sehr gut gefolgt von Dorian Scheck.
Glaub mir, dass es etwas von sehr hohem professionellem Niveau erklang. Hätte dieses Ensemble aus Schülern und Meistern hinter einem Vorhang spielen müssen und hätte das Publikum raten sollen, wer spielte, dann hätte man sich verrückt gesucht nach welchem berühmten Ensemble es sein könnte. Wohlan, es war das Debut, - ja ja das Debut! - von I Solisti YoungStars. Niemals zuvor spielten sie zusammen im Konzert.
Und ob dieses Mozartwerkchen nicht überzeugend genug war, setzte sich Frederik Daelemans an sein Cello mit einem stumm machenden Werk des Italieners Giovanni Sollima (1962): Lamentatio für Cello solo. Eigenheit dieser Komposition: der Cellist muss mitgesungen, während er spielt. Ein a-Laut auf einer Melodie, die etwas Orientalisches hat, und das Cello begleitet. Das Instrument führt sicher und erfordert eine große Virtuosität, aber auch ein sehr tiefgehendes Einfühlungsvermögen, eine große Sensibilität, einen warmen Charakter. All diese Elemente beherrscht / besitzt Frederik Daelemans wie ein Meister des Handwerks.
In einem Werk von Paul Hindemith spüren wir seine Verliebtheit in sein Frauchen. Man sieht sie zusammen entdeckend spazieren, hüpfen, träumen: „Vier Stücke für Fagott und Violoncello". Wieder hörten wir Frederik Daelemans unterstützt von Jappe Dendievel, der dieses Stück beherrschte, als würde er es zum 750. Mal spielen. Was hat dieser Junge eine erwachsene Haltung, seine Mimik, der Blick und dann dieses Spiel! 14 Jahre und so spielen? Es ist etwas, das man niemals vergessen darf, das miterleben zu dürfen, und noch mehr in meinem Fall, darüber schreiben zu dürfen.
Die Begeisterung des sehr leise lauschenden Publikums würde nicht gebrochen werden, eher im Gegenteil. Mit „Six Metamorphoses after Ovid" für Oboe solo von Benjamin Britten holte Balder Dendievel Taschentücher heraus. Ich bin mir sicher, Britten hat es niemals so schön gehört. Balder Dendievel kennt die einschlägige Literatur gründlich, versteht, wie Britten diese mythologischen Geschichten vertonte, und weiß dies als einer der größten Interpreten, in seinem Fall auf der Oboe, zum Vortrag zu bringen. Welche Technik, welche Höflichkeit auch, welch äußerst seltene pure Musikalität. O ja natürlich bin ich unendlich froh, ja sogar glücklich, dass Klassiek Centraal ihm den Gouden Label Jong Talent verleihen konnte (Juni 2018). Er verdient es jetzt noch mehr als vor einigen Monaten. Welch eine Entwicklung in dieser kurzen Zeit und es war schon so erstaunlich damals.
Die Brüder würden auch zusammenspielen und das taten sie. Herrlich zu hören und zu sehen. 'Three Little Peaces for Oboe and Bassoon' spielten diese genießenden Brüder, die wie ein erfahrenes Duo dialogierten und sich gegenseitig verstärkten in einer sublimen Interpretation. Mit einem Mini-Reigentänzchen, während des Spielens, endete dieses angenehme Werkchen mit einer fröhlichen zwinkernd Note.
Mit 'Papa' Haydn wurde abgerundet. Konnte es eine bessere Wahl geben? Haydn, dieser begeisternde wohlwollende Mann, der so vielen Chancen gab. Er könnte Symbol stehen für die Arbeit, die Francis Pollet mit diesen jungen Talenten verrichtet, die für alles gewöhnliche tolle Jugendliche sind, wie es sich gehört. Reine Seelen. Sie spielten in derselben Formation wie Mozart, nur mit umgekehrten Rollen für die erste Oboe und Fagott, Haydns Divertimento in F (Hob. II. 15). Ein sehr freundlicher Haydn, der in einem Landschaftsgemälde seine Liebe für Volk und Land in Musikform gibt. Wiederum nur dieses eine Wort verwenden: schön. Sehr schön.
- WAS: Jung & Erfahren
- WER: I Solisti und I Solisti YoungStars – Francis Pollet, Luk Nielandt, Anthony Devriendt, Frederik Daelemans, Balder Dendievel, Jappe Dendievel, Dorian Scheck
- WO & WANN: Jezuïtenkerk, Lier – Sonntag 7. Oktober 2018
- FOTOS: © Klassiek Centraal