Alle drei werken erst vor kurzem bei Bozar und präsentieren nun ein äußerst vollwertiges neues Saisenprogramm: Musikdirektor Jeroen Vanacker im Duo mit Aurore Aubouin und der neue Intendant des BNO, des Belgian National Orchestra, Bob Permentier, Hausorchester im Bozar
Für Vanacker ist dies sein erstes Projekt nach seiner hervorragenden Karriere in Brügge. Was ihn am Brüsseler Bozar reizt, ist natürlich, dass es hier ein "Kunsthaus" ist, im Plural. In Brügge gab es zwar Musik und Tanz, aber hier ist der Kontext breiter mit der Möglichkeit für echte transmusikalische Projekte. Es gibt literarische Debatten, es gibt bildende Kunst, Ausstellungen, die im September mit John Baldessari eröffnet werden und später "Schönheit und Hässlichkeit in der Renaissance". Und dann noch Europalia Spanien mit u.a. "Goya und der spanische Realismus". Das Musikprogramm läuft nicht ohne Grund unter dem Motto "Komplexität annehmen". Vanacker: "Bozar ist kein Komplex von Silos mit jeweils eigenem Inhalt, sondern es gibt viele Verbindungslinien durch alles hindurch und die Trennwände sind sehr durchlässig geworden, es wird viel zusammengearbeitet, zum Beispiel inspiriert uns diese Europalia mit Goya dazu, auch zwei Konzerte daran zu koppeln und das bezieht sich zum Beispiel auch auf ein brandneues Schlagzeugfestival Beats & Pieces, das unser Projekt ist, aber wo die Leute aus der Literatur dort Poesie dran koppeln. All diese Verbindungen, die hier entstehen, finde ich ungeheuer faszinierend."
Und es gibt natürlich die Top-Acts, von denen einige nur nach Brüssel kommen wollen. Also stehen hier auch das London Symphony Orchestra mit Antonio Pappano, das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam und die Wiener Symphoniker auf dem Programm. Und in Vorbereitung auf den Elisabeth-Wettbewerb für Cello kommt die argentinische Starcellistin Sol Gabetta vorbei. Für zeitgenössische Musik hören wir Werke der amerikanischen Julia Wolfe und es gibt am Internationalen Frauentag eine dreiteilige Hommage an Nadia Boulanger. Und auch die Jazzliebhaber bekommen noch Brad Mehldau serviert. Sonntagmorgens gibt es wieder das "Concert Croissant" mit u.a. Geigerin Maya Levy, "Preis des jungen Musikers 2023" der Vereinigung der Musikpresse.
Das ist nur ein Auszug aus dem Angebot, das Jeroen Vanacker nun machen kann. Vermisst er Brügge? " Vermissen hat einen negativen Klang, schwer zu beantworten. Aber ich denke natürlich mit großer Liebe an das Publikum, das dorthin kam, an die Menschen, die dort arbeiten, an die Künstler, an das Gebäude, ich vermisse sie alle, aber ich habe dafür auch viel bekommen: die Möglichkeit, neue Wege zu erkunden, jetzt gibt es so viel Freude, hier in einem ganz anderen Kontext zu ganz anderen Dingen zu kommen".
Das BNO, Hausorchester und lange Zeit Partner des Bozar, wird noch enger mit dem Kunsthaus zusammenarbeiten. Es startet eine Reihe kompakter Konzerte von einer Stunde ohne Pause, in denen eine "klassische" und beliebte Sinfonie aufgeführt und klar von VRT-Moderator Thomas Vanderveken eingeleitet wird. Dies soll in der Vision von BNO-Intendant Bob Permentier zu einer Verbreiterung des Publikums führen. Die Reihe heißt "Start to Classic". Der Probenraum des Orchesters direkt gegenüber vom Bozar in der Ravensteingalerie wird vollständig erneuert, sodass BNO-Musiker bereits üben können, als würden sie bereits auf der Bühne des berühmten Henri Le Boeuf-Saals sitzen. Und es gibt noch viel zu tun, im Bozar selbst. Der ehemalige Saal M wurde dort komplett entkernt, um ihn moderner zu gestalten, aber auch so wie Horta es wollte, so schrieb er doch in seinen Memoiren. Die Verschalung an den ehemaligen Stützpfeilern ist weg und die Betonstruktur ist nun sichtbar und wir sehen Horta als einen "Brutalismus"-Architekten.
Doch noch eine besondere technologische Innovation. Dank einer Glasfaserverbindung von der Brüsseler Kathedrale kann man im Bozar ein außergewöhnliches Orgelkonzert erleben. Der Organist (Thierry Escaich) in der Kathedrale und das Orchester im Henri Le Boeuf-Saal bringen Werke von Stravinsky, Fauré, Poulenc und Copland synchron zum Hörer im Bozar. Das ist doch außergewöhnlich.